Sickmind - Babel Tower Review

Groove Death Metal vor den Ruinen einer untergehenden Zivilisation



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Wenn eine Band ihr Album Babel Tower nennt, ein apokalyptisches Cover wählt und Songs mit Titeln wie Dry Earth, New God oder The Last Wandering daraufpackt, solltest Du vermutlich kein besonders sonniges Hörerlebnis erwarten. Sickmind machen daraus auch gar kein Geheimnis. Das französische Quartett aus Bordeaux bewegt sich auf seinem neuen Album tief in einer dystopischen Welt aus gesellschaftlichem Zerfall, Umweltkatastrophen und menschlicher Selbstzerstörung. Musikalisch übersetzt die Band diese Szenarien in Groove Death Metal, der vor allem eines möchte: Druck erzeugen.

Ganz neu sind die beteiligten Musiker dabei keineswegs. Sickmind ging aus der bereits 2008 gegründeten Formation Silicium hervor und markiert gewissermaßen einen Neustart. Nach einem EP im Jahr 2024 und zahlreichen Konzerten in Frankreich, Spanien, Portugal und England folgt mit Babel Tower nun der entscheidende nächste Schritt.

Das Album umfasst zehn Stücke und kommt auf rund 44 Minuten Spielzeit. Genug Zeit also, um eine eigene Klangwelt aufzubauen, aber glücklicherweise nicht genug, um die grundsätzlich sehr massive musikalische Formel unnötig auszuwalzen.
Babel Tower klingt nach einer Zivilisation kurz vor dem Zusammenbruch - schwer, bedrohlich und trotzdem erstaunlich kontrolliert.

Gorod hilft beim Abriss

Schon die ersten beiden Songs bekommen prominente Unterstützung. While The Lights Are Still Shut eröffnet das Album mit Nicolas Alberny von Gorod, während auf The Chaos Beneath Our Feet dessen Bandkollege Julien 'Nutz' Deyres zu hören ist. Gerade diese beiden Stücke zeigen früh, dass Sickmind nicht ausschließlich stumpfe Härte suchen. Hinter dem massiven Grundgerüst stecken immer wieder technische Details und rhythmische Verschiebungen, die dem Material zusätzliche Tiefe geben.

Dark Code führt anschließend stärker in die eigentliche Welt des Albums hinein. Gitarren und Rhythmusgruppe arbeiten ausgesprochen kompakt zusammen, während Arthur Nouhauds Gesang über allem liegt und die ohnehin bedrohliche Atmosphäre weiter verdichtet. Sickmind verlassen sich dabei weniger auf Geschwindigkeit als auf Gewicht. Wenn die Band einen Groove gefunden hat, darf dieser ruhig einige Augenblicke wirken.

Dry Earth gehört zu den Stücken, bei denen Konzept und Musik besonders gut ineinandergreifen. Inhaltlich zeichnet der Song das Bild einer durch Umweltzerstörung verwüsteten Welt, in der die Menschheit letztlich mit den Folgen ihrer eigenen Entscheidungen konfrontiert wird. Die schweren Riffs passen dazu hervorragend. Das Stück walzt, stoppt, beschleunigt wieder und vermittelt tatsächlich etwas von jener Unausweichlichkeit, die das Szenario verlangt.

Ein neuer Gott für eine kaputte Welt

Mit New God folgt einer der unmittelbarsten Songs des Albums. Hier zeigt sich besonders deutlich, warum die Bezeichnung Groove Death Metal ziemlich gut passt. Sickmind wollen nicht permanent beweisen, wie schnell oder kompliziert sie spielen können. Stattdessen entstehen viele der wirkungsvollsten Passagen aus vergleichsweise einfachen, dafür enorm druckvollen rhythmischen Figuren.

Shedding Skin setzt diesen Weg fort, bevor Humaless das Album tiefer in seine düstere zweite Hälfte führt. Gerade hier macht sich allerdings auch eine Schwäche bemerkbar: Die durchgehend schwere Atmosphäre sorgt zwar für Geschlossenheit, lässt einzelne Stücke beim ersten Durchlauf aber etwas ineinanderlaufen. Ein paar stärkere Kontraste oder überraschende Ruhepunkte hätten Babel Tower an dieser Stelle gutgetan.

Das ist allerdings Jammern auf vergleichsweise hohem Niveau. Maxime Rogets Gitarrenarbeit besitzt genug Variationen, um nicht in bloßes Riff-Recycling abzurutschen, Thomas Darracq am Bass und Antoine Fourre am Schlagzeug liefern ein ausgesprochen stabiles Fundament und Nouhauds Vocals passen hervorragend zur dystopischen Grundstimmung.
Sickmind sind am stärksten, wenn sie nicht einfach nur härter spielen, sondern ihren schweren Groove wie eine Maschine langsam in Bewegung setzen.

Der Turm beginnt zu fallen

Der Titelsong Babel Tower gehört zu den interessantesten Momenten der Platte. Hier treten progressive Elemente deutlicher hervor und die Band erlaubt sich innerhalb ihres grundsätzlich sehr direkten Sounds mehr Bewegung. Das Motiv des Turmbaus funktioniert dabei hervorragend als Symbol für das gesamte Album: Eine Zivilisation baut immer weiter, hält sich für unantastbar und erkennt erst viel zu spät, dass ihr Fundament längst bröckelt.

Moving Limbs wirkt danach beinahe wie das Nachbeben, bevor The Last Wandering das Album beendet. Sickmind wählen dabei keinen versöhnlichen Ausstieg. Die Welt von Babel Tower bleibt beschädigt, und genau das passt zur konsequenten Ausrichtung dieser Platte.

Natürlich erfinden Sickmind den Groove Death Metal nicht neu. Einflüsse aus modernem Death Metal, Groove Metal und technischeren Spielarten sind deutlich zu erkennen, und wer sich regelmäßig in diesem Bereich bewegt, wird viele Zutaten kennen. Entscheidend ist aber, was die Franzosen daraus machen. Babel Tower wirkt nicht wie eine lose Sammlung möglichst harter Songs, sondern besitzt eine erkennbare Identität.

Besonders positiv fällt die Produktion auf. Gitarren dürfen massiv sein, ohne sämtliche Details zu verschlucken, das Schlagzeug besitzt genügend Punch und der Bass verschwindet nicht vollständig hinter den übrigen Instrumenten. Dadurch behält das Album selbst in seinen dichtesten Momenten Kontur.

Sickmind befinden sich mit Babel Tower also an einem interessanten Punkt. Die Band hat ihren Sound gefunden, ohne ihn bereits vollständig ausgereizt zu haben. Noch etwas mehr Mut zu Kontrasten und ein oder zwei wirklich unerwartete Momente könnten aus dem nächsten Album etwas Besonderes machen. Für den Neustart unter neuem Namen ist diese Platte aber ein ziemlich überzeugendes Statement.
Babel Tower ist keine Revolution des Death Metal, sondern ein verdammt massiver Grundstein für das, was Sickmind daraus noch bauen können.

Tracklist

  1. While The Lights Are Still Shut (feat. Nicolas Alberny)
  2. The Chaos Beneath Our Feet (feat. Julien 'Nutz' Deyres)
  3. Dark Code
  4. Dry Earth
  5. New God
  6. Shedding Skin
  7. Humaless
  8. Babel Tower
  9. Moving Limbs
  10. The Last Wandering

FAZIT

Babel Tower ist ein überzeugendes Groove-Death-Metal-Album mit mächtigen Riffs, druckvoller Produktion und einer konsequent durchgezogenen dystopischen Atmosphäre. Sickmind profitieren dabei von einer starken Rhythmusarbeit und den Gastbeiträgen der Gorod-Musiker Nicolas Alberny und Julien 'Nutz' Deyres. Nicht jeder der zehn Songs besitzt sofort eine unverwechselbare Identität und etwas mehr Dynamik zwischen den massiven Passagen hätte dem Album gutgetan. Trotzdem liefert die französische Band ein erstaunlich geschlossenes Werk ab, das Lust darauf macht, ihre weitere Entwicklung zu verfolgen.

Captain (Spielemagazin.de)

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Groove Death Metal vor den Ruinen einer untergehenden Zivilisation

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