Graveyard drehen die Verstärker wieder auf
Schon Back From The Grave macht deutlich, dass Fever keine behutsame Fortsetzung von Six werden möchte. Das Riff schleppt sich mit mächtigem Gewicht durch den Song, die Verzerrung knarzt herrlich und über allem liegt jener Geist des frühen Heavy Rock, den Graveyard seit jeher mit einer deutlich bluesigeren Note verbinden. Natürlich darf man dabei an Black Sabbath denken, doch Graveyard kopieren ihre Vorbilder nicht einfach. Dafür besitzt die Band längst zu viel eigene Persönlichkeit.Fever klingt nach einer Band, die keine Lust auf Umwege hat: Verstärker an, Fuzz aufdrehen und los.
Zwischen Black Sabbath, Blues und schwedischem Heavy Rock
Interessant ist dabei, dass Fever trotz seiner Härte nicht einfach nur schwerer geworden ist. Graveyard behalten jene bluesige Seele, die spätestens seit Hisingen Blues zu ihrem Markenzeichen gehört. Genau dadurch funktioniert die Platte auch jenseits ihrer offensichtlichsten Riffs. A Means To An End beispielsweise marschiert mit ordentlich Druck nach vorne und gehört zu den unmittelbarsten Nummern des Albums. Das ist Rockmusik, die gar nicht erst lange darüber diskutiert, ob sie cool sein möchte.Time To Tell zeigt dagegen eine andere Facette. Hier schwingt stärker der klassische amerikanische Roots- und Bluesrock mit, ohne dass Graveyard plötzlich ihre schwedische Identität verlieren würden. Es ist diese Mischung, die Fever interessant hält: Mal riecht es nach dunklem Proberaum und heißgelaufenen Röhrenverstärkern, dann öffnet sich das Album wieder und lässt mehr Melodie und Atmosphäre hinein.
Die Stärke von Graveyard liegt weiterhin darin, dass ihre Musik nach vergangenen Jahrzehnten klingt, ohne sich wie ein Museumsbesuch anzufühlen.
Direkter als Six, aber nicht automatisch stärker
Don't Shoot! und Room Tempered halten die Energie in der zweiten Albumhälfte hoch. Besonders Room Tempered ist ein gutes Beispiel für den Ansatz der Platte: geradlinig, schwer und ohne unnötigen Zierrat. Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch eine kleine Schwäche von Fever. Nicht jeder dieser direkten Rocker besitzt ein Motiv oder einen Refrain, der sich dauerhaft festsetzt. Die Band klingt durchgehend überzeugend, doch einzelne Songs verschwimmen im Gesamtbild stärker, als man es sich wünschen würde.Das ist letztlich der Unterschied zwischen einem guten Graveyard-Album und einem ihrer ganz großen Momente. Fever besitzt enorm viel Atmosphäre, Spielfreude und Charakter, erreicht aber nicht durchgehend jene zwingende Qualität, mit der Hisingen Blues seinerzeit einen Nerv traf. Dafür ist das neue Material vielleicht auch etwas zu sehr auf unmittelbare Wirkung ausgerichtet.
Das schmälert den Spaß allerdings nur begrenzt. Denn sobald die Rhythmusgruppe einen schweren Groove anschiebt und die Gitarren wieder zu knarzen beginnen, funktioniert Fever verdammt gut. Vor allem Fans dürften sich darüber freuen, dass Graveyard nach der introvertierteren Stimmung von Six wieder offensiver auftreten.
Dead Note lässt das Fieber langsam ausklingen
Mit Dead Note gönnen sich Graveyard schließlich fast sieben Minuten für den Abschluss. Hier kehrt stärker jene bluesgetränkte Melancholie zurück, die zu den großen Qualitäten der Band gehört. Nach den teilweise überraschend direkten Songs zuvor darf Fever noch einmal atmen. Das sorgt für einen stimmigen Kontrast und verhindert, dass das Album einfach mit einem weiteren geradlinigen Rocksong endet.Fever ist dann am besten, wenn Graveyard Härte und Blues nicht gegeneinander ausspielen, sondern beides zu ihrem unverwechselbaren, staubigen Heavy-Rock-Sound verschmelzen.
Tracklist
- Back From The Grave
- Tongue Tied
- A Better Cut (Note To Self)
- Year Of The Horse
- A Means To An End
- Time To Tell
- Don't Shoot!
- Room Tempered
- Dead Note



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