Feyre kehrt an den Frühlingshof zurück
Feyre befindet sich wieder dort, wo vieles begonnen hat: am Frühlingshof und damit in unmittelbarer Nähe von Tamlin. Doch die Verhältnisse haben sich vollständig verändert. Ihre Verbindung zu Rhysand und dem Hof der Nacht muss verborgen bleiben, während Feyre versucht herauszufinden, welche Pläne Tamlin und der König von Hybern verfolgen. Ausgerechnet der Frühlingshof wird damit zum Schauplatz eines gefährlichen Doppelspiels.Maas lässt sich für diesen Teil erfreulich viel Zeit. Statt sofort gigantische Armeen aufeinander loszulassen, beginnt „A Court of Wings and Ruin“ beinahe wie ein Fantasy-Spionagethriller. Feyre muss beobachten, manipulieren und ihre tatsächlichen Absichten verbergen. Gerade weil Du ihre Vorgeschichte mit Tamlin kennst, besitzen diese Begegnungen eine zusätzliche emotionale Spannung.
Feyre ist längst nicht mehr die junge Frau, die einst nach Prythian verschleppt wurde - und genau diese Entwicklung trägt den dritten Band.
Aus Romantasy wird große Kriegsfantasy
Danach erweitert Sarah J. Maas die Dimensionen erheblich. Der drohende Krieg gegen Hybern zwingt die verschiedenen Höfe dazu, ihre Rivalitäten zumindest zeitweise zu hinterfragen. Bündnisse müssen geschlossen werden, alte Feindschaften stehen plötzlich einer gemeinsamen Bedrohung gegenüber und niemand kann sicher sein, welche Interessen die anderen Beteiligten tatsächlich verfolgen.Hier zahlt sich das Worldbuilding der vorherigen Bücher aus. Prythian besteht nicht länger lediglich aus hübschen Kulissen für Feyres persönliche Geschichte. Die einzelnen Höfe besitzen unterschiedliche Interessen, Herrscher und Verletzungen aus der Vergangenheit. Besonders die Begegnungen zwischen den High Lords gehören deshalb zu den unterhaltsamsten Abschnitten des Romans. Maas kann Figuren aufeinanderprallen lassen, die sich nicht zwangsläufig mögen, aber möglicherweise trotzdem zusammenarbeiten müssen.
Mit mehr als 700 Seiten ist das allerdings kein schlanker Fantasyroman. Gelegentlich merkt man „A Court of Wings and Ruin“ seine Länge durchaus an. Maas liebt emotionale Gespräche, Beziehungsdynamiken und ausführliche Momente zwischen ihren Figuren. Wenn Du die Charaktere bereits ins Herz geschlossen hast, gehört genau das zum Reiz. Wer hauptsächlich auf die nächste große Wendung wartet, dürfte manche Passage dagegen als etwas ausgedehnt empfinden.
Rhysand und Feyre funktionieren als echtes Team
Die Romanze bleibt selbstverständlich ein wichtiger Bestandteil. Interessanter ist diesmal jedoch weniger die Frage, wer Feyres Herz gewinnt. Diese Entscheidung ist im Wesentlichen gefallen. Stattdessen untersucht Sarah J. Maas, wie Feyre und Rhysand innerhalb einer bestehenden Beziehung funktionieren, wenn politische Verantwortung, Familie und ein bevorstehender Krieg auf ihnen lasten.Das tut dem Roman gut. Die Beziehung muss nicht künstlich durch immer neue Missverständnisse am Leben gehalten werden. Vertrauen und gegenseitige Unterstützung werden ebenso wichtig wie Leidenschaft. Gleichzeitig bekommen zahlreiche Nebenfiguren deutlich mehr Raum. Cassian, Azriel, Mor, Amren, Lucien sowie Feyres Schwestern sind keine bloße Dekoration, sondern bringen eigene Konflikte und Interessen mit.
Die eigentliche Stärke von „A Court of Wings and Ruin“ liegt nicht in einer einzelnen Liebesgeschichte, sondern in dem inzwischen beeindruckend großen Ensemble.
Wenn Prythian schließlich in den Krieg zieht
Im letzten großen Abschnitt löst Maas das Versprechen des Titels ein. Diplomatie und Intrigen weichen zunehmend offenen Auseinandersetzungen. Schlachten, magische Kräfte und Opfer treiben das Geschehen voran, ohne dass „A Court of Wings and Ruin“ seinen emotionalen Kern verliert. Gerade weil Du inzwischen so viele Figuren kennst, funktioniert die Bedrohung besser als ein bloßes Fantasy-Spektakel.Dabei besitzt Maas eine ausgeprägte Vorliebe für große Gefühle. Manche dramatische Situation wird noch einmal zusätzlich aufgeladen, Wendungen fallen bisweilen ausgesprochen effektvoll aus und nicht jede Entwicklung wirkt vollkommen überraschend. Wer nüchterne, politisch komplexe High Fantasy erwartet, ist hier ohnehin im falschen Roman. Maas schreibt emotional, romantisch und mit großer Lust am Spektakel.
Das erklärt zugleich, warum „A Court of Wings and Ruin“ bei Lesern außerordentlich erfolgreich geblieben ist. Der Roman wurde bereits bei seiner ursprünglichen Veröffentlichung sehr positiv aufgenommen und gehört zu den besonders populären Teilen der Reihe. Die Mischung aus Romance, Fantasy, starken Nebenfiguren und groß angelegtem Konflikt trifft ziemlich genau das, was später unter dem Begriff Romantasy zu einem enormen Genretrend geworden ist.
Sarah J. Maas schreibt Fantasy nicht mit angezogener Handbremse: Wenn geliebt, gekämpft oder gelitten wird, dann richtig.




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