Mr. No Pain Review

Jack Quaid entdeckt in dieser brutalen Actionkomödie den Vorteil, keinen Schmerz zu fühlen



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Nathan Caine hat ein Problem, um das ihn zunächst vermutlich mancher beneiden würde: Er empfindet keinen körperlichen Schmerz. Was nach einer ziemlich praktischen Superkraft klingt, ist für ihn im Alltag allerdings eher Fluch als Segen. Verletzungen bemerkt er unter Umständen erst, wenn es längst gefährlich geworden ist. Entsprechend vorsichtig führt der unscheinbare Bankangestellte sein Leben. Bis ausgerechnet ein Überfall dafür sorgt, dass sämtliche Vorsicht über Bord geht. Mr. No Pain macht aus dieser wunderbar simplen Ausgangsidee eine erstaunlich blutige Mischung aus Actionfilm, schwarzer Komödie und Romanze.

Jack Quaid spielt Nathan, genannt Nate, als liebenswerten Durchschnittstypen, der zunächst denkbar weit von einem Actionhelden entfernt ist. Er arbeitet als stellvertretender Filialleiter einer Bank, lebt zurückgezogen und hat sich mit den Einschränkungen seiner angeborenen Schmerzunempfindlichkeit arrangiert. Bewegung kommt in sein Leben, als Kollegin Sherry, gespielt von Amber Midthunder, echtes Interesse an ihm zeigt. Für Nate öffnet sich damit plötzlich eine Tür, die er eigentlich längst verschlossen glaubte.

Dann wird die Bank überfallen und Sherry von den Tätern entführt. Nate beschließt, ihr zu folgen. Dass er keinerlei Erfahrung im Kampf gegen bewaffnete Kriminelle besitzt, hält ihn erstaunlicherweise weniger lange auf als gedacht. Schließlich gibt es da noch diese eine Besonderheit seines Körpers.
Mr. No Pain macht aus einem körperlichen Handicap die vermutlich schmerzhafteste Superkraft, die ein Actionheld derzeit haben kann.
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Jack Quaid ist der perfekte Anti-Actionheld

Der entscheidende Grund dafür, dass dieses Konzept über knapp zwei Stunden trägt, heißt Jack Quaid. Nate ist kein heimlicher Profikiller und besitzt auch keine plötzlich erwachenden Kampfkünste. Wenn er zuschlägt, sieht das nicht unbedingt elegant aus. Wenn er getroffen wird, nimmt sein Körper trotzdem Schaden. Er spürt diesen nur nicht. Genau dieser Unterschied ist wichtig und sorgt für einen beträchtlichen Teil des Humors.

Quaid verbindet seine sympathisch unbeholfene Art mit erstaunlich körperlichem Schauspiel. Du kaufst ihm sowohl den schüchternen Bankangestellten als auch den Mann ab, der sich zunehmend hemmungslos in Situationen wirft, vor denen jeder vernünftige Mensch davonlaufen würde. Amber Midthunder harmoniert dabei hervorragend mit ihm. Besonders die ruhigeren Szenen zwischen Nate und Sherry geben dem späteren Chaos ein emotionales Fundament, das bei einer reinen Splatterkomödie leicht hätte fehlen können.

Auch Ray Nicholson darf als Gegenspieler Simon eine deutlich bedrohlichere Energie mitbringen. Jacob Batalon wiederum sorgt als Nates Freund Roscoe für zusätzliche Leichtigkeit, während Betty Gabriel und Matt Walsh als Ermittler das zunehmend bizarre Geschehen von außen verfolgen.
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Wenn Schmerzfreiheit plötzlich richtig wehtut

Die Regisseure Dan Berk und Robert Olsen reizen die zentrale Idee mit sichtbarer Freude aus. Mr. No Pain fragt immer wieder: Was könnte man einem Menschen antun, der zwar verletzt werden kann, den dazugehörigen Schmerz aber nicht empfindet? Die Antworten werden mit fortschreitender Laufzeit zunehmend absurder.

Dabei solltest Du eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegenüber drastischen Bildern mitbringen. Hände, Knochen und diverse andere Körperteile werden auf Arten malträtiert, bei denen man selbst vor dem Bildschirm unwillkürlich zusammenzuckt. Gerade daraus entsteht ein wunderbar schwarzer Humor: Nate bleibt erstaunlich gelassen, während Du längst darüber nachdenkst, wie dringend dieser Mann eigentlich in eine Notaufnahme gehört.
Die besten Actionszenen funktionieren gerade deshalb so gut, weil Nate nicht unverwundbar ist - sein Körper bekommt jeden einzelnen Treffer ab.
Die Choreografie setzt entsprechend weniger auf elegante Martial-Arts-Kunst als auf Improvisation, Chaos und körperlichen Slapstick. Dadurch hebt sich Mr. No Pain angenehm von jenen Actionfilmen ab, in denen ein perfekt trainierter Profi eine Horde namenloser Gegner nach der anderen ausschaltet.
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Romantik trifft auf reichlich Kunstblut

Überraschend gut funktioniert auch die romantische Komponente. Der Film nimmt sich zu Beginn genügend Zeit, Nate als Menschen zu etablieren. Seine Erkrankung beeinflusst nicht nur Actionszenen, sondern sein gesamtes Leben. Er muss darauf achten, was er isst, wie heiß Getränke sind und ob sein Körper möglicherweise verletzt wurde, ohne dass er es bemerkt hat. Dadurch bekommt die eigentlich vollkommen überdrehte Geschichte einen glaubwürdigen Kern.

Sobald die Action übernimmt, wird das Drehbuch allerdings konventioneller. Die Geschichte folgt bekannten Genrepfaden und nicht jede Entwicklung überrascht gleichermaßen. Lars Jacobsons Drehbuch besitzt zwar einige hübsche Ideen, doch letztlich bleibt die Handlung vor allem das Gerüst, an dem immer neue Eskalationen aufgehängt werden.

Das ist insofern schade, weil das Konzept durchaus noch mehr hergegeben hätte. Gerade die Frage, wie ein Mensch psychologisch mit fehlendem Schmerzempfinden lebt, wird zwar angeschnitten, muss aber irgendwann der nächsten Verfolgungsjagd und dem nächsten spektakulären Unfall Platz machen.
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Actionkino, das seinen eigenen Irrsinn versteht

Trotzdem besitzt Mr. No Pain etwas, das vielen austauschbaren Streaming-Actionfilmen fehlt: Persönlichkeit. Dan Berk und Robert Olsen wissen ziemlich genau, welchen Film sie drehen. Die Gewalt darf grotesk sein, die Komik darf albern werden und trotzdem nimmt die Inszenierung ihre Figuren ernst genug, damit Dir ihr Schicksal nicht vollkommen egal ist.

Mit rund 110 Minuten ist der Film zwar etwas länger, als es die schlanke Geschichte unbedingt erfordert, doch größere Durchhänger bleiben aus. Vor allem sobald Nate seine besondere körperliche Voraussetzung offensiv einzusetzen beginnt, entwickelt die Geschichte ein hohes Tempo. Dass dabei die Grenzen menschlicher Belastbarkeit gelegentlich großzügig interpretiert werden, gehört zum Spiel.
Mr. No Pain ist genau dann am stärksten, wenn Action, Slapstick und Körperhorror so eng zusammenrücken, dass Du gleichzeitig lachen und wegschauen möchtest.
Am Ende bleibt deshalb weniger ein besonders tiefgründiger Actionfilm als vielmehr ein ausgesprochen unterhaltsamer Genre-Mix hängen. Jack Quaid beweist, dass ein überzeugender Actionheld nicht wie der klassische Actionheld aussehen muss, und Amber Midthunder bringt genügend eigene Präsenz mit, um nicht bloß als Motivation für Nates Feldzug zu funktionieren. Das Rad erfindet Mr. No Pain damit sicherlich nicht neu. Er montiert ihm aber immerhin ein paar ziemlich ungewöhnliche Speichen.

FAZIT

Mr. No Pain lebt von einer herrlich einfachen Idee und einem Jack Quaid, der für diese Mischung aus sympathischem Durchschnittstypen und unfreiwilligem Actionhelden nahezu perfekt besetzt ist. Die einfallsreichen Kämpfe, der rabenschwarze Humor und die Chemie mit Amber Midthunder machen den Film deutlich unterhaltsamer, als es die konventionelle Grundgeschichte zunächst vermuten lässt. Nicht jede Wendung überzeugt gleichermaßen und insbesondere gegen Ende wird die körperliche Widerstandsfähigkeit der Figuren ziemlich großzügig ausgelegt. Wer darüber hinwegsehen kann und mit drastischer Gewalt kein Problem hat, bekommt eine temporeiche, erstaunlich charmante und teilweise wunderbar absurde Actionkomödie. Kein neuer Genre-Meilenstein, aber ein ziemlich schmerzfreier Filmabend.

snaggy (Spielemagazin.de)

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Spielemagazin-Wertung: 76%
Jack Quaid entdeckt in dieser brutalen Actionkomödie den Vorteil, keinen Schmerz zu fühlen

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