Rick Power, gespielt von Paul Rudd, ist Amerikaner, lebt aber schon lange in Irland. Den Traum von der großen Musikkarriere hat er nicht vollständig aufgegeben, auch wenn die Realität inzwischen anders aussieht. Statt riesiger Hallen bespielt er mit seiner Band Hochzeiten. Er kann das, er liebt Musik noch immer und besitzt durchaus Talent. Trotzdem nagt an ihm die Vorstellung, dass aus seinem Leben vielleicht mehr hätte werden können.
Dann wird aus ihrer gemeinsamen Nacht ein Song. Und aus dem Song ein Hit. Nur darüber, wem dieser Hit eigentlich gehört, gehen die Ansichten ziemlich weit auseinander.
Power Ballad - Der Song meines Lebens versteht Musik nicht als Dekoration, sondern als etwas, das Menschen miteinander verbindet und ebenso leicht wieder auseinanderreißen kann.
Paul Rudd darf endlich einmal richtig verbittert sein
Paul Rudd ist für Rick eine nahezu ideale Besetzung. Sein natürlicher Charme sorgt dafür, dass Du diesem Mann selbst dann noch folgen möchtest, wenn er zunehmend schlechte Entscheidungen trifft. Rick ist nämlich keineswegs nur das unschuldige Opfer eines übermächtigen Popstars. In ihm stecken verletzter Stolz, lange verdrängter Ehrgeiz und die gefährliche Hoffnung, dass der eine große Erfolg vielleicht doch noch möglich sein könnte.Gerade diese Ambivalenz macht ihn interessant. Rick besitzt schließlich bereits ein Leben, das keineswegs wertlos ist. Er hat eine Familie, Menschen, die ihn lieben, und verdient sein Geld mit Musik. Trotzdem kann die Vorstellung eines verpassten Traums erstaunlich zerstörerisch werden. Carney erzählt deshalb nicht bloß von einem gestohlenen Song, sondern auch von der Frage, warum Anerkennung manchmal wichtiger erscheint als all das, was man längst besitzt.
Nick Jonas funktioniert als Gegenpart überraschend gut. Seine eigene Vergangenheit als Mitglied der Jonas Brothers verleiht Danny eine zusätzliche Ebene, ohne dass die Rolle zum Insiderwitz verkommt. Er kennt die Bewegungen eines Popstars, die kontrollierte Freundlichkeit, das professionelle Selbstbewusstsein und die Mechanismen einer Karriere, in der ein erfolgreicher Song eben nicht nur Kunst, sondern auch Produkt ist.
Wenn aus gemeinsamer Kreativität plötzlich Eigentum wird
Am stärksten ist Power Ballad - Der Song meines Lebens, wenn Rick und Danny gemeinsam Musik machen. Carney zeigt Songwriting als spontanen Prozess, bei dem Ideen aufeinander reagieren. Ein Akkord führt zum nächsten, ein schlechter Einfall wird verworfen und plötzlich ist diese eine Melodie da, bei der jeder im Raum merkt, dass etwas passiert ist.Genau dadurch funktioniert der spätere Konflikt so gut. Die Frage nach der Urheberschaft lässt sich emotional nicht mehr bequem auf Schwarz und Weiß reduzieren. Wer hatte die entscheidende Idee? Wer hat aus ihr einen funktionierenden Song gemacht? Und wie viel Anteil besitzt jemand an einem Werk, das erst durch Zusammenarbeit entstanden ist?
Der Film ist besonders stark, wenn er nicht fragt, wer recht hat, sondern warum es beiden Männern so unglaublich wichtig ist, recht zu bekommen.
Zwischen Feelgood-Komödie und erstaunlich bitteren Tönen
Wer eine reine Gute-Laune-Musikkomödie erwartet, könnte deshalb überrascht werden. Natürlich gibt es Humor, und Rudd besitzt genügend komödiantisches Timing, um selbst Ricks zunehmende Verzweiflung immer wieder lustig erscheinen zu lassen. Gleichzeitig entwickelt die Geschichte aber eine erstaunlich melancholische Seite.Nicht jede Tonlage sitzt dabei perfekt. Vor allem wenn der Konflikt zwischen Rick und Danny eskaliert, wirkt Power Ballad - Der Song meines Lebens gelegentlich gröber als in seinen feineren musikalischen Momenten. Manche Situationen sind deutlich stärker auf Komik konstruiert, während andere ernsthafte Fragen über Kreativität, Familie und Selbstwert stellen. Dieser Wechsel funktioniert meistens, aber eben nicht immer vollkommen harmonisch.
Auch erzählerisch bewegt sich der Film auf vertrautem Terrain. Die Vorstellung vom übersehenen Musiker, dessen Talent endlich entdeckt wird, ist ebenso wenig neu wie die Gegenüberstellung von authentischer Kunst und professioneller Popindustrie. Carney erzählt diese bekannten Motive allerdings mit genügend Wärme, um daraus keine bloße Wiederholung werden zu lassen.
Ein Musikfilm, der seine Figuren wirklich mag
Entscheidend ist ohnehin, dass Power Ballad - Der Song meines Lebens seine Figuren nicht vorführt. Selbst wenn Rick und Danny egoistisch, verletzend oder schlicht idiotisch handeln, bleiben sie Menschen, deren Beweggründe nachvollziehbar sind. Hinter ihrem Streit steckt schließlich etwas sehr Menschliches: Beide möchten ernst genommen werden.Dazu kommt ein Soundtrack, der seine Aufgabe erfüllen muss, damit die gesamte Geschichte funktioniert. Wenn ein Film behauptet, ein bestimmter Song könne zum großen Hit werden, muss man ihm das schließlich zumindest halbwegs glauben. Carney und Gary Clark liefern dafür Musik, die eingängig genug ist, um den zentralen Konflikt zu tragen.
Paul Rudd und Nick Jonas machen aus einem Streit um einen Popsong letztlich eine Geschichte über zwei Männer, die herausfinden müssen, was Erfolg für sie überhaupt bedeutet.



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