LA Priest – Into The Sky Review

Zwischen Psychedelic Pop und selbstgebauter Elektronik



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Sam Eastgate war noch nie ein Musiker, bei dem der einfache Weg besonders hoch im Kurs stand. Unter dem Namen LA Priest verbindet er seit Jahren Psychedelic Pop mit Elektronik, Funk und allerlei klanglichen Experimenten. Dass er nebenbei auch noch eigene Synthesizer und Drum Machines konstruiert, passt ziemlich gut ins Bild. Auf seinem vierten Album „Into The Sky“ führt diese Experimentierfreude nun allerdings zu einem überraschend zugänglichen Ergebnis.

Gemeinsam mit Alex Ridha alias Boys Noize hat Eastgate ein Album geschaffen, das elektronischer, unmittelbarer und vor allem körperlicher funktioniert als seine Vorgänger. LA Priest möchte diesmal nicht nur den Kopf beschäftigen. Diese Musik will sich bewegen.

Vom Klanglabor auf die Tanzfläche

Die Ursprünge des Albums reichen bis in die Lockdown-Zeit zurück. Eastgate hatte damals begonnen, aus Samples eine eigene Variante von House-Musik zu entwickeln, verwarf beziehungsweise vertagte das Projekt jedoch zunächst. Stattdessen entstand nach Reisen durch Mexiko und Costa Rica das wesentlich organischere „Fase Luna“.

„Into The Sky“ greift den elektronischen Gedanken nun wieder auf. Interessanterweise begegnet Eastgate den nahezu grenzenlosen Möglichkeiten elektronischer Musik mit bewusster Selbstbeschränkung.

Über weite Strecken kommen dieselben Instrumente zum Einsatz. Dazu gehört die bereits 2016 von Eastgate konstruierte Gene Drum Machine. Einen wesentlichen Teil des Materials komponierte er außerdem mit einem Korg 800 DV, während sein ebenfalls selbst entwickelter Polygene-Synthesizer später zusätzliche Klangfarben beisteuerte.

Das Ergebnis klingt trotzdem keineswegs eintönig.

Weniger Maschinen, mehr Persönlichkeit

Gerade diese Beschränkung gehört zu den interessanteren Seiten des Albums. Statt ständig einen neuen Sound aus dem digitalen Werkzeugkasten zu ziehen, verändert Eastgate Details. Rhythmen verschieben sich, Flächen öffnen und schließen sich, kleine Melodien tauchen auf und verschwinden wieder.

Dadurch bekommt „Into The Sky“ einen ziemlich homogenen Charakter, ohne sich vollständig zu wiederholen. Man erkennt schnell das klangliche Vokabular der Platte und beginnt anschließend, auf die kleinen Veränderungen darin zu achten.

Natürlich bleibt LA Priest dabei LA Priest. Hinter den elektronischen Rhythmen lauert weiterhin diese etwas verschrobene Psychedelik, die seine bisherigen Veröffentlichungen geprägt hat. Nur fühlt sie sich diesmal weniger verkopft an.

Boys Noize sorgt für frische Luft

Die Zusammenarbeit mit Boys Noize erweist sich dabei als ausgesprochen sinnvoll. Eastgate und Ridha kennen sich bereits seit den späten 2000er-Jahren, als Eastgate noch mit Late of the Pier unterwegs war. Für „Into The Sky“ haben beide gemeinsam geschrieben und produziert, Ridha übernahm zudem den Mix.

Man hört dieser Zusammenarbeit an, dass niemand versucht hat, LA Priest in ein gewöhnliches Dance-Projekt zu verwandeln. Stattdessen bekommt Eastgates manchmal beinahe chaotische Ideenwelt eine klarere Kontur.

Die Beats besitzen Druck, Synthesizer dürfen herrlich merkwürdig klingen und trotzdem entsteht genügend Raum zwischen den einzelnen Elementen. Gerade dadurch gewinnt die Musik an Leichtigkeit.

Liebe, Freiheit und ein bisschen Kontrollverlust

Auch inhaltlich passt diese Offenheit. Liebe und Befreiung bilden zentrale Motive des Albums, ohne dass „Into The Sky“ daraus ein großes Konzeptwerk machen würde. Vielmehr entsteht das Gefühl, dass Eastgate diesmal bewusst loslassen möchte.

Das macht die Platte sympathisch. Sie muss nicht permanent beweisen, wie clever oder experimentell sie ist. Einige der schönsten Momente entstehen gerade dann, wenn sich LA Priest einem Rhythmus oder einer Melodie hingibt und sie einfach laufen lässt.

Das unterscheidet „Into The Sky“ durchaus von früheren Veröffentlichungen. Die Eigenwilligkeit ist noch vorhanden, aber sie steht dem unmittelbaren Spaß an der Musik deutlich seltener im Weg.

Nicht jeder Einfall landet perfekt

Ganz ohne Reibungsverluste funktioniert das Experiment allerdings nicht. Manche Wiederholung hätte etwas kürzer ausfallen dürfen, und gelegentlich wird aus hypnotischer Reduktion eben doch Monotonie. Bei rund 40 Minuten Spielzeit fällt das nicht dramatisch ins Gewicht, verhindert aber, dass die Platte durchgehend dieselbe Spannung entwickelt.

Auch wer von Boys Noize ein kompromissloses Clubalbum erwartet, dürfte überrascht sein. „Into The Sky“ ist Tanzmusik nach den Regeln von LA Priest – schräg, psychedelisch und mit genügend kleinen Irritationen ausgestattet, um niemals vollständig im klassischen Dance-Pop anzukommen.

Ein angenehm leichtfüßiger LA Priest

Gerade darin steckt letztlich der Charme dieses Albums. Eastgate versucht nicht, die elektronische Musik neu zu erfinden. Er nimmt seine selbstgebauten Maschinen, ein paar alte und neue Synthesizer und die Erfahrung eines langjährigen Freundes und produziert damit etwas, das überraschend unkompliziert Freude bereitet.

Vielleicht ist „Into The Sky“ nicht das große elektronische Meisterwerk, das alle Grenzen sprengt. Aber es ist ein Album, bei dem ein notorischer Tüftler endlich einmal so klingt, als hätte er zwischendurch aufgehört, über seine Maschinen nachzudenken – und einfach angefangen zu tanzen.
  1. Rayon
  2. No Other
  3. Voices
  4. Breathe
  5. Ever No
  6. Can't Get Enough
  7. Sailor
  8. Into The Sky
  9. Time
  10. Message

FAZIT

„Into The Sky“ ist wahrscheinlich eines der unmittelbarsten Alben, die Sam Eastgate bislang unter dem Namen LA Priest veröffentlicht hat. Seine Vorliebe für ungewöhnliche Elektronik, psychedelische Klangfarben und selbst konstruierte Instrumente bleibt erhalten, wird diesmal aber mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit kombiniert. Boys Noize ist dafür der passende Partner. Die Produktion gibt Eastgates Ideen Struktur und Druck, ohne ihnen ihre Eigenwilligkeit auszutreiben. Dass ein großer Teil des Albums aus einem bewusst begrenzten Gerätepark heraus entstanden ist, verleiht der Platte zusätzlich einen schönen, geschlossenen Charakter. Nicht jede Wiederholung entwickelt den gewünschten hypnotischen Sog, und gelegentlich würde etwas mehr Abwechslung guttun. Trotzdem ist „Into The Sky“ ein sympathisch verspieltes elektronisches Album, das Kopf und Körper gleichermaßen ansprechen möchte. Man muss nicht jede seiner Ideen lieben, um sich von seiner guten Laune anstecken zu lassen.

Redaktion (Spielemagazin.de)

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Zwischen Psychedelic Pop und selbstgebauter Elektronik

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