Last Flight - Flucht aus Kabul Review

Solides Evakuierungsdrama zwischen historischem Chaos und patriotischer Heldenpose



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Im August 2021 bricht die staatliche Ordnung Afghanistans innerhalb weniger Tage zusammen. Die Taliban rücken auf Kabul vor, westliche Botschaften werden geräumt und Tausende verzweifelte Menschen versuchen, den Flughafen zu erreichen. Last Flight - Flucht aus Kabul greift diese dramatischen Ereignisse aus ungarischer Perspektive auf. Regisseur Zsombor Dyga verbindet die tatsächlich durchgeführte Evakuierungsmission der ungarischen Streitkräfte mit einer erfundenen Rettungsgeschichte. Daraus entsteht ein handwerklich solides Kriegs- und Actiondrama, das die Ausweglosigkeit am Flughafen eindrucksvoll vermittelt, seine Soldaten jedoch etwas zu bereitwillig in klassische Heldenrollen versetzt.

Kabul fällt innerhalb weniger Stunden

Als die internationalen Truppen ihren Abzug aus Afghanistan vorbereiten, übernehmen die Taliban schneller als erwartet die Kontrolle über das Land. Am 15. August 2021 erreichen sie Kabul. Menschen fliehen aus ihren Häusern, Straßen werden blockiert und die letzten verbliebenen ausländischen Kräfte versuchen, eigene Staatsbürger sowie gefährdete afghanische Helfer auszufliegen.

Eine ungarische Spezialeinheit erhält den Auftrag, innerhalb von zwei Tagen mehrere Hundert Menschen zum Flughafen zu bringen. Auf der Liste stehen ungarische und andere europäische Staatsbürger, aber auch Afghanen, die während des internationalen Militäreinsatzes mit westlichen Organisationen zusammengearbeitet haben. Für sie bedeutet eine Zurücklassung nicht bloß eine ungewisse Zukunft, sondern möglicherweise den Tod.

Der Film zeigt die Evakuierung als zunehmend unübersichtliche Operation. Angaben verändern sich, Sammelpunkte sind nicht mehr erreichbar und immer neue Menschen hoffen auf einen Platz in einer der Maschinen. Gleichzeitig müssen die Soldaten zwischen militärischen Befehlen und unmittelbarer menschlicher Not abwägen. Wer darf passieren? Wer besitzt die richtigen Dokumente? Und kann man tatsächlich weitergehen, wenn vor den Toren des Flughafens eine Familie um Hilfe bittet?
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Eine Ärztin gerät in die Hände der Taliban

Neben der groß angelegten Evakuierung erzählt Last Flight - Flucht aus Kabul eine persönliche Rettungsgeschichte. Die ungarische Ärztin Eszter arbeitet in einem Krankenhaus in Kabul und möchte ihre Patientinnen und Patienten auch angesichts der näher rückenden Taliban nicht verlassen. Beim Versuch, ein junges Mädchen zu schützen, gerät sie selbst in Gefangenschaft.

Leutnant Bálint Kerekes erfährt während des Einsatzes von ihrem Verschwinden. Eszter hatte ihm zwei Jahre zuvor nach einer Verletzung das Leben gerettet. Aus der damaligen Begegnung entwickelte sich eine enge Beziehung, die durch Rückblenden schrittweise offengelegt wird. Für Bálint ist die Rettungsmission deshalb nicht nur ein militärischer Auftrag. Er möchte Eszter finden, selbst wenn er damit seine Kameraden und die gesamte Evakuierung gefährdet.

Diese persönliche Verbindung soll dem großen historischen Geschehen ein emotionales Zentrum geben. Grundsätzlich funktioniert das, weil die Rettung einer einzelnen bekannten Figur leichter greifbar ist als eine lange Liste unbekannter Namen. Gleichzeitig bewegt sich der Film damit auf vertrautem Terrain. Die in Gefahr geratene Ärztin und der entschlossene Soldat, der Befehle missachtet, wirken wie Bestandteile eines konventionellen Actiondrehbuchs.

Die Rückblenden bremsen den Ablauf zudem mehrfach aus. Sie erklären Bálints Motivation, verleihen der Beziehung aber nicht genügend Tiefe, um das gesamte Drama zu tragen. Gábor Jászberényi und Blanka Mészáros spielen ihre Rollen engagiert. Die gemeinsame Vergangenheit bleibt dennoch eher ein dramaturgischer Anlass für die Rettungsaktion als eine wirklich berührende Liebesgeschichte.

Der Flughafen wird zum Zentrum der Verzweiflung

Seine stärksten Momente findet Last Flight - Flucht aus Kabul dort, wo er die einzelnen Helden für eine Weile zurücknimmt und das Chaos rund um den Flughafen beobachtet. Menschen drängen gegen Absperrungen, Kinder werden über Mauern gehoben und Soldaten versuchen, in einer kaum kontrollierbaren Menge bestimmte Personen zu finden. Jede Entscheidung kann darüber bestimmen, wer das Land noch rechtzeitig verlassen darf.

Kameramann Tamás Dobos erzeugt mit beweglichen Aufnahmen und engen Bildausschnitten eine glaubwürdige Unübersichtlichkeit. Immer wieder verliert die Kamera einzelne Figuren beinahe in der Menge. Die Inszenierung vermittelt dadurch das Gefühl einer Operation, deren ursprüngliche Planung schon wenige Stunden nach Beginn kaum noch etwas wert ist.

Auch die afghanische Zivilbevölkerung wird nicht ausschließlich als anonyme Kulisse behandelt. Der Film zeigt Familien, verletzte Menschen und frühere Mitarbeiter der internationalen Kräfte, deren Angst nachvollziehbar bleibt. Besonders wirkungsvoll sind die ruhigeren Augenblicke, in denen sich Hoffnung und Verzweiflung unmittelbar gegenüberstehen. Ein Stempel, ein Name auf einer Liste oder ein geöffnetes Tor kann plötzlich über ein gesamtes weiteres Leben entscheiden.

Allerdings nutzt die Produktion diese Perspektive nicht konsequent genug. Die afghanischen Figuren bleiben überwiegend Menschen, die gerettet, kontrolliert oder weitergeschickt werden müssen. Eigene Geschichten, politische Ansichten oder längerfristige Perspektiven erhalten sie kaum. Der Film sieht ihr Leid, betrachtet die Ereignisse aber vorwiegend durch die Augen der ausländischen Soldaten.
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Die Operation Sámán Pajzs liefert den realen Hintergrund

Inspiriert wurde der Film von der ungarischen Evakuierungsmission Sámán Pajzs, auf Deutsch etwa Schamanenschild. Im Zuge dieser Operation brachten die ungarischen Streitkräfte 540 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit, darunter 180 Frauen und Kinder. Last Flight - Flucht aus Kabul übernimmt diesen historischen Rahmen, ergänzt ihn aber durch frei erfundene Figuren und Actionszenen.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Der Film vermittelt zwar einen Eindruck von den logistischen Herausforderungen und der angespannten Sicherheitslage, darf aber nicht als genaue Rekonstruktion der tatsächlichen Mission verstanden werden. Insbesondere die Suche nach Eszter, ihre Gefangenschaft und Bálints persönliche Rettungsaktion gehören zur dramatischen Zuspitzung.

Das Drehbuch von Áron Horváth bemüht sich, militärische Abläufe verständlich darzustellen. Befehlswege, Transportlisten und die Koordination mit anderen Nationen spielen eine erkennbare Rolle. Gleichzeitig werden diese realistischen Elemente immer wieder zugunsten klassischer Actionkonventionen vereinfacht. Sobald Bálint und seine Kameraden zu ihrer nächtlichen Rettungsmission aufbrechen, nähert sich der Film stärker einem geradlinigen Militärthriller an.
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Ungarische Heldenpose mit politischen Nebenwirkungen

In Ungarn wurde die Produktion kontrovers aufgenommen. Kritiker warfen ihr vor, die Streitkräfte zu verherrlichen und als patriotisches Prestigeprojekt der Regierung zu funktionieren. Dieser Eindruck entsteht nicht völlig grundlos. Die ungarischen Soldaten werden fast ausnahmslos als mutig, kompetent und moralisch gefestigt dargestellt. Zweifel betreffen meist nur die Frage, wie viele zusätzliche Risiken sie eingehen dürfen, um noch mehr Menschen zu retten.

Andere beteiligte Nationen erscheinen demgegenüber gelegentlich bürokratisch, unentschlossen oder weniger handlungsfähig. Der Film formuliert daraus keine offene politische Botschaft, inszeniert die ungarische Einheit aber eindeutig als besonders entschlossene Kraft innerhalb des internationalen Chaos. Etwas mehr Ambivalenz hätte der Geschichte gutgetan.

Trotzdem wäre es zu einfach, Last Flight - Flucht aus Kabul ausschließlich als Propagandafilm abzutun. Der Film nimmt das Leid der afghanischen Bevölkerung ernst und zeigt durchaus, dass der überstürzte internationale Abzug zahlreiche Menschen im Stich ließ. Seine Soldaten retten nicht nur Landsleute, sondern setzen sich auch für afghanische Helfer und deren Familien ein.

Problematisch bleibt weniger diese humanitäre Grundhaltung als die nahezu makellose Zeichnung der zentralen Einheit. Interne Konflikte und moralische Fragen werden angesprochen, führen aber selten zu einer nachhaltigen Auseinandersetzung. Der Film möchte seine Soldaten feiern und gleichzeitig ein differenziertes Drama erzählen. Diese beiden Ziele lassen sich nicht immer überzeugend miteinander verbinden.

Überzeugende Bilder treffen auf begrenzte Figuren

Für ungarische Produktionsverhältnisse fällt Last Flight - Flucht aus Kabul sichtbar aufwendig aus. Kabul, die militärischen Anlagen und das Flughafengelände werden mit zahlreichen Statisten, Fahrzeugen und digitalen Erweiterungen glaubwürdig rekonstruiert. Nicht jeder Effekt hält einer genauen Betrachtung stand, doch das Gesamtbild besitzt eine beachtliche Größe.

Die Action bleibt weitgehend übersichtlich. Schusswechsel und Verfolgungen wirken angespannt, ohne in ein völlig überzogenes Spektakel abzugleiten. Besonders die nächtlichen Einsätze profitieren von einer dichten Geräuschkulisse und der ständigen Unsicherheit darüber, aus welcher Richtung die nächste Gefahr droht.

Darstellerisch bewegt sich der Film auf solidem Niveau. Gábor Jászberényi verleiht Bálint die notwendige Entschlossenheit, bleibt in den emotionaleren Szenen aber etwas eindimensional. Blanka Mészáros macht Eszter zu einer mutigen und mitfühlenden Ärztin, erhält jedoch zu wenig Raum außerhalb ihrer Funktion als vermisste Geliebte. Tamás Borovics überzeugt als Oberstleutnant Péter Herceg, der militärische Verantwortung und den Wunsch, möglichst viele Menschen zu retten, gegeneinander abwägen muss.

Die Nebenfiguren innerhalb der Einheit bleiben überwiegend bekannte Soldatentypen. Es gibt den erfahrenen Kämpfer, den loyalen Kameraden und den Vorgesetzten, der schwierige Entscheidungen treffen muss. Diese klare Zeichnung hilft dem hohen Tempo, verhindert aber eine stärkere emotionale Bindung. Wenn einzelne Figuren in Gefahr geraten, entsteht Spannung vor allem aus der Situation und weniger aus ihrer persönlichen Entwicklung.
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Ein solider Thriller über eine chaotische Mission

Mit einer Laufzeit von rund 97 Minuten erzählt der Film seine Geschichte vergleichsweise kompakt. Nach einer kurzen Einführung beginnt der Zusammenbruch Kabuls, und der Zeitdruck bleibt bis zum Finale erhalten. Die parallele Montage zwischen Flughafen, Militärstützpunkt und Eszters Gefangenschaft sorgt für ein gleichmäßig hohes Tempo.

Trotzdem wiederholen sich einzelne Konflikte. Bálint möchte die Ärztin retten, seine Vorgesetzten verweisen auf den größeren Auftrag und schließlich wird ein weiterer Kompromiss gesucht. Die Entscheidung, eine persönliche Liebesgeschichte in den Mittelpunkt zu stellen, nimmt dem historischen Geschehen gelegentlich sogar etwas von seiner Wucht. Das tatsächliche Schicksal Hunderter Menschen wäre bereits dramatisch genug gewesen.

Last Flight - Flucht aus Kabul funktioniert am besten, wenn er sich auf die Evakuierung konzentriert. Hier entwickelt der Film glaubwürdige Anspannung und vermittelt zumindest ansatzweise, welche unmöglichen Entscheidungen unter enormem Zeitdruck getroffen werden mussten. Sobald er zum konventionellen Rettungsfilm wird, nehmen Vorhersehbarkeit und Heldenpathos deutlich zu.

Seit dem 28. August 2026 ist der Film in Deutschland als Video-on-Demand erhältlich. Die deutsche Synchronfassung wird in Dolby 5.1 angeboten, alternativ steht die ungarische Originalfassung mit deutschen Untertiteln zur Verfügung. Gerade wegen des militärischen Tons und der überwiegend ungarischen Perspektive lohnt sich nach Möglichkeit ein Blick in die Originalfassung.

FAZIT

Last Flight - Flucht aus Kabul ist ein handwerklich solides Evakuierungsdrama, das das Chaos am Kabuler Flughafen mit beachtlichem Aufwand und mehreren spannenden Szenen rekonstruiert. Besonders die Bilder der verzweifelten Zivilbevölkerung und der enorme Zeitdruck vermitteln die Tragik des historischen Moments. Die erfundene Rettungsgeschichte um Bálint und Eszter bleibt dagegen vorhersehbar, während viele Figuren kaum über vertraute Militärfilmtypen hinauskommen. Auch die patriotische Überhöhung der ungarischen Einheit ist nicht zu übersehen. Als kompakter Actionthriller funktioniert der Film dennoch besser, als sein Ruf als bloßes Regierungsprojekt vermuten lässt.

Toobi (Spielemagazin.de)

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Solides Evakuierungsdrama zwischen historischem Chaos und patriotischer Heldenpose

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