Resurrection feierte 2025 im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes Premiere und wurde dort mit einem Spezialpreis ausgezeichnet. Das passt ziemlich gut zu einem Film, der sich ohnehin kaum in gewöhnliche Kategorien pressen lässt. Science-Fiction, Fantasy, Drama, Film noir, Stummfilmästhetik und romantischer Albtraum fließen ineinander. Bi Gan betrachtet dabei nicht nur das Träumen, sondern letztlich das Kino selbst als eine Möglichkeit, Vergangenes wieder zum Leben zu erwecken.
Eine fantastische Reise durch ein Jahrhundert Kino
Statt einer geradlinigen Handlung präsentiert Bi Gan verschiedene Abschnitte, Epochen und filmische Ausdrucksformen. Jackson Yee taucht dabei in wechselnden Erscheinungen auf, während Zeit und Identität zunehmend ihre festen Grenzen verlieren. Der Film wandert durch ein ganzes Jahrhundert und verändert dabei immer wieder sein Gesicht. Bildformat, Licht, Inszenierung und Erzählweise passen sich den jeweiligen Welten an. Resurrection fühlt sich dadurch manchmal tatsächlich so an, als würdest Du durch die Erinnerungen des Kinos selbst spazieren.Das ist zweifellos beeindruckend, kann aber auch anstrengend sein. Bi Gan erklärt ausgesprochen wenig. Zusammenhänge entstehen eher aus Motiven, Bildern und Gefühlen als aus Dialogen oder klassischer Dramaturgie. Wer einen Science-Fiction-Film erwartet, der seine Zukunftswelt Schritt für Schritt erläutert, dürfte ziemlich schnell merken, dass Resurrection etwas völlig anderes vorhat. Hier geht es nicht darum, jedes Detail logisch aufzulösen. Du sollst Dich auf den Film einlassen, ähnlich wie auf einen Traum, an den Du Dich morgens nur noch in einzelnen Bildern erinnerst.
Jackson Yee verliert sich zwischen Traum und Wirklichkeit
Jackson Yee ist für dieses Konzept eine bemerkenswerte Besetzung. Statt lediglich eine klar definierte Hauptfigur zu spielen, muss er unterschiedliche Facetten und Zustände verkörpern. Mal wirkt er verloren, mal geheimnisvoll, dann wieder beinahe wie eine Figur aus einer längst vergangenen Filmepoche. Gerade diese Wandelbarkeit gibt Resurrection seinen emotionalen Mittelpunkt. Shu Qi wiederum besitzt eine enorme Leinwandpräsenz und funktioniert hervorragend als Verbindung zwischen Zuschauer, Traumwelt und dem rätselhaften Wesen im Zentrum der Geschichte.Auch Mark Chao, Li Gengxi und Huang Jue gehören zum Ensemble, doch Resurrection ist weniger ein Schauspielerfilm im klassischen Sinne als ein Zusammenspiel aus Darstellern, Kamera, Ton, Ausstattung und Musik. Besonders die von Dong Jingsong fotografierten Bilder sind teilweise schlicht überwältigend. Räume wirken wie Erinnerungen, Licht scheint beinahe greifbar und selbst vermeintlich kleine Bewegungen bekommen durch die präzise Inszenierung eine enorme Bedeutung.
Bi Gan macht das Kino selbst zum Hauptdarsteller
Spätestens hier wird deutlich, weshalb Resurrection international so viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Bi Gan interessiert sich nicht nur dafür, was Kino erzählt, sondern wie Kino Wahrnehmung erzeugt. Unterschiedliche Epochen der Filmgeschichte werden nicht einfach zitiert, sondern in seine eigene Bildsprache aufgenommen. Besonders eindrucksvoll sind die langen Einstellungen, für die der Regisseur bereits bei Long Day's Journey Into Night bekannt war. Eine ausgedehnte Sequenz im späteren Verlauf entwickelt dabei einen regelrechten Sog, weil Kamera, Bewegung, Räume und Figuren scheinbar ohne Unterbrechung ineinandergreifen.Die Musik von M83 verstärkt diesen Eindruck. Sie drängt sich nicht permanent in den Vordergrund, trägt aber entscheidend dazu bei, dass Resurrection streckenweise weniger wie ein Film und mehr wie eine audiovisuelle Installation wirkt. Gerade im Zusammenspiel mit dem aufwendigen Produktionsdesign entstehen Bilder, die tatsächlich noch lange im Gedächtnis bleiben können.
Großes Kino verlangt hier allerdings Geduld
All diese Qualitäten haben ihren Preis. Mit rund zweieinhalb Stunden Laufzeit verlangt Resurrection erhebliche Aufmerksamkeit. Der Film nimmt sich Zeit, verweigert einfache Erklärungen und interessiert sich kaum dafür, ob jeder Zuschauer seiner Symbolik folgen kann. Manche Passagen entwickeln einen hypnotischen Rhythmus, andere können sich durchaus sperrig oder unnötig lang anfühlen. Wer eine klassische Geschichte mit klar definiertem Konflikt, Spannungsbogen und Auflösung erwartet, dürfte sich entsprechend schwertun.Gerade darin liegt aber auch die Konsequenz dieses ungewöhnlichen Films. Bi Gan versucht nicht, möglichst vielen Erwartungen gerecht zu werden. Resurrection ist eine Liebeserklärung an die Fähigkeit des Menschen, sich Welten vorzustellen, und zugleich an ein Medium, das solche Welten sichtbar machen kann. Der Film erinnert daran, dass Kino nicht immer nur Handlung sein muss. Manchmal darf ein Bild einfach wirken, ein Geräusch eine Erinnerung auslösen und eine Szene Fragen hinterlassen, auf die es vielleicht gar keine eindeutige Antwort gibt.



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