Axel Rudi Pell - Ghost Town Review

Klassischer Hard Rock, starke Melodien und ein Gitarrist, der seinem Stil unbeirrbar treu bleibt



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Bei Axel Rudi Pell weißt Du ziemlich genau, was Dich erwartet. Das kann man als mangelnde Experimentierfreude auslegen - oder als bemerkenswerte Konsequenz. Seit Jahrzehnten bewegt sich der Bochumer Gitarrist in seinem eigenen musikalischen Kosmos aus melodischem Hard Rock, Heavy Metal, großen Gitarrenmelodien und einer gehörigen Portion Rainbow-Flair. Ghost Town, sein mittlerweile 23. Studioalbum, ändert an dieser Formel grundsätzlich wenig. Und trotzdem gibt es genügend Details, die dafür sorgen, dass die knapp 56 Minuten nicht zur reinen Routineveranstaltung werden.

Willkommen in Axel Rudi Pells Ghost Town

Nach dem atmosphärischen The Regicide (Intro) eröffnet Guillotine Walk das Album richtig. Inhaltlich begleitet der Song einen zum Tode Verurteilten auf seinem letzten Weg, während dieser auf sein Leben zurückblickt. Interessanterweise verzichtet Pell in den Strophen bewusst auf eines seiner sonst so charakteristischen Gitarrenriffs. Dadurch bekommt Johnny Gioeli mehr Raum, die melancholische Geschichte zu tragen. Sobald die Gitarren stärker einsetzen, bist Du dann aber endgültig wieder in der vertrauten Pell-Welt angekommen.
Ghost Town erfindet Axel Rudi Pell nicht neu - es zeigt vielmehr, warum diese musikalische Formel seit Jahrzehnten erstaunlich zuverlässig funktioniert.
Breaking Seals bringt anschließend die prominenteste Überraschung des Albums. Udo Dirkschneider trifft hier auf Johnny Gioeli. Zwei Stimmen könnten kaum unterschiedlicher sein: auf der einen Seite Gioelis melodische Kraft und auf der anderen Dirkschneiders unverwechselbares Reibeisen. Das Experiment besitzt seinen Reiz, funktioniert aber nicht in jeder Passage gleichermaßen. Manchmal erzeugt der Kontrast zusätzliche Spannung, gelegentlich wirken die beiden Stimmen eher so, als würden sie um denselben Platz kämpfen.

Ghost Town lebt von einer eingespielten Band

Der Titelsong gehört zu den unmittelbareren Nummern des Albums. Ghost Town besitzt einen kräftigen Groove, eine griffige Melodieführung und natürlich jene Gitarrenarbeit, die Pell seit Jahrzehnten unverkennbar macht. Holy Water setzt diesen klassischen Ansatz fort, bevor mit The Enemy Within einer der interessantesten Songs wartet.

Hier verlässt Pell seine Komfortzone zumindest ein kleines Stück. Schwere, beinahe doomige Passagen treffen auf melodischen Hard Rock und einige ungewöhnlich moderne Klangfarben. Gleichzeitig bleibt genügend Rainbow-DNA erhalten, um den Song fest im Pell-Kosmos zu verankern. Inhaltlich geht es um den Kampf mit den eigenen inneren Dämonen, und gerade die dunklere Grundstimmung passt hervorragend dazu.
The Enemy Within zeigt, dass Axel Rudi Pell durchaus noch überraschen kann, ohne dafür seine musikalische Identität über Bord werfen zu müssen.
Ein wesentlicher Grund für die konstant hohe Qualität ist ohnehin die Band. Johnny Gioeli singt weiterhin mit enormer Kraft und gehört zu jenen Frontmännern, die einen Refrain mühelos größer erscheinen lassen können, als er auf dem Papier vielleicht ist. Bobby Rondinelli sorgt am Schlagzeug gemeinsam mit Bassist Volker Krawczak für das massive Fundament, während Ferdy Doernberg mit seinen Keyboards jene melodischen und atmosphärischen Flächen beisteuert, die für diesen Sound mindestens genauso wichtig sind wie die Gitarren.

Zwischen Hurricane und großen Gefühlen

Hurricane erhöht das Tempo und zeigt die Band von ihrer energischeren Seite. Sanity schlägt anschließend wieder melodischere Töne an und entwickelt sich zu einer jener typischen Pell-Nummern, bei denen Härte und große Melodien Hand in Hand gehen. Revolutionär ist das alles natürlich nicht. Handwerklich funktioniert es dafür ausgesprochen zuverlässig.

Towards The Shore übernimmt anschließend die traditionelle Rolle der Ballade. Ferdy Doernbergs Klavierbegleitung gibt Johnny Gioeli viel Platz und sorgt für einen deutlichen Kontrast zu den härteren Stücken. Dass Balladen bei Axel Rudi Pell keine lästige Pflichtübung darstellen, sondern seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil seiner musikalischen Identität sind, hört man auch hier.

Mit Steps Of Stone und dem ausgedehnteren Higher Call geht Ghost Town schließlich auf die Zielgerade. Gerade der Abschluss gibt Pell und seiner Band noch einmal genügend Raum, die melodisch-epische Seite auszuspielen.

Beständigkeit als Stärke und Schwäche

Produziert wurde Ghost Town von Axel Rudi Pell selbst. Die Aufnahmen entstanden in den Blind Guardian Studios in Grefrath, wo Tommy Geiger als Engineer beteiligt war und auch den Mix übernahm. Das Album klingt entsprechend druckvoll und sauber, ohne den klassischen Hard-Rock-Charakter künstlich zu modernisieren.

Genau an diesem Punkt liegt allerdings auch die entscheidende Frage bei Ghost Town. Wer die Diskografie von Axel Rudi Pell gut kennt, wird vieles in ähnlicher Form schon einmal gehört haben. Bestimmte Songstrukturen, Gitarrenfiguren, Keyboardflächen und Spannungsbögen gehören längst zum festen Vokabular. Das Album besitzt dadurch sofort Wiedererkennungswert, aber eben auch relativ wenige Momente, die wirklich überraschen.
Pells größte Stärke ist gleichzeitig seine größte Begrenzung: Kaum jemand klingt so zuverlässig nach sich selbst - allerdings weißt Du dadurch häufig schon vorher, wohin der nächste Weg führt.
Das lässt Ghost Town gelegentlich etwas vorhersehbar erscheinen. Dem gegenüber steht allerdings eine Band, die ihr Handwerk auf bemerkenswert hohem Niveau beherrscht. Pell muss längst niemandem mehr beweisen, dass er ein hervorragender Gitarrist ist. Er stellt seine Soli überwiegend in den Dienst der Songs, Gioeli liefert erneut eine starke Gesangsleistung und die Rhythmussektion arbeitet ausgesprochen souverän.

Ghost Town ist deshalb kein Album, das die Geschichte des melodischen Hard Rock neu schreiben wird. Es ist vielmehr ein weiteres solides bis stellenweise sehr gutes Kapitel einer bemerkenswert beständigen Karriere. Fans dürften damit ziemlich genau das bekommen, was sie sich wünschen - inklusive einiger kleiner Überraschungen innerhalb eines ansonsten sehr vertrauten Rahmens.

Tracklist

  1. The Regicide (Intro)
  2. Guillotine Walk
  3. Breaking Seals (feat. Udo Dirkschneider)
  4. Ghost Town
  5. Holy Water
  6. The Enemy Within
  7. Hurricane
  8. Sanity
  9. Towards The Shore
  10. Steps Of Stone
  11. Higher Call

FAZIT

Ghost Town ist Axel Rudi Pell in Reinkultur: melodischer Hard Rock mit metallischer Schlagseite, starken Gitarren, großen Refrains und einer hervorragend eingespielten Band. Johnny Gioeli überzeugt einmal mehr als Frontmann, während The Enemy Within zu den interessantesten Momenten gehört, weil Pell hier etwas deutlicher mit seinem etablierten Klangbild spielt. Das Duett mit Udo Dirkschneider auf Breaking Seals ist eine spannende Idee, deren extreme stimmliche Gegensätze allerdings nicht durchgehend harmonieren. Das grundlegende Problem bleibt die enorme Vertrautheit vieler Strukturen. Wer zahlreiche Pell-Alben im Regal stehen hat, wird auf Ghost Town wenig hören, das ihn grundsätzlich überrascht. Die Qualität stimmt dennoch, und gerade Fans werden diese Konsequenz vermutlich eher als Stärke denn als Schwäche betrachten. Kein neuer Meilenstein seiner langen Karriere, aber ein souveränes, gut produziertes Hard-Rock-Album mit einigen starken Songs.

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Klassischer Hard Rock, starke Melodien und ein Gitarrist, der seinem Stil unbeirrbar treu bleibt

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