Sebastian, wie bist du zum Cosplay gekommen?
Ich war schon als Kind sehr an Popkultur interessiert. Vor allem an Anime und Gaming. 2019 war ich zum ersten Mal auf einer Convention. Plötzlich wollten andere Besucherinnen und Besucher Fotos mit mir machen und lobten mein „Cosplay“, obwohl ich, aus meiner Sicht, ein ganz normales Outfit trug. Schließlich erklärte mir jemand, dass mein Sakko Ähnlichkeiten mit Lucifer Morningstar aus der gleichnamigen Serie habe. Ich kannte die Figur damals noch nicht, aber durch diesen Zufall kam ich mit Menschen aus der Szene in Kontakt. Wir vernetzten uns, besuchten gemeinsam Conventions und ich begann zu recherchieren, welche Charaktere ich selbst darstellen könnte. So bin ich Schritt für Schritt in die Szene hineingewachsen.Was hat daraus eine eigene Leidenschaft gemacht?
Durch die Community entstehen immer wieder neue Kontakte und Ideen. In den vergangenen zwei bis drei Jahren hat das Cosplay für mich deutlich an Bedeutung und Intensität gewonnen. Das liegt auch daran, dass ich Fitness und Sport eng mit meinem Hobby verbinde: Die Wahl meiner Charaktere dient mir zugleich als Motivation für meine Workouts und mein Training. Im Laufe der Zeit sind außerdem professionelle Projekte hinzugekommen - etwa Kooperationen mit Publishern aus dem Gaming-Bereich sowie Einladungen als Gast zu verschiedenen Conventions.Gibt es Figuren, zu denen du immer wieder zurückkehrst?
Früher habe ich Charaktere ausgewählt, die ich zwar mochte, die aber nicht unbedingt zu mir passten. Heute sind mir Figuren wichtig, in denen ich mich wiederfinde und mit denen ich mich identifizieren kann. Mein Schwerpunkt liegt inzwischen auf Videospielcharakteren, vor allem auf Sephiroth aus Final Fantasy VII und Leon Kennedy aus Resident Evil. Final Fantasy VII beispielsweise gehört zu meiner Kindheit. Ich habe damals die Demo immer wieder gespielt, und durch das Remake ist diese Welt erneut lebendig geworden. Die Figuren sind zeitlos und längst in der Popkultur verankert. Das sind Charaktere, die mit mir mitwachsen und die ich immer weiterentwickeln kann. Aber natürlich probiere ich zwischendurch auch neue Figuren aus.Das sind Charaktere, die mit mir mitwachsen und die ich immer weiterentwickeln kann.
Wie entsteht ein Cosplay bei dir?
Das hängt vom Design des Charakters ab. Es gibt keine feste Vorgehensweise, aber in der Regel fertige ich die einzelnen Bestandteile eines Outfits selbst an. Da Kleidung nicht immer in meinen Größen erhältlich ist, muss ich häufig kreativ werden. Make-up ist für mich ebenfalls ein wichtiger Bestandteil. Auch die Perücken setze ich selbst um. Aber wenn ich eine bestimmte Fähigkeit noch nicht beherrsche, lasse ich mir auch gerne helfen. Cosplay muss keine komplett eigene Leistung sein. Der Mantel meines Sephiroth-Kostüms war beispielsweise zu eng. Daraufhin half mir eine Freundin, ihn anzupassen. Daran zeigt sich, wie unterstützend die Community ist.Was macht die Umsetzung beispielsweise von Leon Kennedy besonders?
Leon Kennedy trägt Kleidung, die ziemlich realitätsnah ist. Deshalb steckt viel Recherche darin: Welches Hosenmodell trägt er? Welche Uhr? Welche Details gehören zum Outfit? Anschließend passe ich die einzelnen Elemente so an, dass sie möglichst authentisch wirken. Wichtig sind auch Gebrauchsspuren - etwa Schweißflecken, Blutspritzer oder Abnutzungen. Diese Technik nennt sich „Weathering“ und macht bei einem realitätsnahen Kostüm oft den entscheidenden Unterschied.Verändert sich dein Auftreten im Cosplay?
Es ist immer noch Sebastian. Ich möchte mich als Person nicht durch ein Cosplay verstellen. Wenn Menschen ein Foto machen möchten, schlüpfe ich aber gerne ein Stück weit in die Rolle. Es geht mir vor allem darum, als Cosplayer Sebastian meiner Community gegenüber authentisch zu sein.Es ist immer noch Sebastian. Ich möchte mich als Person nicht durch ein Cosplay verstellen.
Was macht insbesondere die Cosplay-Community für dich aus?
Was die Community für mich besonders macht: Hier ist grundsätzlich jede Person willkommen. Es spielt keine Rolle, wer man außerhalb der Szene ist oder was man im Alltag macht. Man begegnet einander mit großer Offenheit, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. Diese positive Energie ist auf den Conventions überall spürbar. Alle freuen sich darauf, zusammenzukommen, sich auszutauschen, füreinander da zu sein und die gemeinsame Leidenschaft zu feiern. Für viele sind zwei oder drei Conventions im Jahr besondere Höhepunkte. Gerade dieses Miteinander und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, machen die Szene für mich aus.Hier ist grundsätzlich jede Person willkommen.
Welche Rolle spielen Conventions für dich und was ist das Besondere an der Comic Con Stuttgart?
Conventions sind für mich Treffpunkte, Orte, an denen ich meine Outfits präsentieren kann, und wichtige Netzwerkplattformen. An der Ccon gefällt mir besonders die große Themenvielfalt. Neben Cosplay gibt es beispielsweise Star Wars, die Queer Avenue, Trading Cards und viele weitere Bereiche. Themen, mit denen ich sonst nicht viele Berührungspunkte habe. Aber hier finden all diese Interessen ihren Platz. Zudem ist für mich die Ccon der perfekte Convention-Abschluss im Jahr. Denn wir nutzen jährlich die vorweihnachtliche Atmosphäre, indem sich die ganze Szene am Freitagabend auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt trifft. Am Glühweinstand weiß man, dass man bekannten Gesichtern begegnet. Für viele aus der Community ist die Ccon deshalb eines der wichtigsten Events im Jahr.Und stehen deine Outfits für die Ccon schon fest?
Ich habe noch zwei oder drei Projekte in Arbeit. Deshalb steht noch nicht endgültig fest, welche Outfits ich tragen werde. Wir lassen uns einfach überraschen.Die Ccon | Comic Con Stuttgart 2026 findet am 28. und 29. November auf dem Stuttgarter Messegelände statt und feiert in diesem Jahr ihre zehnte Ausgabe. Neben Cosplay gehören unter anderem Comics, Film und Fernsehen, Ausstellungen, Walking Acts, Requisiten und zahlreiche Händler zum Programm.


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