Der Papst, sein Doppelgänger und ein gefährliches Angebot
Der frisch ernannte Papst Barnabé VI. plant eine Reise durch Lateinamerika, doch die finanzielle Lage des Vatikans lässt kaum Spielraum für einen solchen Auftritt. Rettung scheint in Form einer reichen Mexikanerin zu nahen, die bereit ist, die Reise zu bezahlen. Im Gegenzug soll das Kirchenoberhaupt an einer Veranstaltung in Ciudad Juárez teilnehmen. Dummerweise handelt es sich bei der vermeintlichen Wohltäterin um eine mächtige Drogenhändlerin. Weil der Vatikan kein unkalkulierbares Risiko eingehen möchte, wird kurzerhand ein Doppelgänger vorgeschickt. Als dieser während einer Fahrt im Papamobil entführt wird, nimmt das Durcheinander seinen Lauf.Papamobil - Ein Papst on Tour besitzt damit eine herrlich verrückte Ausgangsidee. Der Zusammenprall zwischen religiöser Symbolik, vatikanischer Bürokratie und mexikanischem Kartellmilieu eröffnet eigentlich jede Menge Möglichkeiten für bissige Satire. Tatsächlich deutet der Film interessante Gedanken über Macht, Glauben, öffentliche Inszenierung und die Sehnsucht nach Anerkennung an. Wirklich vertieft werden diese Themen aber kaum. Stattdessen reiht das Drehbuch zunehmend bizarre Begegnungen und Missverständnisse aneinander.
Kad Merad hält das Chaos zusammen
Kad Merad übernimmt die zentrale Doppelrolle mit sympathischer Gelassenheit. Sein falscher Papst ist weder ein besonders raffinierter Betrüger noch ein klassischer Held. Vielmehr gerät er in eine Situation, die ihn permanent überfordert, und versucht, mit Würde, Improvisation und einer gehörigen Portion Glück zu überleben. Merad versteht es, schon mit irritierten Blicken und kleinen Gesten Komik zu erzeugen. Gerade wenn die Dialoge nicht richtig zünden, hält seine Präsenz den Film noch einigermaßen auf Kurs.Myriam Tekaïa spielt die Kartellchefin Françoise bewusst größer als das Leben. Hinter ihrer Härte verbirgt sich eine fast kindliche Faszination für den Papst und die gesellschaftliche Anerkennung, die ein Besuch des Kirchenoberhauptes verspricht. Daraus entsteht eine interessante Dynamik, die zwischen Bedrohung und skurriler Bewunderung schwankt. Allerdings fehlen ihrer Figur ebenso wie den meisten Nebenrollen klar ausgearbeitete Konturen. Viele Charaktere erfüllen vor allem eine bestimmte Funktion für den nächsten Gag.
Zwischen charmantem Unsinn und sichtbaren Grenzen
Gedreht wurde die französisch-belgische Komödie unter schwierigen finanziellen Bedingungen in Mexiko. Das ursprünglich größer gedachte Projekt musste mit einem vergleichsweise kleinen Budget und einer kurzen Drehzeit umgesetzt werden. Diese Einschränkungen sind im fertigen Film deutlich zu erkennen. Einige Szenen wirken sprunghaft montiert, Übergänge fehlen oder erscheinen merkwürdig abrupt, während Actionmomente nicht die Dynamik entwickeln, die das Drehbuch offenbar vorgesehen hatte.Visuell kann Papamobil - Ein Papst on Tour dennoch einzelne Akzente setzen. Die staubigen Straßen, weitläufigen Landschaften und ungewöhnlichen Schauplätze bilden einen reizvollen Kontrast zur weißen Soutane des vermeintlichen Kirchenoberhauptes. Die Kamera findet immer wieder hübsche, beinahe surreal anmutende Bilder. Gleichzeitig schwankt die Inszenierung stark zwischen Kinokomödie, Fernsehproduktion und bewusst kultigem Trash. Ob Du diesen Stil als charmant oder schlicht misslungen empfindest, dürfte ganz wesentlich darüber entscheiden, wie viel Freude Du mit dem Film hast.
Der Humor fährt nicht immer in die richtige Richtung
Die Komödie setzt auf trockene Dialoge, religiöse Anspielungen, Situationskomik und bewusst absurde Überzeichnungen. Manche Ideen sind tatsächlich so eigenwillig, dass man über ihre bloße Existenz lachen muss. Andere Pointen werden jedoch zu umständlich vorbereitet oder verlaufen nahezu wirkungslos. Vor allem im Mittelteil verliert der nur rund anderthalbstündige Film überraschend häufig an Tempo. Hier wäre eine konsequentere Zuspitzung hilfreich gewesen.Trotzdem besitzt Papamobil - Ein Papst on Tour eine gewisse Unbekümmertheit, die man einer routiniert produzierten Mainstream-Komödie kaum noch zutraut. Der Film geht Risiken ein, nimmt seine Figuren nicht völlig ernst und weigert sich, sauber in eine Genre-Schublade zu passen. Daraus entsteht kein rundes Werk, aber immerhin eines mit einer eigenen Handschrift. Wer Spaß an sonderbaren europäischen Komödien und unfreiwillig komischen Momenten hat, könnte darin sogar einen kleinen Kandidaten für spätere Kultfilmabende entdecken.



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