Sam Eastgate, besser bekannt unter seinem Künstlernamen LA Priest, ist seit jeher eine der faszinierendsten Figuren in der Welt der eigenwilligen elektronischen Popmusik. Während viele Musiker auf fertige Software-Plug-ins oder Standard-Hardware setzen, baut der britische Multiinstrumentalist seine analogen Klangerzeuger am liebsten selbst. Das Ergebnis waren in der Vergangenheit oft komplexe, fast skurrile Klanglandschaften für ein spezialisiertes Nischenpublikum. Mit seinem kommenden Album „Into the Sky“ geht der Soundtüftler nun jedoch einen spürbar zugänglicheren Weg, ohne dabei seine tüftlerische Identität aufzugeben.
Reduzierte Technik und direkte Rhythmen Das neue Werk zeigt eine spürbare Weiterentwicklung im Schaffen von LA Priest. Anstatt sich in verschachtelten, verkopften Passagen zu verlieren, setzt Eastgate auf „Into the Sky“ auf mehr Helligkeit, Offenheit und eine fast schon euphorische Grundstimmung. Das ist keineswegs mit austauschbarem Club-Pop oder durchoptimierten Festival-Tracks zu vergleichen. Vielmehr präsentiert der Musiker einen sehr organischen und menschlichen Entwurf von moderner Tanzmusik, der aus purer Spielfreude und der Lust an Wiederholung und Bewegung gewachsen ist.
Interessanterweise entsteht diese neue Leichtigkeit durch eine strikte technische Selbstbeschränkung. Für die Produktion der einzelnen Stücke griff Sam Eastgate nahezu durchgängig auf dieselbe überschaubare Gerätekombination zurück: seinen selbstgebauten Polygene-Synthesizer und die hauseigene Gene Drum Machine. Was auf den ersten Blick wie ein nerdiges Experiment klingt, erweist sich beim Hörerlebnis als großer stilistischer Vorteil. Durch den Verzicht auf ständig wechselndes Equipment rücken minimale Nuancen und feine Klangverschiebungen in den Vordergrund. Ein plötzlich auftauchender Akkord, ein weit geöffneter Hallraum oder ein leicht aus dem Takt geratener Beat entfalten in diesem fokussierten Rahmen eine enorme Wirkung.
Produktionshilfe von Boys Noize Maßgeblichen Anteil an der geschärften Ästhetik hat zudem die Zusammenarbeit mit dem prominenten Produzenten Boys Noize. Der Musiker und DJ nahm den Stücken ihre überladende Dichte und schenkte den einzelnen Kompositionen spürbar mehr Luft zum Atmen. Das Ergebnis ist ein angenehm unaufgeregter, tanzbarer Sound. Tracks wie die Vorabsingle „Rayon“ oder das Titelstück „Into the Sky“ behalten zwar die charakteristische, leicht verschrobene Psychedelik früherer LA-Priest-Veröffentlichungen bei, wirken aber deutlich aufgeräumter und zielgerichteter als älteres Material.
„Into the Sky“ versucht nicht krampfhaft, die Zukunft der elektronischen Musik neu zu definieren oder zwingend tiefschürfende Bedeutung zu erzeugen. Die eigentliche Stärke des Albums liegt vielmehr in seiner unbeschwerten Haltung. In einer oft durchkalkulierten Musiklandschaft wirkt dieser Fokus auf unkomplizierten Rhythmus und melodische Leichtigkeit erfrischend direkt.
Wenn du das neue Material und die analogen Eigenbau-Instrumente von Sam Eastgate live erleben möchtest, hast du vorab im intimen Rahmen Gelegenheit dazu: Am 26. Juni spielt LA Priest eine Show im Berliner Club Monarch. Das Album „Into the Sky“ erscheint schließlich am 28. August 2026 über Domino Recording.
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