Dabei ist „OurHome“ keineswegs eine Rückwärtsbewegung. Vielmehr klingt es wie die Rückkehr zu einem vertrauten Ausgangspunkt, von dem aus wieder in alle möglichen Richtungen gereist werden darf.
Zwei Gitarren brauchen keine Worte
Nach den stärker elektrischen Klangwelten von „In Between Thoughts...A New World“ rücken auf „OurHome“ akustische Instrumente wieder deutlich ins Zentrum. Und tatsächlich braucht es nicht lange, bis diese besondere Chemie zwischen Sánchez und Quintero wieder ihre Wirkung entfaltet.Rhythmus und Melodie werden dabei nicht sauber voneinander getrennt. Die Gitarren übernehmen ständig wechselnde Rollen, werden zum Schlagzeug, zur Begleitung und zur Leadstimme. Gerade Gabriela Quinteros perkussive Spielweise sorgt immer wieder für einen erstaunlichen Druck. Dass zwei akustische Gitarren derart viel Energie erzeugen können, bleibt auch nach all den Jahren faszinierend.
Japan hinterlässt hörbare Spuren
„OurHome“ wurde im NK Sound Tokyo aufgenommen, und Japan ist weit mehr als eine Kulisse für die Entstehung. Das Land zieht sich als Inspiration durch das gesamte Werk. Manga, Mythologie, Natur, Spiritualität und persönliche Erfahrungen fließen in die musikalische Sprache ein, ohne dass daraus eine oberflächliche Aneinanderreihung exotischer Motive wird.Das funktioniert auch deshalb so gut, weil Rodrigo y Gabriela ihren eigenen Charakter niemals aufgeben. Japan erweitert ihre musikalische Welt, ersetzt sie aber nicht.
Unterstützung bekommen sie dabei von bemerkenswerten Gästen. Der ehemalige Megadeth-Gitarrist Marty Friedman gehört ebenso dazu wie Jazzpianistin Hiromi, Cellistin Hiyori Okuda und Yukihiro Atsumi. Trotzdem wirkt „OurHome“ nie wie eine Ansammlung prominenter Gastauftritte. Alles bleibt dem Gesamtbild untergeordnet.
Virtuosität ohne permanente Selbstdarstellung
Natürlich könnten Rodrigo y Gabriela jederzeit demonstrieren, wie absurd gut sie ihre Instrumente beherrschen. Das Erfreuliche an „OurHome“ ist jedoch, dass sie genau daraus keinen Selbstzweck machen.Technische Brillanz gibt es reichlich, doch sie steht im Dienst der Musik. Rasante Passagen wechseln mit ruhigen, beinahe meditativen Momenten. Melodien dürfen atmen, bevor das Duo wieder Fahrt aufnimmt. Gerade dadurch wirkt das Album wesentlich emotionaler als eine bloße Leistungsschau zweier Ausnahmegitarristen.
Ein Album mit erstaunlicher emotionaler Tiefe
Hinter dieser Leichtigkeit steckt zudem eine sehr persönliche Geschichte. Ein wichtiger Impuls für das Album entstand nach dem Tod der Studiokatze Pelusa. Aus einer Phase, in der sich das Komponieren erzwungen angefühlt hatte, entwickelte sich plötzlich wieder ein natürlicher kreativer Fluss.Dieses Gefühl hört man „OurHome“ an. Die Musik wirkt selten konstruiert, sondern erstaunlich intuitiv. Mal verspielt und temperamentvoll, dann wieder nachdenklich und beinahe zerbrechlich, bleibt sie ständig in Bewegung.
Der Begriff Heimat bekommt dabei eine schöne zweite Ebene. Es geht weniger um einen konkreten Ort als um jenen inneren Zustand, in dem man nicht permanent nach Bestätigung von außen sucht. Für ein Instrumentalalbum ist das ein erstaunlich greifbares Thema.
Hervorragend produziert und voller Dynamik
Auch klanglich macht das Album richtig Freude. Die Eigenproduktion des Duos wurde von Dave Sardy gemischt und von Stephen Marcussen gemastert. Das Ergebnis klingt warm, räumlich und wunderbar dynamisch. Anschläge besitzen Körper, perkussive Elemente haben Druck und gleichzeitig bleiben selbst feinste Details hörbar.Vor allem aber wurde der Musik nicht ihre Natürlichkeit genommen. „OurHome“ klingt hochwertig, aber eben nicht klinisch perfekt.
Eine Reise, die man gerne mehrfach antritt
Mit elf Stücken und einer durchaus großzügigen Laufzeit nimmt sich „OurHome“ genügend Raum. Nicht jede Passage besitzt dieselbe unmittelbare Wirkung, und gelegentlich verliert sich das Duo ein wenig in seiner eigenen Klangwelt. Doch selbst diese Momente haben ihren Reiz.Denn dieses Album möchte nicht möglichst schnell zum nächsten Refrain gelangen. Es möchte erzählen. Wer sich darauf einlässt, entdeckt bei weiteren Durchläufen immer neue Details.
- OurHome
- Somos Como Tú
- Akatsuki
- Flying Underground
- Quicksand
- Monster
- Astrum In Corpore
- Is In Your Pocket
- MADitation
- Hinomaru Twins
- Simurgh



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