KI verstehen, ohne Informatik studieren zu müssen
Gieseke ist seit vielen Jahren als Autor von Computer- und Technikbüchern bekannt und hat sich unter anderem intensiv mit Windows, Netzwerken und IT-Sicherheit beschäftigt. Diese Erfahrung merkt man „KI im praktischen Einsatz“ an. Das Buch richtet sich nicht an Entwickler oder KI-Forscher, sondern an Menschen, die ChatGPT und Co. benutzen möchten, ohne sich zunächst durch wissenschaftliche Abhandlungen arbeiten zu müssen.Dementsprechend beginnt Gieseke mit den Grundlagen. Was steckt eigentlich hinter dem Begriff künstliche Intelligenz? Was können moderne Systeme leisten und wo liegen ihre Grenzen? Dabei bleibt die Darstellung bewusst zugänglich. Du musst weder programmieren können noch mathematische Vorkenntnisse mitbringen.
Die wichtigste Botschaft des Buches ist erfreulich pragmatisch: KI versteht man am besten, indem man sie tatsächlich benutzt.
Gute Prompts sind mehr als eine nette Frage
Ein zentraler Bereich beschäftigt sich folgerichtig mit Prompts. Wer erstmals mit einem KI-Chatbot arbeitet, tippt häufig einfach eine Frage ein und wundert sich anschließend, warum die Antwort eher allgemein bleibt. Gieseke zeigt, wie stark sich Resultate verändern können, wenn Du einer KI präzise erklärst, welche Aufgabe sie erledigen, welchen Kontext sie berücksichtigen und in welcher Form sie antworten soll.Dabei geht es nicht darum, Prompt Engineering zu einer Geheimwissenschaft aufzublasen. Vielmehr vermittelt das Buch grundlegende Methoden, mit denen sich die Kommunikation mit KI-Systemen verbessern lässt. Das ist gerade für Einsteiger hilfreich, weil schlechte Ergebnisse eben nicht zwangsläufig bedeuten, dass das verwendete System nichts taugt.
Anschließend wird es zunehmend praktisch. KI kann beim Recherchieren und Informieren eingesetzt werden, beim Formulieren eigener Texte helfen und teilweise Aufgaben übernehmen, für die bislang klassische Suchmaschinen verwendet wurden. Gieseke betrachtet dabei unter anderem ChatGPT, Microsoft Copilot und DeepL und zeigt anhand nachvollziehbarer Anwendungen, wo solche Dienste im Alltag nützlich werden können.
Von KI-Bildern bis zu Musik und Videoclips
Besonders interessant wird „KI im praktischen Einsatz“, sobald Gieseke die reine Textverarbeitung verlässt. Generative KI besteht schließlich längst nicht mehr nur aus Chatbots. Bilder lassen sich aus Beschreibungen erzeugen, Musik kann algorithmisch komponiert werden und auch Videoclips entstehen zunehmend auf Grundlage weniger Vorgaben.Das Buch verschafft Dir einen Überblick über diese Möglichkeiten und konzentriert sich bewusst auf Werkzeuge, die kostenlos verwendet, nach einer Registrierung ausprobiert oder zumindest mit überschaubaren Einschränkungen getestet werden können. Dadurch bleibt die Einstiegshürde niedrig. Du sollst die beschriebenen Möglichkeiten eben möglichst selbst nachvollziehen können, anstatt lediglich darüber zu lesen.
„KI im praktischen Einsatz“ ist am stärksten, wenn aus einem abstrakten Schlagwort plötzlich ein Werkzeug wird, das Du fünf Minuten später selbst ausprobieren kannst.
Das ist weniger ein Fehler des Autors als eine Eigenschaft des Themas. Umso wichtiger ist es, die beschriebenen Beispiele nicht ausschließlich als Bedienungsanleitungen für bestimmte Dienste zu verstehen. Interessanter sind die dahinterliegenden Prinzipien: Wie formuliere ich eine Aufgabe? Wie bewerte ich ein KI-Ergebnis? Welche Arbeitsschritte kann ein System übernehmen und wann sollte ich skeptisch werden?
KI kann beeindrucken und überzeugend falschliegen
Gerade der letzte Punkt ist entscheidend. Generative KI produziert nicht automatisch Wahrheit. Texte können falsche Behauptungen enthalten, Bilder realistische Situationen zeigen, die niemals stattgefunden haben, und künstlich erzeugte Stimmen oder Videos machen die Grenze zwischen authentischem und synthetischem Material zunehmend schwer erkennbar.Das Buch macht dadurch indirekt auch deutlich, warum Medienkompetenz im KI-Zeitalter wichtiger wird. Wer weiß, wie einfach sich überzeugend wirkende Inhalte generieren lassen, betrachtet spektakuläre Bilder, Aussagen oder vermeintliche Beweise hoffentlich mit etwas mehr Vorsicht. Gleichzeitig sollte diese Problematik nicht darüber hinwegtäuschen, wie nützlich dieselben Technologien für kreative und produktive Aufgaben sein können.
Wer KI sinnvoll nutzen möchte, braucht nicht nur gute Prompts, sondern auch genügend Skepsis gegenüber erstaunlich überzeugenden Ergebnissen.
Für Menschen, die ChatGPT, Copilot und ähnliche Angebote ohnehin täglich intensiv verwenden, bleibt der Erkenntnisgewinn naturgemäß begrenzt. Die Stärke liegt eindeutig beim Einstieg und beim strukturierten Überblick über verschiedene Einsatzgebiete. Wer bislang zwar ständig von künstlicher Intelligenz hört, aber nicht recht weiß, wo er anfangen soll, findet hier dagegen einen verständlichen und angenehm praxisorientierten Ausgangspunkt.



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