Zwischen punk-ttitüde und new-wave-kante
Schon die ersten Songs machen klar, wohin die Reise geht: schnörkelloser Punk trifft auf minimalistische New-Wave-Elemente. Tracks wie „räudige post“ oder „freedom“ sind direkt, fast schon rotzig und erinnern an eine Zeit, in der Musik noch mehr Haltung als Hochglanz war.Dabei schwingt immer dieser typische Wiener Unterton mit – ein Mix aus Schmäh, Zynismus und einer gewissen Gleichgültigkeit, die gleichzeitig charmant und distanziert wirkt. Das gibt dem Album eine eigene Note, die man so nicht oft hört.
texte mit biss – aber nicht immer treffsicher
Inhaltlich nimmt sich die Band einiges vor. Es geht um gesellschaftliche Spannungen, Generationenkonflikte und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Gerade der Titeltrack „go boomer go!“ bringt diese Haltung ziemlich gut auf den Punkt.Doch so stark die Ansätze sind, so schwankend ist die Umsetzung. Manche Zeilen treffen genau ins Schwarze, andere wirken etwas bemüht oder verlieren sich in Wiederholungen. Hier hätte ein wenig mehr Feinschliff gutgetan.
rohheit als stilmittel – und als schwäche
Die Produktion ist bewusst ungeschliffen gehalten. Das passt grundsätzlich zum Stil und unterstreicht die DIY-Attitüde der Band. Gleichzeitig sorgt genau das aber auch dafür, dass sich einige Songs schnell ähneln.Der Sound bleibt oft auf einem Level – treibend, kantig, reduziert. Das funktioniert für einzelne Tracks sehr gut, auf Albumlänge fehlt aber ein wenig die Dynamik. Ein paar ruhigere Momente oder stilistische Ausreißer hätten dem Ganzen mehr Tiefe gegeben.
highlights mit charakter
Songs wie „dunkelheit“ oder „alles ist besser als wir“ zeigen, was Post wirklich können. Hier greifen Text und Musik besser ineinander, die Atmosphäre wirkt dichter, die Aussagen klarer.Auch „es muss sich etwas ändern“ setzt zum Ende hin noch einmal ein starkes Zeichen. Der Track bringt die Grundstimmung des Albums gut zusammen und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.
zwischen haltung und wiederholung
Was „go boomer go!“ definitiv hat, ist Charakter. Die Band weiß, wofür sie steht, und zieht das konsequent durch. Das Problem ist nur: Diese Konsequenz kippt stellenweise in Monotonie.Viele Songs bewegen sich in einem ähnlichen Tempo, mit vergleichbaren Strukturen. Das sorgt dafür, dass einzelne Tracks weniger hängen bleiben, als sie eigentlich könnten.
Tracklist
- räudige post
- freedom
- dunkelheit
- eine bandnamens schuld
- schas im hemd
- alles ist besser als wir
- go boomer go!
- wiss ma ned
- umzingelt (remix)
- warum!
- wollten wir nicht!
- es muss sich etwas ändern



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