Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden Review

Düstere True-Crime-Serie über Lizzie Borden zwischen Fakten, Fiktion und weiblicher Wut



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Kaum ein amerikanischer Kriminalfall des 19. Jahrhunderts hat sich derart tief in die Popkultur eingebrannt wie jener von Lizzie Borden. 1892 wurden ihr Vater Andrew und ihre Stiefmutter Abby in ihrem Haus in Fall River brutal getötet. Lizzie geriet unter Verdacht, stand vor Gericht und wurde schließlich freigesprochen. Bis heute ist ungeklärt, wer die Morde tatsächlich beging. Genau diese Mischung aus historischem Verbrechen, Mythos und offenen Fragen greift Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden auf. Die vierte Ausgabe der von Ryan Murphy und Ian Brennan geprägten Monster-Anthologie macht allerdings schnell deutlich, dass sie weniger an einer nüchternen Rekonstruktion als an einer eigenen Interpretation interessiert ist.

Im Mittelpunkt steht Ella Beatty als Lizzie Borden, die in einem von gesellschaftlichen Zwängen und familiärer Kontrolle bestimmten viktorianischen Umfeld lebt. Mit der Ankunft der Hausangestellten Bridget Sullivan, gespielt von Vicky Krieps, beginnt sich Lizzies Leben zu verändern. Die acht Folgen entwickeln daraus ein psychologisches Drama über Unterdrückung, Begehren, Macht und schließlich Gewalt.
Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden erzählt keinen historischen Kriminalfall nach, sondern verwandelt ihn ganz bewusst in eine düstere Legende.
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Ella Beatty macht Lizzie Borden zur faszinierenden Hauptfigur

Dass diese Interpretation funktioniert, liegt vor allem an Ella Beatty. Ihre Lizzie wirkt zu Beginn gleichzeitig verletzlich, neugierig und merkwürdig entrückt. Mit zunehmender Laufzeit verändert sich ihre Präsenz jedoch spürbar. Beatty vermeidet es dabei weitgehend, ihre Figur auf das bekannte Bild der vermeintlichen Axtmörderin zu reduzieren. Stattdessen entsteht eine Frau, deren innere Widersprüche mindestens ebenso interessant sind wie die Frage nach ihrer Schuld.

Vicky Krieps bildet dazu als Bridget einen reizvollen Gegenpol. Ihre Figur bringt Unruhe in den erstarrten Haushalt und wird zugleich zu einer wichtigen Projektionsfläche für Lizzie. Charlie Hunnam als Andrew Borden und Rebecca Hall als Abby Borden zeichnen das Elternhaus dagegen als Ort der Kontrolle und emotionalen Beklemmung. Gerade Hall darf ihrer Figur einige ausgesprochen unangenehme Facetten verleihen, während Hunnam deutlich gegen sein gewohntes Image spielt.
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Historische Wahrheit ist hier nur das Fundament

Wer Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden als dokumentarische Aufarbeitung schaut, dürfte allerdings Schwierigkeiten bekommen. Die Serie nimmt sich beträchtliche Freiheiten. Beziehungen werden verändert, Ereignisse erfunden und zeitliche Abläufe so angepasst, dass sie zur gewünschten Dramaturgie passen. Auch die Verbindung zwischen Lizzie und Bridget wird erheblich stärker ausgestaltet, als es historische Erkenntnisse hergeben.

Das ist grundsätzlich legitim, schließlich handelt es sich um eine fiktionalisierte Serie. Problematisch wird es dort, wo die Inszenierung ihre Spekulationen mit solcher Überzeugung präsentiert, dass die Grenze zwischen belegtem Geschehen und Erfindung verschwimmt. Besonders bei einem realen, bis heute ungeklärten Mordfall hätte etwas mehr Ambivalenz der Geschichte gutgetan.
Als Historiendrama solltest Du die Serie mit Vorsicht genießen, als makabre Neuinterpretation entwickelt sie dagegen einen beträchtlichen Sog.
Noch auffälliger wird dieser Ansatz durch Nebenhandlungen, die weit über das Jahr 1892 hinausreichen. Die Serie schlägt unter anderem einen thematischen Bogen zu Aileen Wuornos, die von Sarah Paulson gespielt wird. Historisch besteht diese Verbindung nicht. Sie dient vielmehr dazu, die übergeordnete Frage nach weiblicher Gewalt, gesellschaftlicher Unterdrückung und der Entstehung eines sogenannten Monsters weiterzudenken. Das ist ambitioniert, wirkt gelegentlich aber auch wie ein Fremdkörper in einer Geschichte, die eigentlich genügend eigenes Material besitzt.
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Blut, Gothic-Horror und ein Hauch von Camp

Inszenatorisch hält sich Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden nicht zurück. Das viktorianische Neuengland erscheint gleichermaßen elegant und bedrückend. Gedämpftes Licht, schwere Innenräume, historische Kostüme und eine zunehmend unheilvolle Bildsprache sorgen für eine Atmosphäre, in der Du förmlich darauf wartest, dass die aufgestaute Spannung irgendwann explodiert.

Und ja, die Serie ist brutal. Gewalt wird nicht lediglich angedeutet, sondern teilweise ausgesprochen grafisch inszeniert. Gleichzeitig schleichen sich immer wieder bewusst überhöhte Momente ein. Gothic-Horror, True Crime, Erotik, Familiendrama und beinahe campartige Überzeichnung treffen aufeinander. Das passt durchaus zur Monster-Reihe, führt aber dazu, dass der Ton nicht immer vollkommen stabil bleibt.

Gerade in den ersten Folgen profitiert die Geschichte davon, dass sie sich Zeit für Figuren und Atmosphäre nimmt. Später will die Serie zunehmend mehr: Sie möchte Kriminalgeschichte rekonstruieren, Patriarchat und gesellschaftliche Zwänge untersuchen, weibliche Wut thematisieren und gleichzeitig ein möglichst spektakuläres True-Crime-Drama liefern. Acht Folgen bieten dafür eigentlich reichlich Platz, trotzdem fühlt sich manches erstaunlich überladen an.
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True Crime zwischen Faszination und Provokation

Interessant ist vor allem, dass Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden seinen Gegenstand nicht einfach als klassische Tätergeschichte behandelt. Vielmehr interessiert sich die Serie dafür, wie aus einer realen Person eine kulturelle Figur entsteht. Lizzie Borden wurde freigesprochen und trotzdem überdauerte ihr Name mehr als 130 Jahre als Synonym für einen der berühmtesten ungeklärten Mordfälle Amerikas.

Die Serie spielt bewusst mit diesem Widerspruch. Gleichzeitig legt sie sich bei manchen Fragen stärker fest, als es die historische Quellenlage zulässt. Genau hier liegt ihre größte Schwäche. Wo das tatsächliche Rätsel Raum für Zweifel bietet, bevorzugt die Dramatisierung häufig eine möglichst wirkungsvolle Antwort.
Je weniger Du Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden als Geschichtsstunde verstehst, desto besser funktioniert diese blutige und hervorragend gespielte Neuinterpretation.
Trotz dieser Einwände besitzt die Staffel eine enorme audiovisuelle Präsenz und mit Ella Beatty eine Hauptdarstellerin, die selbst dann interessant bleibt, wenn das Drehbuch zu dick aufträgt. Vicky Krieps, Rebecca Hall und Charlie Hunnam verstärken das starke Ensemble. So entsteht eine Serie, die provoziert, gelegentlich überzieht und historische Fakten ausgesprochen frei behandelt, dabei aber selten langweilig wird.

FAZIT

Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden ist weniger historische Rekonstruktion als opulent inszenierte, blutige Interpretation eines bis heute faszinierenden Kriminalfalls. Ella Beatty überzeugt als Lizzie und wird von einem starken Ensemble um Vicky Krieps, Rebecca Hall und Charlie Hunnam getragen. Die düstere Ausstattung, die psychologische Spannung und der Mut zur stilistischen Überhöhung funktionieren ausgesprochen gut. Schwächer wird die Serie, wenn sie historische Leerstellen mit sehr selbstbewusster Fiktion füllt oder ihre Themen rund um weibliche Wut und Unterdrückung etwas zu demonstrativ formuliert. Auch einige Nebenstränge hätten zugunsten einer fokussierteren Erzählung gekürzt werden können. Als historisch verlässliche Aufarbeitung taugt die Serie daher nur eingeschränkt, als atmosphärisches und bewusst provokantes True-Crime-Drama besitzt sie jedoch einen starken Unterhaltungswert.

Jacqueline (Spielemagazin.de)

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Düstere True-Crime-Serie über Lizzie Borden zwischen Fakten, Fiktion und weiblicher Wut

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