Piraten, Verräter, Kulte und seltsame Kreaturen bevölkern eine Welt, die nicht auf klassische Weltraumromantik setzt. Statt glitzernder Sternenreisen gibt es verlassene Stationen, feindliche Flotten und die ständige Frage, ob Du mit Deiner Beute noch rechtzeitig wieder zur Basis zurückkehrst. Omen besitzt ein interessantes Szenario und genug Eigenständigkeit, um nicht wie ein weiterer austauschbarer Sci-Fi-Shooter zu wirken.
Expeditionen mit echtem Risiko
Als Astral startest Du von Deiner Basis aus zu Expeditionen in verschiedene Regionen des ehemaligen Samarin-Imperiums. Dort suchst Du nach Ressourcen, erledigst Aufgaben, bekämpfst feindliche Schiffe und sammelst neue Waffen oder Fähigkeiten ein. Der wichtige Punkt: Nicht alles, was Du findest, ist automatisch sicher. Erst wenn Du eine Mission erfolgreich beendest und extrahierst, wird die Beute dauerhaft Teil Deines Arsenals.Dieses Prinzip erzeugt eine gute Grundspannung. Nach einem gelungenen Gefecht ist die Versuchung groß, noch eine weitere Kiste zu öffnen oder einem zusätzlichen Signal zu folgen. Gleichzeitig wachsen die Gefahren mit jedem weiteren Schritt. Ziehst Du Dich jetzt zurück und sicherst Deinen Fortschritt, oder riskierst Du den Verlust für eine möglicherweise stärkere Belohnung?
Omen macht diese Entscheidungen meist nachvollziehbar. Regionen, Gegnergruppen und Aufträge unterscheiden sich ausreichend, damit die Expeditionen nicht sofort nach derselben Routine aussehen. Auf längere Sicht wiederholen sich jedoch einige Abläufe, denn der Kern bleibt immer: kämpfen, plündern, überleben und zurückkehren. Wer genau diesen Loop mag, findet darin viel Motivation. Wer größere erzählerische Abwechslung erwartet, wird die Struktur früher durchschauen.
Top-Down-Kämpfe mit viel Ausrüstung
Die Gefechte laufen aus der Vogelperspektive ab und verlangen schnelle Bewegung, sauberes Zielen und eine gute Einschätzung der Gegner. Dein Schiff kann mit einer großen Auswahl an Waffen und Fähigkeiten ausgerüstet werden. Direktfeuer, Flächenangriffe, defensive Systeme und Spezialfähigkeiten lassen sich kombinieren, sodass Du Deinen bevorzugten Stil recht frei entwickeln kannst.Omen bietet mehr als 80 Waffen und Schiffsfähigkeiten. Diese Menge klingt zunächst nach reiner Masse, doch viele Fundstücke verändern tatsächlich, wie Du eine Begegnung angehst. Ein defensiver Build hält gegnerische Wellen besser aus, während ein offensiver Ansatz einzelne Ziele schnell ausschalten kann, aber bei Fehlern deutlich weniger verzeiht. Gerade das Ausprobieren neuer Kombinationen trägt den Roguelite-Gedanken überzeugend.
Die Steuerung mit Maus und Tastatur passt sehr gut zum direkten Schusswechsel, mit dem Controller klappt es natürlich auch. Bewegungen und Angriffe reagieren zuverlässig, während wichtige Informationen zu Gegnern und Beute im Normalfall gut lesbar bleiben. Wenn sehr viele Schiffe, Projektile und Effekte gleichzeitig auf dem Bildschirm sind, kann die Übersicht allerdings leiden. Dann entscheidet nicht nur die gewählte Ausrüstung, sondern auch, ob Du in der Hektik noch den richtigen Fluchtweg siehst.
Vier Fraktionen, unterschiedliche Gefahren
Gegen Dich treten vier feindliche Fraktionen an. Piraten setzen auf direkte Angriffe und Überzahl, verräterische Legionen wirken organisierter, während Kulte und die Kreaturen des Veil stärker mit der kosmischen Horroridee des Spiels verbunden sind. Die Unterschiede verhindern, dass sich sämtliche Begegnungen identisch anfühlen, auch wenn nicht jede Fraktion spielerisch gleich markant profiliert ist.Besonders die größeren Flottengefechte haben Potenzial. Dort kämpfst Du nicht immer völlig allein, sondern kannst an der Seite loyaler Überreste des Imperiums gegen eine überlegene Streitmacht antreten. Diese Schlachten geben Omen zwischendurch eine größere Dimension und sorgen für willkommene Abwechslung zu kleineren Loot-Runs.
Die Gegner-KI erfüllt ihren Zweck, entwickelt aber nur selten wirklich überraschende Taktiken. Häufig geht es darum, Gefahrenzonen zu meiden, konzentriert Feuer zu verteilen und die gefährlichsten Einheiten zuerst zu beseitigen. Das ist solide, erreicht aber nicht immer die Raffinesse, die das interessante Fraktionssetting verspricht.
Die Basis als Zuflucht und zweite Front
Zwischen den Expeditionen kehrst Du zu Deiner Basis zurück. Hier stellst Du Verteidigungsanlagen her, verbesserst Deine Möglichkeiten und bereitest den nächsten Ausflug vor. Diese Management-Ebene passt gut zur düsteren Ausgangslage: Dein Stützpunkt ist keine bequeme Heimat, sondern eine fragile Zuflucht, die gegen feindliche Angriffe geschützt werden muss.Die Verteidigungsmechanik ergänzt den Shooter sinnvoll, ohne daraus ein vollwertiges Aufbauspiel zu machen. Du platzierst Strukturen, nutzt Ressourcen aus den Expeditionen und musst darauf achten, dass eine Welle von Gegnern nicht Deine langfristige Planung zunichtemacht. Gerade zu Beginn motiviert das sehr, weil neue Bauteile und Verbesserungen sichtbar machen, dass Deine riskanten Ausflüge Folgen haben.
Mit der Zeit wird das System etwas funktionaler. Der Basisbau liefert nützliche Vorteile, entfaltet aber nicht immer dieselbe kreative Freiheit wie die Schiffskonfigurationen. Mehr unterschiedliche Entscheidungen bei der Verteidigung hätten den zweiten Teil des Spielkreislaufs noch stärker aufwerten können.
Dunkler Weltraum statt Hochglanz-Science-Fiction
Die 2D-Optik setzt auf dunkle Farben, harte Kontraste und einen stilisierten Blick auf den Weltraum. Stationen, Schiffe und feindliche Flotten wirken nicht ansatzweise fotorealistisch. Technisch bleibt das Spiel sichtbar im Indie-Rahmen. Manche Regionen und Kulissen ähneln sich, während einzelne Effekte bei dichtem Feuergefecht die Übersicht stärker beeinträchtigen, als sie sollten. Auf der anderen Seite sind die Systemanforderungen moderat, und die PC-Fassung läuft im Normalfall stabil genug, damit der schnelle Kampf nicht ausgebremst wird.Eine deutsche Textausgabe gibt es nicht; Omen bleibt vollständig englisch. Das betrifft nicht nur die Bedienoberfläche, sondern auch die erzählerischen Details der Welt. Wer sich für die Hintergrundgeschichte interessiert, sollte daher ausreichend Englischkenntnisse mitbringen.
Kosmischer Horror mit guter Kernidee
Omen ist ein kleines, ambitioniertes Spiel, das seine unterschiedlichen Bestandteile meist sinnvoll miteinander verbindet. Die Expeditionen liefern Ressourcen für Basis und Schiff, die Basis gibt Sicherheit für spätere Runs und die wachsende Ausrüstung eröffnet neue Möglichkeiten gegen immer stärkere Gegner. Diese Schleife funktioniert und trägt viele Stunden.Noch fehlt stellenweise der Feinschliff, der aus einem guten Indie-Extraction-Shooter ein wirklich herausragendes Genreerlebnis machen würde. Die Gegner agieren oft recht vorhersehbar, die Basisverteidigung bleibt etwas dünn und der Missionsablauf kann sich wiederholen. Die starke Atmosphäre, die flexible Schiffsausrüstung und das beständige Risiko jeder Extraktion gleichen diese Schwächen aber weitgehend aus.
Entwickelt und veröffentlicht wurde Omen von Codex Interactive LLC. Die PC-Fassung erschien am 11. August 2026 und bietet Einzelspieler, Steam Cloud sowie Erfolge.



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