Jimmy Lang ist Filmemacher, beruflich am Boden und auch privat alles andere als stabil. Gespielt wird er von Joe Begos selbst, der bei Jimmy and Stiggs nicht nur die Hauptrolle übernimmt, sondern auch Regie führte, das Drehbuch schrieb und als Produzent beteiligt war. Nach einer ausufernden Nacht voller Alkohol und Drogen ist Jimmy überzeugt, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Weil er damit nicht allein fertigwerden will, versucht er seinen früheren Freund und Kollegen Stiggs Randolph zu erreichen. Der wird von Matt Mercer gespielt und hat einen zusätzlichen Grund, mit Jimmys Lebensstil wenig anfangen zu können: Stiggs ist inzwischen nüchtern.
Natürlich bleibt es nicht bei Jimmys Behauptungen. Schon bald entwickelt sich seine Wohnung zum Schauplatz einer ziemlich handfesten Begegnung mit außerirdischen Besuchern. Was folgt, ist weniger klassische Alien-Invasion als ein klaustrophobischer Splattertrip, der sich mit erstaunlicher Konsequenz weigert, auch nur einen Gang herunterzuschalten.
Jimmy and Stiggs fühlt sich nicht wie ein Film an, der eskaliert - er beginnt bereits bei elf und sucht anschließend verzweifelt nach einer zwölf.
Joe Begos verwandelt seine Wohnung in ein Alien-Schlachtfeld
So wenig uns das Ergebnis gefallen hat, die Entstehungsgeschichte verdient durchaus Respekt. Begos entwickelte das Projekt während der Pandemie und drehte überwiegend in seiner eigenen Wohnung in Los Angeles. Die Produktion zog sich über mehrere Jahre und rund 100 Drehtage. Gedreht wurde auf analogem Filmmaterial, vor allem auf 16 mm, während bei den Kreaturen und Gewalteffekten stark auf praktische Effekte gesetzt wurde.Und genau das sieht man. Jimmy and Stiggs besitzt einen schmutzigen, körnigen Look, der hervorragend zu seiner Grindhouse-Attitüde passt. Die Aliens dürfen tatsächlich wie physische Wesen aussehen, Körper werden zerlegt, Flüssigkeiten spritzen großzügig durch die Kulissen und die Kamera steckt häufig mitten im Geschehen. Freunde handgemachter Genre-Effekte bekommen hier zweifellos einiges geboten.
Das Problem ist nur: Der Film scheint dermaßen begeistert von seinem eigenen Exzess zu sein, dass er kaum noch merkt, wie schnell sich dieser abnutzt. Was beim ersten Angriff noch wild und überraschend wirkt, entwickelt sich zunehmend zu einem Dauerzustand aus Stroboskopgefühl, Geschrei, Blut, Drogen und hektischen Bewegungen.
Wenn Reizüberflutung zum eigentlichen Konzept wird
Jimmy and Stiggs möchte Dich offenbar bewusst überfordern. Die Beleuchtung arbeitet mit aggressiven Neonfarben, die Kamera sucht ständig nach ungewöhnlichen Perspektiven und der Schnitt vermittelt kaum Ruhe. Dazu kommen Figuren, die einen beträchtlichen Teil ihrer Kommunikation über Fluchen, Schreien und gegenseitiges Anbrüllen erledigen.Das kann für einige Minuten durchaus Energie erzeugen. Auf Spielfilmlänge empfanden wir es jedoch als ermüdend. Vor allem fehlt der Geschichte ein überzeugender emotionaler Anker. Die Beziehung zwischen Jimmy und Stiggs hätte diesen liefern können. Zwei langjährige Freunde, von denen einer in einem zerstörerischen Lebensstil feststeckt und der andere gerade versucht, diesem zu entkommen, bieten eigentlich reichlich Stoff. Doch statt diesen Konflikt wirklich auszubauen, wird er vom nächsten Effektgewitter überrollt.
Irgendwann ist der nächste Eimer Alienblut keine Steigerung mehr, sondern nur noch der nächste Eimer Alienblut.
Praktische Effekte retten noch keinen Film
Technisch besitzt Jimmy and Stiggs durchaus Qualitäten. Wer praktische Splattereffekte liebt, kann sich an vielen Details erfreuen. Die handgemachten Kreaturen, das analoge Filmbild und die kompromisslose Beleuchtung geben dem Film eine Identität, die vielen sauber produzierten, aber vollkommen austauschbaren Genreproduktionen fehlt. Man erkennt nach wenigen Minuten, welchen Film man gerade schaut. Das ist grundsätzlich ein Kompliment.Nur braucht ein markanter Stil irgendwann Substanz. Genau daran fehlt es uns. Die Geschichte bleibt dünn, die Charakterentwicklung überschaubar und der Humor trifft nur selten. Vieles wirkt wie eine Aneinanderreihung von Ideen, die vor allem noch verrückter, blutiger oder lauter als die vorherige sein sollen.
Das erklärt vermutlich auch, warum die Reaktionen auf Jimmy and Stiggs so unterschiedlich ausfallen. Der Film wurde von Teilen der Kritik durchaus positiv aufgenommen und insbesondere seine handgemachte Machart fand Anerkennung. Gleichzeitig gibt es deutlich negativere Stimmen, die genau jene permanente Überreizung kritisieren, die auch für uns zum entscheidenden Problem wurde. Es ist ein Film für ein sehr spezielles Publikum - nur gehören wir offensichtlich nicht dazu.
80 Minuten können erstaunlich lang sein
Normalerweise ist eine Laufzeit von ungefähr 80 Minuten bei einem derart einfachen Konzept eher ein Vorteil. Hier fühlte sie sich für uns überraschend lang an. Weil es kaum Ruhephasen gibt, verliert die Eskalation ihre Wirkung. Ein Film kann schließlich nur dann einen Gang höher schalten, wenn er vorher irgendwann einmal langsamer gefahren ist.Jimmy and Stiggs will aber gar nicht langsam sein. Er will ein dreckiger Midnight-Movie sein, ein analog gedrehter Liebesbrief an Splatterkino, praktische Effekte und hemmungslose DIY-Filmerei. Dieses Ziel erreicht Joe Begos zweifellos. Dass hinter dem Wahnsinn mehrere Jahre Arbeit und enorm viel Leidenschaft stecken, ist praktisch in jeder Einstellung sichtbar.
Wir respektieren, wie kompromisslos Joe Begos diesen Film gemacht hat - nur macht das Jimmy and Stiggs für uns leider nicht weniger nervtötend.



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