Bücher

Too much Review

Warum uns Kontrolle erschöpft und Loslassen neue Stärke geben kann



Too much Review Bild Too much Review Screenshot Too much Review Foto
Foto: Dieses Bild wurde mit einer KI generiert. Mehr zum Thema Transparenz.

Es ist zu viel. Zu viele Nachrichten, zu viele Möglichkeiten, zu viele Aufgaben und ständig das Gefühl, eigentlich noch etwas erledigen zu müssen. Gleichzeitig erwarten wir von uns, Beruf, Beziehungen, Gesundheit und persönliche Entwicklung möglichst souverän im Griff zu behalten. Genau dieses Lebensgefühl nimmt Eva Asselmann in „Too much“ auseinander. Die Psychologieprofessorin beschäftigt sich dabei nicht einfach mit Stress, sondern mit einer spannenderen Frage: Warum versuchen wir ausgerechnet dann besonders viel zu kontrollieren, wenn uns ohnehin schon alles über den Kopf wächst?

Warum wir unbedingt die Kontrolle behalten wollen

Kontrolle vermittelt Sicherheit. Wenn Du das Gefühl hast, Dein Leben beeinflussen zu können, erscheint die Welt berechenbarer. Problematisch wird es, wenn die Realität diesem Bedürfnis nicht mehr folgt. Gesellschaftliche Krisen, berufliche Unsicherheit, persönliche Veränderungen und eine kaum endende Flut neuer Informationen lassen sich schließlich nicht vollständig beherrschen.

Eva Asselmann beschreibt Kontrolle deshalb zunächst als etwas völlig Menschliches. Erst wenn der Versuch, Unsicherheit zu vermeiden, selbst immer mehr Energie verschlingt, beginnt ein problematischer Kreislauf. Wir organisieren noch genauer, versuchen uns weiter zu optimieren und beschäftigen uns gedanklich permanent mit Dingen, die möglicherweise passieren könnten. Das Ergebnis kann ausgerechnet noch mehr Überforderung sein.
„Too much“ stellt eine unangenehm treffende Frage: Was, wenn unser Versuch, alles im Griff zu behalten, selbst ein Teil des Problems geworden ist?

Eine Psychologin, die Wissenschaft verständlich macht

Eva Asselmann weiß, worüber sie schreibt. Die 1989 geborene Psychologin ist Professorin an der HMU Health and Medical University in Potsdam und beschäftigt sich wissenschaftlich unter anderem mit Persönlichkeitsentwicklung, Stressmanagement und Prävention. Forschungsaufenthalte führten sie auch an die University of California in Los Angeles. Bereits mit ihren früheren Büchern „Woran wir wachsen“ und „Easy Relax“ hat sie psychologische Forschung für ein breites Publikum aufbereitet.

Das gelingt ihr auch in „Too much“. Das 256 Seiten umfassende Buch liest sich nicht wie eine verlängerte Universitätsvorlesung. Asselmann arbeitet mit Situationen, in denen Du Dich ziemlich leicht wiederfinden kannst, und verbindet diese mit psychologischen Erkenntnissen. Dadurch entsteht ein Ratgeber, der wissenschaftliche Grundlagen ernst nimmt, aber nicht permanent beweisen muss, wie wissenschaftlich er ist.

Das ist gerade bei einem Thema wie Überforderung angenehm. Wer ohnehin das Gefühl hat, dass ihm alles zu viel wird, möchte vermutlich nicht erst fünfzig Seiten Fachterminologie durcharbeiten, bevor die ersten praktischen Gedanken auftauchen.

Selbstoptimierung kann selbst zur Belastung werden

Besonders interessant ist Asselmanns Blick auf Selbstoptimierung. Unsere Möglichkeiten sind größer geworden, gleichzeitig wächst damit aber die Zahl der Entscheidungen. Wir können effizienter arbeiten, gesünder leben, produktiver sein, Beziehungen bewusster gestalten und unsere Freizeit möglichst sinnvoll nutzen. Selbst Entspannung kann irgendwann wie eine weitere Aufgabe auf der persönlichen To-do-Liste wirken.

„Too much“ macht nachvollziehbar, warum mehr Möglichkeiten nicht automatisch mehr Freiheit bedeuten. Ständig auswählen und entscheiden zu können, kostet ebenfalls Kraft. Hinzu kommen gesellschaftliche Beschleunigung, Unsicherheit und Einsamkeit. Asselmann betrachtet Überforderung deshalb nicht ausschließlich als individuelles Problem, das sich mit etwas besserem Zeitmanagement beseitigen lässt.
Vielleicht brauchen wir nicht für jeden Bereich unseres Lebens eine bessere Strategie - manchmal müssen wir akzeptieren, dass nicht alles gleichzeitig optimiert werden kann.
Genau hier wird das Loslassen wichtig. Gemeint ist damit allerdings keineswegs, Verantwortung abzugeben und darauf zu hoffen, dass sich Probleme von allein erledigen. Asselmann unterscheidet vielmehr zwischen Bereichen, in denen Du tatsächlich handeln kannst, und Situationen, deren Ausgang sich Deiner Kontrolle entzieht. Diese Unterscheidung klingt simpel, besitzt im Alltag aber erstaunlich viel Sprengkraft.

Praktische Werkzeuge statt einfacher Glücksrezepte

Erfreulicherweise bleibt „Too much“ nicht bei der Diagnose stehen. Eva Asselmann integriert praktische Werkzeuge und Übungen, mit denen Du die beschriebenen Mechanismen auf Deinen eigenen Alltag übertragen kannst. Es geht um Selbstwirksamkeit, innere Stärke und darum, trotz äußerer Unsicherheit wieder handlungsfähig zu werden.

Das Buch verspricht dabei keine wundersame Verwandlung in einen permanent entspannten Menschen. Gerade das macht seinen Ansatz glaubwürdig. Schließlich werden Nachrichtenlage, Termindruck oder persönliche Probleme nicht dadurch verschwinden, dass Du ein psychologisches Sachbuch gelesen hast. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Aufmerksamkeit und Energie Du Dingen gibst, die sich überhaupt nicht beeinflussen lassen.

Die positive Rezeption des Buches lässt sich gut nachvollziehen. Besonders häufig überzeugen die verständliche Sprache, die lebensnahen Beispiele und die Verbindung zwischen Forschung und konkreten Handlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig liegt darin auch eine Grenze. Wenn Du Dich bereits intensiv mit Resilienz, Stressbewältigung, Achtsamkeit und Selbstwirksamkeit beschäftigt hast, wird Dir nicht jeder Gedanke neu erscheinen. Asselmann erfindet die Psychologie des Umgangs mit Überforderung nicht neu. Sie bringt unterschiedliche Erkenntnisse aber überzeugend in einen aktuellen Zusammenhang.
Die eigentliche Stärke von „Too much“ besteht darin, Loslassen nicht als Kapitulation zu verkaufen, sondern als bewusste Entscheidung darüber, wofür wir unsere begrenzte Kraft einsetzen.
Das macht das Buch zu einem erstaunlich zeitgemäßen Begleiter. Denn wahrscheinlich wird unsere Welt in absehbarer Zukunft weder langsamer noch übersichtlicher. Eva Asselmann verspricht deshalb auch nicht die vollständige Kontrolle über das Chaos. Sie zeigt vielmehr, wie Du darin wieder einen eigenen Handlungsspielraum finden kannst. Und vielleicht ist genau das am Ende realistischer als der nächste perfekte Plan.

FAZIT

„Too much“ ist ein verständlicher, wissenschaftlich fundierter und erfreulich lebensnaher Psychologie-Ratgeber. Eva Asselmann erklärt überzeugend, warum unser menschliches Bedürfnis nach Kontrolle gerade in unsicheren Zeiten selbst zur Belastung werden kann und weshalb Loslassen keineswegs mit Aufgeben gleichzusetzen ist. Besonders gelungen sind die Verbindung aus Forschung, Alltagssituationen und praktischen Werkzeugen sowie die klare Sprache. Wer bereits zahlreiche Bücher über Resilienz, Selbstwirksamkeit und Stressmanagement gelesen hat, wird einige Grundgedanken wiedererkennen. Dennoch gelingt Asselmann eine sehr aktuelle und schlüssige Zusammenführung. Ein kluger Ratgeber für Menschen, die nicht noch effizienter funktionieren, sondern bewusster entscheiden möchten, was ihre Aufmerksamkeit tatsächlich verdient.

Jacqueline (Spielemagazin.de)

Wie wir bewerten. Mehr zum Thema Transparenz.

Spielemagazin-Wertung: 89%
Warum uns Kontrolle erschöpft und Loslassen neue Stärke geben kann

Noch keine Kommentare. Starte die Diskussion!



Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten, die mit gekennzeichnet sind. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Für dich ändert sich nichts, auch nicht am Preis, aber du unterstützt dieses Projekt. Dieser Beitrag wurde mithilfe generativer KI erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr zur Transparenz.

Dies wird dich interessieren...
KI im praktischen Einsatz

Wolfram Gieseke zeigt, wie KI bei Texten, Bildern, Musik und Videos wirklich hilft



A Court of Wings and Ruin

Liebe, Verrat und Krieg: Der dritte Acotar-Band führt Prythian an seine Grenzen



Redakteur werden bei Spielemagazin.de
Wir suchen Verstärkung für unsere Redaktion.

DU LIEBST SPIELE, FILME, MUSIK ODER BÜCHER? MACH MIT!

Veröffentliche Tests und News, führe Interviews oder werde Teil unseres Podcast-Teams.

Redakteur werden