Das Album erscheint über Awe Records und umfasst lediglich fünf Stücke. Das bedeutet bei The Machine allerdings keineswegs, dass Dir eine halbe EP serviert wird. Die Band nutzt ihre Songs vielmehr als Räume, in denen sich Riffs entwickeln, wieder verschwinden und später in veränderter Form zurückkehren können.
Dabei besitzen The Machine inzwischen genügend Erfahrung, um nicht jede Idee zwanghaft auszuspielen. Another Sun klingt deshalb trotz seiner psychedelischen Grundhaltung kontrollierter als manches frühere Material.
The Machine brauchen keine zwanzig Songs. Fünf Stücke reichen völlig, wenn darin genügend Platz für eine komplette psychedelische Reise steckt.
Drop/See öffnet die Tür
Drop/See führt Dich ohne überflüssige Einleitung in diese Welt hinein. Die Gitarren besitzen diesen warmen, leicht verschwommenen Klang, den man beinahe körperlich wahrnimmt. Gleichzeitig entwickelt die Rhythmussektion genügend Druck, damit sich die Musik nicht vollständig im psychedelischen Nebel verliert.Genau dieses Spannungsfeld gehört zu den großen Stärken von Another Sun. The Machine können minutenlang hypnotische Figuren wiederholen, ohne dabei völlig auf Dynamik zu verzichten. Kleine Veränderungen in Schlagzeug, Bass und Gitarren reichen häufig aus, um einen Abschnitt plötzlich in eine andere Richtung kippen zu lassen.
Evolver trägt seine Entwicklung bereits im Namen. Der Song arbeitet weniger mit klassischen Strophe-Refrain-Strukturen als mit einem stetigen Wandel. Ein Motiv entsteht, wird größer, verändert seine Form und führt schließlich zum nächsten Abschnitt. Wer Musik gerne nebenbei laufen lässt, könnte solche Feinheiten leicht überhören. Mit Kopfhörern wird dagegen deutlich, wie sorgfältig The Machine ihre Klangflächen aufbauen.
Auf der Suche nach Gelb
In Search of Yellow ist schon aufgrund seines Titels ein wunderbar psychedelisches Versprechen. Und tatsächlich gehört das Stück zu den atmosphärischsten Momenten des Albums. Hier wird deutlich, warum Heavy Psych mehr sein kann als verzerrte Gitarren und möglichst viel Hall.The Machine lassen sich Zeit. Das ist wichtig, denn Another Sun funktioniert nicht nach den Regeln moderner Streaming-Playlists. Es gibt keinen Zwang, nach zwanzig Sekunden bereits den großen Refrain zu liefern. Stattdessen darf ein Groove entstehen und sich langsam festsetzen.
Das kann zunächst fast unspektakulär wirken. Nach mehreren Durchläufen beginnen sich allerdings immer mehr Details aus dem scheinbaren Nebel zu lösen.
Another Sun belohnt nicht den ungeduldigen Hörer. Die Platte wird besser, je länger Du bereit bist, Dich in ihren Klang hineinziehen zu lassen.
Die Sonne verschlucken
Swallow the Sun bringt anschließend wieder mehr Gewicht ins Spiel. Die Gitarren werden schwerer und das Fundament massiver, ohne dass The Machine plötzlich in klassischen Doom Metal wechseln würden. Vielmehr entsteht dieses typische Wechselspiel aus Schwere und Schwebezustand, das die Niederländer seit Jahren auszeichnet.Gerade hier zeigt sich auch die Stärke der Produktion. Another Sun klingt nicht übermäßig glatt. Gitarren dürfen rauschen und Verstärker dürfen nach Verstärkern klingen. Gleichzeitig ist das Klangbild klar genug, damit Bass und Schlagzeug nicht einfach unter einer Wand aus Verzerrung verschwinden.
Das ist gerade bei dieser Art Musik entscheidend. Heavy Psych verliert schnell an Wirkung, wenn sämtliche Frequenzen gleichzeitig um Aufmerksamkeit kämpfen. The Machine geben ihren Instrumenten genügend Platz.
Echo Through übernimmt schließlich die Rolle des Abschlusses. Und statt noch einmal zwanghaft einen großen Höhepunkt zu konstruieren, lässt die Band das Album eher auslaufen. Nach der kompakten Trackzahl fühlt sich das erstaunlich passend an. Another Sun wirkt dadurch weniger wie eine Sammlung einzelner Stücke als wie eine zusammenhängende Session mit fünf klar voneinander unterscheidbaren Stationen.
Keine Revolution - aber eine verdammt gute Reise
Natürlich erfinden The Machine auf Another Sun weder Stoner Rock noch Heavy Psych neu. Wer bereits Bands aus diesem Umfeld hört, wird viele Elemente sofort wiedererkennen: Fuzz-Gitarren, repetitive Grooves, psychedelische Klangflächen und die bewusste Abkehr vom klassischen Popsong.Das Album lebt deshalb weniger von Überraschungen als von seiner Ausführung.
Und die ist ziemlich stark. Besonders das Zusammenspiel der Band wirkt selbstverständlich. Es entsteht selten der Eindruck, dass einzelne Musiker unbedingt zeigen möchten, was sie technisch beherrschen. Selbst längere instrumentale Passagen dienen dem Song und der Atmosphäre.
Das bedeutet allerdings auch, dass Another Sun etwas Geduld verlangt. Wer nach kurzen, prägnanten Rocknummern sucht, wird hier kaum glücklich. Manche Passagen drehen bewusst mehrere Runden um dasselbe Motiv, bevor sich etwas verändert. Gerade beim ersten Durchlauf können einzelne Abschnitte dadurch länger wirken, als sie eigentlich sind.
Wenn Du Dich darauf einlässt, entwickelt das Album jedoch einen enormen Sog. The Machine verstehen sehr gut, wie man Wiederholung nicht als Stillstand, sondern als hypnotisches Werkzeug einsetzt.
Vielleicht ist Another Sun deshalb vor allem ein Album für Situationen, in denen Musik einmal nicht um Deine Aufmerksamkeit kämpfen muss. Kopfhörer auf, andere Dinge ausblenden und der Band einfach folgen.
Dann funktionieren diese fünf Stücke ausgesprochen gut.
Another Sun ist kein Album für den schnellen musikalischen Snack. The Machine bauen eine Klanglandschaft, in der man sich erst einmal verirren muss, bevor sie ihre ganze Wirkung entfaltet.
Tracklist
- Drop/See
- Evolver
- In Search of Yellow
- Swallow the Sun
- Echo Through




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