Death Stranding Review

Kojimas seltsame Lieferreise wird zu einem unvergesslichen Abenteuer



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Death Stranding ist kein Spiel, das sich in wenigen Sätzen erklären lässt. Du spielst Sam Porter Bridges, einen Kurier in einem zerstörten Amerika, das nach einer rätselhaften Katastrophe in voneinander isolierte Siedlungen zerfallen ist. Deine Aufgabe klingt zunächst erstaunlich profan: Pakete ausliefern, Menschen wieder miteinander verbinden und ein Kommunikationsnetz über den Kontinent spannen. Doch schon nach kurzer Zeit wird klar, dass Hideo Kojimas erstes Spiel nach der Gründung von Kojima Productions viel mehr sein will als ein gewöhnliches Open-World-Abenteuer. Es ist eine Reise über Einsamkeit, Verlust, Verantwortung und die manchmal überraschend große Bedeutung einer helfenden Hand.

Ein Amerika zwischen Leben, Tod und Lieferaufträgen

Die Welt von Death Stranding ist zugleich faszinierend und bewusst verwirrend. Nach dem titelgebenden Death Stranding haben sich die Grenzen zwischen Leben und Tod verschoben. Unsichtbare Wesen, die sogenannten BTs, bedrohen die letzten Menschen, während Regen namens Timefall alles schneller altern lässt. Zwischen diesen Gefahren reist Sam durch weite, raue Landschaften und versucht, die verstreuten Außenposten der United Cities of America wieder anzuschließen.

Die Geschichte präsentiert ihre Begriffe, Figuren und Zusammenhänge zunächst beinahe überwältigend. Kojima scheut sich nicht davor, wissenschaftlich klingende Erklärungen, emotionale Monologe und bewusst schräge Ideen direkt nebeneinanderzustellen. Das kann gerade am Anfang anstrengend sein. Wenn Du Dich darauf einlässt, entwickelt das Spiel aber eine unverwechselbare Sogwirkung. Death Stranding erzählt nicht immer subtil, doch es erzählt mit enormer Überzeugung und bleibt lange im Kopf.

Pakete tragen wird zur echten Herausforderung

Das Herzstück des Spiels ist Sams Fortbewegung. Du belädst ihn mit Lieferungen, Werkzeugen, Leitern, Kletterseilen und anderem Material. Jedes Paket besitzt Gewicht, beeinflusst Deinen Schwerpunkt und kann Dich auf unebenem Gelände aus dem Gleichgewicht bringen. Mit den Schultertasten stabilisierst Du Sam, während Du Flüsse überquerst, steile Hänge erklimmst oder versuchst, auf losem Geröll nicht zu stürzen.

Das klingt nach einer ungewöhnlich nüchternen Mechanik, ist aber erstaunlich intensiv. Ein Weg, der auf der Karte kurz aussieht, kann durch einen reißenden Fluss, ein Schneefeld oder eine felsige Schlucht zur echten Expedition werden. Du lernst, die Landschaft zu lesen, Deine Ausrüstung sinnvoll zu planen und nicht jedes Paket bis an die Grenze der Belastbarkeit mitzunehmen. Death Stranding macht aus Gehen, Balancieren und Vorausdenken ein spielerisches System, das nicht jedem gefallen wird, aber bemerkenswert konsequent umgesetzt ist.

Von der einsamen Tour zur gemeinsamen Infrastruktur

Die vielleicht schönste Idee des Spiels ist seine asynchrone Online-Komponente. Du triffst andere Spieler nicht direkt, kannst aber ihre Spuren in Deiner Welt entdecken. Eine Leiter an der richtigen Stelle, ein Kletterseil vor einem tiefen Abgrund, ein Generator in der Einöde oder eine Brücke über einen schwierigen Fluss können Dir den Weg erheblich erleichtern. Umgekehrt baust Du selbst Strukturen, die anderen helfen.

Dieses System passt perfekt zu Death Strandings zentralem Thema: Verbindung. Obwohl Du meist allein unterwegs bist, entsteht das Gefühl, Teil eines großen Netzwerks zu sein. Ein schlichtes Like für eine fremde Konstruktion kann überraschend befriedigend wirken, weil Du genau weißt, wie viel Zeit und Ressourcen in einem guten Bauwerk stecken. Das Spiel macht Kooperation sichtbar, ohne daraus einen klassischen Mehrspieler-Modus zu machen.

Gefahr durch BTs, MULEs und die Natur

Nicht jede Lieferung verläuft friedlich. In von Timefall heimgesuchten Gebieten musst Du Dich vorsichtig an BTs vorbeibewegen. Dein BB, ein besonderes Baby in einer Kapsel, hilft Dir dabei, die unsichtbaren Wesen über den Odradek-Scanner zu orten. Diese Passagen erzeugen eine starke Anspannung, weil Du nicht einfach losstürmen kannst. Anhalten, Atem anhalten, den Scanner beobachten und den richtigen Weg wählen gehören zu den wichtigsten Überlebensstrategien.

Daneben lauern MULEs, die selbst besessen davon sind, Fracht zu sammeln, sowie später deutlich gefährlichere menschliche Gegner. Die Kämpfe funktionieren ordentlich und werden mit zunehmender Ausrüstung abwechslungsreicher, sind aber nicht die große Stärke von Death Stranding. Das Spiel ist am überzeugendsten, wenn Du einem Konflikt ausweichst, eine kluge Route findest oder Dich mit guter Vorbereitung aus einer schwierigen Lage rettest. Die Natur bleibt der stärkste Gegner.

Ein langsamer Auftakt mit stetig wachsender Tiefe

Death Stranding verlangt Geduld. Die ersten Stunden bestehen aus vielen Erklärungen, kleineren Lieferaufträgen und einem bewusst langsamen Aufbau. Erst nach und nach öffnet sich die Spielwelt, neue Fahrzeuge, Exoskelette, Waffen und Bauoptionen kommen hinzu und das Liefernetz gewinnt an Tiefe. Wer nach einer Stunde entscheidet, dass es nur ums Paketaustragen geht, hat zwar nicht ganz unrecht, verpasst aber, wie vielschichtig dieses Grundprinzip später wird.

Gleichzeitig bleibt die Kritik nachvollziehbar. Einige Aufträge wiederholen sich, manche Dialoge erklären bekannte Dinge mehrfach und die Länge der Geschichte ist nicht immer elegant getaktet. Kojima lässt seine Ideen gern ausufern. Für manche Spieler macht genau das den besonderen Charme aus, andere werden sich eine straffere Erzählung und weniger Umwege wünschen.

Großartige Landschaften auf der PS4

Death Stranding sieht auf PS4 beeindruckend aus. Die Decima Engine zeigt weite Täler, schroffe Berge, schwarze Strände und vereiste Regionen mit einer Detailfülle, die der fremdartigen Welt enorme Glaubwürdigkeit verleiht. Besonders stark ist nicht nur die Technik, sondern die Bildkomposition: Wenn Sam nach einer langen, anstrengenden Route einen Aussichtspunkt erreicht und plötzlich ein Song einsetzt, entstehen Bilder, die man in dieser Form kaum aus anderen Spielen kennt.

Auf der Basis-PS4 muss die Technik naturgemäß kleinere Kompromisse eingehen, die Darstellung bleibt aber stabil und atmosphärisch hervorragend. Die PS4 Pro liefert ein etwas schärferes Bild, doch auch auf der Standardkonsole trägt die Inszenierung problemlos. Für ein Spiel dieser Größe und Detaildichte ist die Umsetzung sehr gelungen.

Soundtrack und Schauspiel auf Kinoniveau

Musik und Sounddesign gehören zu den größten Stärken. Die melancholischen Songs von Low Roar, die oft erst nach einem besonders mühsamen Weg einsetzen, verwandeln selbst eine simple Wanderung in einen emotionalen Moment. Auch die Geräuschkulisse trägt viel bei: Wind, Regen, das Klirren der Fracht und Sams angestrengter Atem vermitteln die körperliche Anstrengung jeder Tour.

Norman Reedus trägt Sam mit einer angenehm zurückhaltenden Darstellung. Mads Mikkelsen, Léa Seydoux, Troy Baker, Margaret Qualley und die weiteren Darsteller sorgen dafür, dass die oft sehr abstrakte Geschichte ein menschliches Gesicht behält. Die deutsche Sprachausgabe ist vorhanden und gelungen, während die englische Originalfassung mit ihrem prominenten Cast besonders viel Atmosphäre besitzt.

Ein Spiel, das seine eigene Kategorie schafft

Death Stranding ist ein Einzelspieler-Abenteuer mit Online-Elementen, das sich nie ganz in eine bekannte Schublade pressen lässt. Es ist Adventure, Survival, Erkundungsspiel, Aufbausimulation und seltsames Roadmovie zugleich. Die eigentliche Langzeitmotivation entsteht nicht nur aus der Hauptgeschichte, sondern aus dem Wunsch, immer effizientere Routen zu schaffen, bessere Bewertungen für Lieferungen zu erhalten und die Welt für andere Spieler ein wenig zugänglicher zu machen.

Entwickelt wurde Death Stranding von Kojima Productions und auf PS4 von Sony Interactive Entertainment veröffentlicht. Es ist Hideo Kojimas erstes großes Projekt nach seinem Abschied von Konami - und ein Spiel, das seine ungewöhnliche Vision ohne Angst vor Konventionen verfolgt.

FAZIT

Death Stranding ist ein mutiges, sperriges und außergewöhnlich persönliches Spiel. Es verlangt Dir Geduld ab, erklärt seine Welt nicht immer elegant und setzt auf eine Art von Gameplay, die manchen Spielern schlicht zu langsam sein wird. Wer sich auf Sams Lieferreise einlässt, erlebt jedoch ein faszinierendes Abenteuer mit grandiosen Landschaften, herausragendem Soundtrack und einer der originellsten Online-Ideen der vergangenen Jahre. Death Stranding zeigt eindrucksvoll, wie stark eine ungewöhnliche Vision sein kann, wenn ein Spiel sie ohne Angst vor Konventionen verfolgt.

Redaktion (Spielemagazin.de)

Wie wir bewerten. Mehr zum Thema Transparenz.

Spielemagazin-Wertung: 89%
Kojimas seltsame Lieferreise wird zu einem unvergesslichen Abenteuer
Einzelwertungen
Gameplay
84
Grafik
94
Sound
95
Steuerung
82

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