Teenage Fanclub - Do Not Dare To Dream Review

Leise Zuversicht statt großer Versprechen - Teenage Fanclub bleiben wunderbar zeitlos



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Es gibt Bands, bei denen Du nach wenigen Sekunden weißt, wer da spielt. Teenage Fanclub gehören definitiv dazu. Seit Ende der Achtziger haben die Schotten ihren ganz eigenen Platz zwischen Indie Rock, Power Pop, Folk und jener wunderbar warmen Gitarrenmusik gefunden, die niemals besonders laut auftreten muss, um hängen zu bleiben. Do Not Dare To Dream ist inzwischen das 13. Studioalbum der Band - und klingt erstaunlicherweise weder nach Alterswerk noch nach dem Versuch, noch einmal unbedingt an frühere Erfolge anzuknüpfen.

Norman Blake und Raymond McGinley schreiben vielmehr aus der Perspektive von Musikern, die schon ziemlich viel gesehen haben. Gemeinsam mit Euros Childs, Francis Macdonald und David McGowan bilden sie mittlerweile ein Quintett, dessen Zusammenspiel gerade deshalb so selbstverständlich wirkt, weil niemand permanent um Aufmerksamkeit kämpfen muss.

Aufgenommen wurde Do Not Dare To Dream im Black Bay Studio auf Great Bernera, einer abgelegenen schottischen Insel. Diese Umgebung scheint hervorragend zum Charakter des Albums zu passen. Statt Hektik bekommst Du Raum, statt maximaler Produktion viele natürliche Klangfarben und statt künstlicher Größe eine Platte, die immer wieder von kleinen musikalischen Details lebt.
Teenage Fanclub klingen auf Do Not Dare To Dream wie eine Band, die längst verstanden hat, dass Gelassenheit keineswegs dasselbe ist wie Langeweile.

Melodien, die gar nicht kompliziert sein wollen

There Was You eröffnet das Album beinahe schwerelos. Gitarren, Gesang und Harmonien greifen so selbstverständlich ineinander, dass man leicht überhören könnte, wie fein das Arrangement tatsächlich gebaut ist. Genau darin waren Teenage Fanclub schon immer gut. Eine Melodie darf einfach schön sein. Ein Refrain muss nicht dekonstruiert werden, nur um interessant zu wirken.

Tomorrow People setzt diesen Gedanken fort, während Over And Over mit seinen Orgelfarben besonders deutlich zeigt, was die Aufnahmesessions auf Great Bernera zum Klangbild beigetragen haben. Im Studio entdeckte die Band unter anderem eine Domus-Kirchenorgel, die sich wunderbar in den ohnehin warmen Sound einfügt. Dazu kommen Synthesizer und natürlich jene ineinanderlaufenden Gitarren, die seit Jahrzehnten zum Markenzeichen gehören.

Be With You Tonight gehört zu den unmittelbareren Songs der Platte. Hier zeigt sich erneut, wie wenig Teenage Fanclub benötigen, um Atmosphäre zu erzeugen. Keine gigantische Produktion, kein dramatischer Spannungsbogen, sondern Melodie, Harmonie und ein Arrangement, das dem Song genug Platz lässt.

The Same Air nimmt dieses Gefühl mit und führt langsam zum nahezu programmatischen Mittelpunkt der Platte.

Nicht jeder Traum wird wahr - und das ist okay

I Do Not Dare To Dream liefert nicht nur den Albumnamen, sondern auch die zentrale Haltung. Norman Blake richtet sich damit gegen jene allgegenwärtigen Motivationssprüche, nach denen Du nur fest genug an Deine Träume glauben musst und sich dann schon irgendwie alles fügt. Teenage Fanclub setzen diesem ziemlich simplen Optimismus etwas wesentlich Erwachseneres entgegen.

Die Welt funktioniert eben nicht immer so. Dinge gehen schief. Pläne funktionieren nicht. Menschen verändern sich. Trotzdem muss daraus kein Zynismus entstehen.
Do Not Dare To Dream ist kein pessimistisches Album. Es ist eine Platte über Hoffnung, die keine Garantie verlangt.
Gerade dieser Unterschied macht das Album sympathisch. Die Musik klingt häufig hell und freundlich, ohne Schwierigkeiten auszublenden. Take Time verkörpert diese entspannte Grundhaltung besonders schön, bevor Day In The Sun zu einem der stärksten Stücke des Albums wird. Der Song handelt von Erneuerung und einem veränderten Blick auf das eigene Leben, ohne daraus eine pathetische Selbstfindungsgeschichte zu machen.

Das funktioniert auch deshalb so gut, weil die Produktion auffallend organisch geblieben ist. Teenage Fanclub wollten die Klänge möglichst unmittelbar einfangen und verzichteten bewusst auf übermäßige nachträgliche Bearbeitung. Du hörst Instrumente, Räume und Musiker - und nicht permanent die Technik dahinter.

Fast vier Jahrzehnte Erfahrung hört man eben doch

Somewhere To Land und Young And Wise schließen das Album schließlich konsequent ab. Gerade der letzte Titel passt hervorragend zu einer Band, deren zentrale Musiker inzwischen seit fast vier Jahrzehnten gemeinsam unterwegs sind. Natürlich klingt Teenage Fanclub heute anders als zu Zeiten von Bandwagonesque. Wer die jugendliche Energie und den raueren Gitarrensound der frühen Neunziger erwartet, sucht auf Do Not Dare To Dream an der falschen Stelle.

Manchmal könnte die Platte sogar etwas mehr Reibung vertragen. Einige Stücke gleiten derart angenehm vorbei, dass sie beim ersten Durchlauf kaum Widerstand leisten. Auch das gemäßigte Tempo wird nicht jedem gefallen. Die Kehrseite dieser Zurückhaltung ist allerdings eine bemerkenswerte Geschlossenheit. Hier steht kein Song herum, der verzweifelt versucht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Teenage Fanclub haben offenbar akzeptiert, dass sie Teenage Fanclub sind. Das klingt banal, ist nach 13 Alben aber vielleicht eine größere Leistung, als man zunächst denkt. Do Not Dare To Dream versucht weder eine jüngere Generation zu imitieren noch die eigene Vergangenheit künstlich nachzustellen. Stattdessen bekommst Du zehn hervorragend gespielte Songs einer Band, die ihre Stärken sehr genau kennt.
Manchmal muss Musik nicht die Welt verändern. Manchmal reicht es völlig aus, wenn sie einen für knapp 40 Minuten daran erinnert, dass die Welt trotz allem ein ziemlich schöner Ort sein kann.

Tracklist

  1. There Was You
  2. Tomorrow People
  3. Over And Over
  4. Be With You Tonight
  5. The Same Air
  6. I Do Not Dare To Dream
  7. Take Time
  8. Day In The Sun
  9. Somewhere To Land
  10. Young And Wise

FAZIT

Do Not Dare To Dream ist ein warmes, unaufgeregtes und erstaunlich geschlossenes Album. Teenage Fanclub setzen auf ihre bekannten Stärken: wunderbare Harmonien, ineinandergreifende Gitarren und Songs, die sich nicht aufdrängen müssen. Gelegentlich wäre etwas mehr Reibung willkommen und das überwiegend gemäßigte Tempo lässt einzelne Stücke zunächst unscheinbarer wirken. Dafür wächst die Platte mit jedem Durchlauf. Nach fast vier Jahrzehnten klingt diese Band nicht spektakulär erneuert, sondern beneidenswert selbstverständlich.

Danilo (Spielemagazin.de)

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