Das Album erscheint am 6. November 2026 über Humus Records und folgt auf „Odd Love“ aus dem Jahr 2024. Seitdem ist einiges passiert. Allein 2025 absolvierten Coilguns mehr als 85 Shows rund um den Globus. Diese enorme Live-Erfahrung scheint sich auch auf „Everything We Love, We Destroy“ übertragen zu haben. Die Platte wirkt treibend, unmittelbar und enorm energiegeladen, ohne deshalb einfach nur unkontrolliert nach vorne zu preschen.
Druckvoll, aber erstaunlich sauber
Denn so roh Coilguns musikalisch auftreten, so sauber ist die Produktion. Aufgenommen wurde das Album mit Scott Evans, der unter anderem mit Neurosis und La Dispute gearbeitet hat. Für den Mix zeichnete Tom Dalgety verantwortlich, dessen Referenzen von Ghost über Pixies bis Royal Blood reichen. Ben Chisholm, bekannt durch seine Arbeit mit Chelsea Wolfe und The Armed, steuerte zusätzliche Produktion und Overdubs bei.Das hört man. „Everything We Love, We Destroy“ besitzt jede Menge Druck und Schmutz, wirkt dabei aber nie matschig. Gitarren, Bass und Schlagzeug haben genügend Raum, während die Produktion gleichzeitig die Wucht der Songs zusammenhält. Gerade bei einer Band, die so viel mit Dynamik, Lärm und kontrolliertem Chaos arbeitet, ist das keineswegs selbstverständlich.
Und dann passiert etwas, das man bei dieser Art von Musik vielleicht gar nicht unbedingt erwartet: Einige Passagen entwickeln tatsächlich Ohrwurmcharakter. Coilguns suchen nicht verbissen nach der eingängigen Hook, aber immer wieder bleiben Riffs, Rhythmen oder einzelne Momente hängen. Die Platte ist sperrig genug, um Charakter zu besitzen, aber zugänglich genug, um nicht ausschließlich ein Fall für Noise-Rock-Puristen zu sein.
„Everything We Love, We Destroy“ ist kraftvoll und unbequem, entwickelt dabei aber immer wieder einen erstaunlichen Ohrwurmcharakter.
Zwischen Punisher Disclaimer und Days Before the War
Wie variabel dieses Album tatsächlich ist, zeigt sich besonders deutlich beim Kontrast zwischen „Punisher Disclaimer“ und „Days Before the War“. Der Übergang könnte kaum krasser ausfallen. Wo Coilguns eben noch Druck aufbauen und mit voller Wucht agieren, öffnet sich plötzlich ein vollkommen anderer atmosphärischer Raum.Genau solche Momente verhindern, dass sich „Everything We Love, We Destroy“ trotz seiner grundsätzlich kompromisslosen Ausrichtung irgendwann selbst wiederholt. Das Album lebt von seinen Brüchen. Es kann aggressiv und hektisch sein, dann wieder atmosphärisch, beinahe hypnotisch wirken. Mal dominiert der Noise-Rock, mal kommt die Hardcore-Vergangenheit stärker zum Vorschein, an anderer Stelle scheint die Band bewusst Abstand von all dem zu nehmen.
Dabei wirkt diese Variabilität nicht wie ein demonstratives Abhaken möglichst vieler Stilrichtungen. Vielmehr entsteht der Eindruck einer Band, die sich schlicht die Freiheit nimmt, ihren Ideen zu folgen.
Independent ist hier mehr als ein Etikett
Das passt auch zur Geschichte von Coilguns. Gitarrist Jona Nido betreibt mit Humus Records selbst das Label, auf dem „Everything We Love, We Destroy“ erscheint. Die Verbindung zwischen Band und Independent-Gedanken ist entsprechend tief verwurzelt.Und genau dieses Gefühl transportiert das Album. Nicht unbedingt deshalb, weil es nach einer kleinen Produktion klingt - ganz im Gegenteil. Technisch ist die Platte bemerkenswert sauber und professionell produziert. Independent wirkt sie vielmehr in ihrer Haltung. Coilguns scheinen sich kaum darum zu kümmern, ob jeder Song problemlos neben den vorherigen passt oder ob sich das Ergebnis bequem vermarkten lässt. Entscheidend ist der eigene Charakter.
Das macht „Everything We Love, We Destroy“ interessant. Denn bei aller Professionalität wurde der Platte nicht jede Ecke abgeschliffen. Sie darf laut, unbequem und manchmal etwas merkwürdig sein.
Independent klingt dieses Album nicht wegen seiner Produktion, sondern wegen seiner Haltung.
Kontrolliertes Chaos mit Charakter
Die Band selbst spricht im Zusammenhang mit dem Album von „Coilguns 3.0“. Das passt durchaus. Zum ersten Mal war Bassist Kevin Galland bereits vom Beginn des Songwritings an beteiligt, womit Coilguns die Möglichkeiten ihrer klassischen Viererbesetzung vollständig nutzen konnten. Gleichzeitig entstand das Material unter dem Eindruck einer intensiven Tourphase.Vielleicht erklärt das auch, warum die Platte so lebendig wirkt. Hier ist vieles in Bewegung. „Everything We Love, We Destroy“ besitzt einen konstanten Vorwärtsdrang, ohne sich einem einzigen Tempo oder einer einzigen Stimmung unterzuordnen.
Das Ergebnis ist ein Album, das vor allem von seinem Charakter lebt. Coilguns liefern keine stromlinienförmige Rockplatte und auch kein reines Hardcore-Brett. Dafür ist das Material zu variabel, zu atmosphärisch und stellenweise schlicht zu eigenwillig. Gerade darin liegt aber seine Stärke.




Noch keine Kommentare. Starte die Diskussion!