Eine künstliche Intelligenz sucht ihren Ausweg
Morbid Metal versetzt dich in eine ferne, dystopische Zukunft, genauer gesagt in eine postapokalyptische Simulation. Du übernimmst die Rolle der letzten künstlichen Intelligenz, die von einem geheimnisvollen Operator erschaffen wurde und von Eden begleitet wird. Hinter der zunächst recht abstrakten Ausgangslage verbirgt sich eine Geschichte über den Niedergang der Menschheit und die Frage, was von ihr letztlich übrig geblieben ist.Die Handlung wird dabei nicht wie in einem klassischen Action-Adventure permanent in den Vordergrund gedrängt. Stattdessen stößt du während deiner wiederholten Durchläufe auf Fragmente, die nach und nach weitere Informationen über die Vergangenheit liefern. Das passt gut zum Roguelite-Prinzip: Dein Scheitern setzt zwar einen einzelnen Versuch zurück, bedeutet erzählerisch aber nicht, dass alles zuvor Erlebte bedeutungslos gewesen wäre.
Die Atmosphäre profitiert vor allem von der kalten, teilweise unwirklichen Umgebung. Verfallene Überreste der menschlichen Zivilisation treffen auf futuristische Maschinen und Landschaften, die stellenweise beinahe außerirdisch wirken. Dadurch entsteht eine angenehm eigenständige Science-Fiction-Kulisse.
Drei Kämpfer werden zu einer einzigen Waffe
Das Herzstück von Morbid Metal ist zweifellos sein Kampfsystem. Statt dich für einen Charakter entscheiden zu müssen, stellst du ein Team aus bis zu drei Figuren zusammen und wechselst während des Kampfes praktisch unmittelbar zwischen ihnen. In der aktuellen Early-Access-Fassung stehen dafür Flux, Ekku und Vekta bereit. Jede Figur besitzt eigene Angriffe, Fähigkeiten und einen individuellen Kampfstil.Genau daraus entsteht die eigentliche Besonderheit. Der Charakterwechsel ist kein Menüpunkt zwischen zwei Begegnungen, sondern Teil deiner Angriffsketten. Du kannst beispielsweise eine Attacke mit einem Kämpfer eröffnen, unmittelbar wechseln und die entstandene Situation mit den Fähigkeiten einer anderen Figur ausnutzen. Mit zunehmender Erfahrung werden die Übergänge flüssiger, sodass einzelne Charaktere weniger wie getrennte Spielfiguren und zunehmend wie unterschiedliche Bestandteile eines gemeinsamen Kampfsystems wirken.
Das sorgt für ein erfreulich hohes Tempo. Gegnergruppen werden nicht einfach durch wiederholtes Betätigen derselben Angriffstaste beseitigt. Positionierung, Ausweichen, Fähigkeiten, Charakterwechsel und das richtige Timing greifen ineinander. Wer lediglich wild auf Gegner einschlägt, kommt zwar zunächst ein Stück weit voran, wird bei anspruchsvolleren Begegnungen und insbesondere bei Bossen jedoch schnell mit den Grenzen dieser Strategie konfrontiert.
Kombos belohnen Übung statt hektisches Tastendrücken
Morbid Metal möchte, dass du seine unterschiedlichen Angriffsmöglichkeiten tatsächlich miteinander kombinierst. Die drei Figuren besitzen individuelle Movesets und Spezialangriffe, aus denen sich zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten ergeben. Gerade der Wechsel mitten in einer Angriffskette eröffnet Spielraum für Experimente.Dabei entwickelt sich mit der Zeit ein interessantes Lerngefühl. Zu Beginn konzentrierst du dich noch darauf, gegnerischen Angriffen auszuweichen und überhaupt den Überblick zu behalten. Einige Durchläufe später planst du bereits, welcher Charakter eine Begegnung eröffnet und mit welcher Fähigkeit du anschließend weiterarbeitest. Morbid Metal gewinnt deshalb deutlich, sobald du nicht mehr jeden Charakter isoliert betrachtest.
Bosskämpfe treiben dieses Prinzip weiter. Hier reicht reine Angriffslust nicht aus. Bewegungsmuster müssen erkannt, Angriffsfenster genutzt und die eigenen Fähigkeiten vernünftig eingesetzt werden. Der Schwierigkeitsgrad kann durchaus fordernd ausfallen, folgt damit aber dem Grundgedanken des Genres: Ein gescheiterter Versuch soll dir idealerweise Wissen für den nächsten Anlauf vermitteln.
Der Tod gehört zum Fortschritt
Wie für ein Roguelite üblich endet ein Durchlauf irgendwann mit dem Scheitern. Anschließend beginnst du erneut, während bestimmte Fortschritte dauerhaft erhalten bleiben. Morbid Metal kombiniert temporäre Verbesserungen innerhalb eines Runs mit permanenter Meta-Progression. Dadurch entsteht ein zweigeteilter Fortschritt: Einerseits optimierst du den aktuellen Build, andererseits entwickelst du deine langfristigen Möglichkeiten weiter.Zusätzliche Entscheidungen entstehen durch Mechaniken wie Devil's Bargains und Operator's Trials. Dahinter stecken Risiko-und-Belohnungs-Situationen, bei denen du zusätzliche Gefahren akzeptierst beziehungsweise besondere Herausforderungen bewältigst, um an attraktivere Belohnungen zu gelangen. Gerade solche Systeme sind für die Langzeitmotivation wichtig, weil ein Durchlauf dadurch nicht nur aus dem möglichst schnellen Erreichen des nächsten Abschnitts besteht.
Die teilweise prozedural zusammengestellten Gebiete unterstützen diesen Ansatz. Bekannte Elemente tauchen wieder auf, ihre Kombination und der Verlauf eines Runs können sich jedoch verändern. Vollständig handgefertigte Abenteuer darfst du entsprechend nicht erwarten. Stattdessen lebt Morbid Metal davon, bekannte Mechanismen immer wieder in leicht veränderten Situationen miteinander zu verbinden.
Direkte Steuerung für ein hohes Kampftempo
Bei einem derart schnellen Actionspiel entscheidet die Steuerung darüber, ob komplexe Kombinationen Spaß machen oder in Frust ausarten. Morbid Metal setzt deshalb auf eine direkte Bedienung, bei der Angriffe, Ausweichbewegungen, Spezialfähigkeiten und Charakterwechsel möglichst ohne spürbare Unterbrechung ineinandergreifen.Besonders wichtig ist der schnelle Figurenwechsel. Würde dieser den Spielfluss unterbrechen, verlöre das zentrale Konzept einen großen Teil seiner Wirkung. Stattdessen kannst du deine Aktionen miteinander verzahnen und den nächsten Charakter bereits als Bestandteil einer laufenden Kombination betrachten. Trotzdem braucht es etwas Eingewöhnung, bis die verfügbaren Möglichkeiten wirklich selbstverständlich von der Hand gehen. Gerade in hektischen Situationen musst du gleichzeitig Gegner, Position, Fähigkeiten und den aktuell aktiven Charakter im Blick behalten.
Düstere Science-Fiction mit eigener Handschrift
Optisch gehört Morbid Metal zu den auffälligeren Vertretern seines Genres. Screen Juice kombiniert futuristische Architektur mit zerstörten Landschaften, Maschinenwesen und überwucherten Überresten einer untergegangenen Zivilisation. Die Kamera bleibt dabei nah genug am Geschehen, um die Animationen und Effekte wirkungsvoll zu präsentieren, ohne den Überblick vollständig aufzugeben.Gerade während längerer Angriffsketten zeigt sich, wie wichtig Animationen für das Spielgefühl sind. Bewegungen müssen unmittelbar verständlich bleiben, weil du andernfalls kaum erkennen könntest, wann ein Angriff endet und der nächste Charakter übernehmen kann. Partikeleffekte und schnelle Bewegungen erzeugen bewusst ein spektakuläres Bild, können in größeren Auseinandersetzungen allerdings auch dafür sorgen, dass die visuelle Informationsdichte deutlich zunimmt.
Die verschiedenen Biome lockern das Geschehen zusätzlich auf. Karge Landschaften und überwucherte Ruinen sorgen dafür, dass die dystopische Simulation nicht permanent aus denselben metallischen Korridoren besteht. Dennoch bleibt die visuelle Identität durchgehend erkennbar.
Sound begleitet den Rhythmus der Kämpfe
Auch akustisch steht die Action klar im Mittelpunkt. Treffer, Fähigkeiten und gegnerische Attacken liefern wichtige Rückmeldungen und unterstützen den Rhythmus des Kampfsystems. Das ist bei schnellen Hack-and-Slash-Gefechten wichtiger, als es zunächst klingt: Wenn mehrere Aktionen unmittelbar aufeinanderfolgen, muss neben der Animation auch der Klang vermitteln, ob ein Angriff erfolgreich ausgeführt wurde.Die Musik unterstützt die futuristische und bedrohliche Grundstimmung, ohne sich permanent vor das eigentliche Spielgeschehen zu drängen. Die englische Sprachausgabe wird durch deutsche Bildschirmtexte und Untertitel ergänzt, sodass du Morbid Metal problemlos auf Deutsch spielen kannst.
Roguelite-Struktur setzt auf wiederholte Durchläufe
Der Umfang lässt sich bei Morbid Metal weniger über eine klassische Kampagnenlänge als über seine Wiederholbarkeit definieren. Du sollst Gebiete mehrfach besuchen, unterschiedliche Builds ausprobieren, deine Figuren weiterentwickeln und zunehmend sicherer mit den verschiedenen Kampfstilen umgehen. Steam-Erfolge und die langfristige Progression liefern zusätzliche Ziele.Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass Morbid Metal weiterhin im Early Access steckt. Screen Juice hat zusätzliche Inhalte angekündigt, darunter einen weiteren spielbaren Charakter, zusätzliche Umgebungen und neue Bosse. Die gegenwärtige Fassung bildet also ausdrücklich noch nicht den endgültigen Umfang ab. Wie abwechslungsreich das Spiel über sehr lange Zeit bleibt, hängt deshalb auch davon ab, wie konsequent die angekündigten Erweiterungen umgesetzt werden.
Early Access bedeutet weiterhin Bewegung
Technisch richtet sich Morbid Metal ausschließlich an Windows-PCs und unterstützt Windows 10 sowie Windows 11. Als Minimum werden unter anderem 8 GB Arbeitsspeicher sowie eine GeForce GTX 1650, Radeon RX 5500 XT oder Intel Arc A380 genannt. Für die empfohlene Konfiguration werden 16 GB RAM und beispielsweise eine GeForce RTX 2060 vorausgesetzt. Rund 30 GB freier Speicherplatz werden benötigt, DirectX 11 wird unterstützt.Zusätzlich bietet die Steam-Version Achievements, Steam Cloud und Family Sharing. Das Spiel ist zudem für Steam Deck verifiziert, auch wenn unser Testsystem als Plattform PC geführt wird. Morbid Metal bleibt während des Early Access Gegenstand laufender Überarbeitungen und Hotfixes. Entsprechend können sich Balance, Inhalte und technische Details gegenüber dem hier beschriebenen Stand noch verändern.
Morbid Metal ist damit bereits jetzt klar als kampforientiertes Einzelspieler-Roguelite positioniert. Einen Koop- oder klassischen Multiplayer-Modus gibt es nicht. Der Schwerpunkt liegt vollständig darauf, deine drei Figuren zu beherrschen, immer effizientere Kombinationen zu entwickeln und nach einem gescheiterten Durchlauf mit zusätzlicher Erfahrung erneut in die Simulation einzusteigen.




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