Im Mittelpunkt steht Ella Beatty als Lizzie Borden, die in einem von gesellschaftlichen Zwängen und familiärer Kontrolle bestimmten viktorianischen Umfeld lebt. Mit der Ankunft der Hausangestellten Bridget Sullivan, gespielt von Vicky Krieps, beginnt sich Lizzies Leben zu verändern. Die acht Folgen entwickeln daraus ein psychologisches Drama über Unterdrückung, Begehren, Macht und schließlich Gewalt.
Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden erzählt keinen historischen Kriminalfall nach, sondern verwandelt ihn ganz bewusst in eine düstere Legende.
Ella Beatty macht Lizzie Borden zur faszinierenden Hauptfigur
Dass diese Interpretation funktioniert, liegt vor allem an Ella Beatty. Ihre Lizzie wirkt zu Beginn gleichzeitig verletzlich, neugierig und merkwürdig entrückt. Mit zunehmender Laufzeit verändert sich ihre Präsenz jedoch spürbar. Beatty vermeidet es dabei weitgehend, ihre Figur auf das bekannte Bild der vermeintlichen Axtmörderin zu reduzieren. Stattdessen entsteht eine Frau, deren innere Widersprüche mindestens ebenso interessant sind wie die Frage nach ihrer Schuld.Vicky Krieps bildet dazu als Bridget einen reizvollen Gegenpol. Ihre Figur bringt Unruhe in den erstarrten Haushalt und wird zugleich zu einer wichtigen Projektionsfläche für Lizzie. Charlie Hunnam als Andrew Borden und Rebecca Hall als Abby Borden zeichnen das Elternhaus dagegen als Ort der Kontrolle und emotionalen Beklemmung. Gerade Hall darf ihrer Figur einige ausgesprochen unangenehme Facetten verleihen, während Hunnam deutlich gegen sein gewohntes Image spielt.
Historische Wahrheit ist hier nur das Fundament
Wer Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden als dokumentarische Aufarbeitung schaut, dürfte allerdings Schwierigkeiten bekommen. Die Serie nimmt sich beträchtliche Freiheiten. Beziehungen werden verändert, Ereignisse erfunden und zeitliche Abläufe so angepasst, dass sie zur gewünschten Dramaturgie passen. Auch die Verbindung zwischen Lizzie und Bridget wird erheblich stärker ausgestaltet, als es historische Erkenntnisse hergeben.Das ist grundsätzlich legitim, schließlich handelt es sich um eine fiktionalisierte Serie. Problematisch wird es dort, wo die Inszenierung ihre Spekulationen mit solcher Überzeugung präsentiert, dass die Grenze zwischen belegtem Geschehen und Erfindung verschwimmt. Besonders bei einem realen, bis heute ungeklärten Mordfall hätte etwas mehr Ambivalenz der Geschichte gutgetan.
Als Historiendrama solltest Du die Serie mit Vorsicht genießen, als makabre Neuinterpretation entwickelt sie dagegen einen beträchtlichen Sog.
Blut, Gothic-Horror und ein Hauch von Camp
Inszenatorisch hält sich Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden nicht zurück. Das viktorianische Neuengland erscheint gleichermaßen elegant und bedrückend. Gedämpftes Licht, schwere Innenräume, historische Kostüme und eine zunehmend unheilvolle Bildsprache sorgen für eine Atmosphäre, in der Du förmlich darauf wartest, dass die aufgestaute Spannung irgendwann explodiert.Und ja, die Serie ist brutal. Gewalt wird nicht lediglich angedeutet, sondern teilweise ausgesprochen grafisch inszeniert. Gleichzeitig schleichen sich immer wieder bewusst überhöhte Momente ein. Gothic-Horror, True Crime, Erotik, Familiendrama und beinahe campartige Überzeichnung treffen aufeinander. Das passt durchaus zur Monster-Reihe, führt aber dazu, dass der Ton nicht immer vollkommen stabil bleibt.
Gerade in den ersten Folgen profitiert die Geschichte davon, dass sie sich Zeit für Figuren und Atmosphäre nimmt. Später will die Serie zunehmend mehr: Sie möchte Kriminalgeschichte rekonstruieren, Patriarchat und gesellschaftliche Zwänge untersuchen, weibliche Wut thematisieren und gleichzeitig ein möglichst spektakuläres True-Crime-Drama liefern. Acht Folgen bieten dafür eigentlich reichlich Platz, trotzdem fühlt sich manches erstaunlich überladen an.
True Crime zwischen Faszination und Provokation
Interessant ist vor allem, dass Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden seinen Gegenstand nicht einfach als klassische Tätergeschichte behandelt. Vielmehr interessiert sich die Serie dafür, wie aus einer realen Person eine kulturelle Figur entsteht. Lizzie Borden wurde freigesprochen und trotzdem überdauerte ihr Name mehr als 130 Jahre als Synonym für einen der berühmtesten ungeklärten Mordfälle Amerikas.Die Serie spielt bewusst mit diesem Widerspruch. Gleichzeitig legt sie sich bei manchen Fragen stärker fest, als es die historische Quellenlage zulässt. Genau hier liegt ihre größte Schwäche. Wo das tatsächliche Rätsel Raum für Zweifel bietet, bevorzugt die Dramatisierung häufig eine möglichst wirkungsvolle Antwort.
Je weniger Du Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden als Geschichtsstunde verstehst, desto besser funktioniert diese blutige und hervorragend gespielte Neuinterpretation.



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