Graveyard - Fever Review

Fuzz, Blues und schwere Grooves: Graveyard drehen auf ihrem siebten Album die Temperatur hoch



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Drei Jahre nach Six melden sich Graveyard mit einem Album zurück, das schon mit seinem Titel ziemlich genau verrät, wohin die Reise geht. Fever klingt heißer, direkter und angriffslustiger als sein eher nachdenklicher Vorgänger. Die Schweden aus Göteborg verzichten diesmal bewusst auf einen externen Produzenten und konzentrieren sich darauf, ihre eigene Vorstellung von schwerem, bluesgetränktem Rock möglichst unverfälscht einzufangen. Das Ergebnis erscheint am 9. Oktober 2026 über Nuclear Blast Records und ist bereits das siebte Studioalbum einer Band, die seit ihrer Gründung 2006 erstaunlich konsequent ihren eigenen Weg verfolgt.

Graveyard drehen die Verstärker wieder auf

Schon Back From The Grave macht deutlich, dass Fever keine behutsame Fortsetzung von Six werden möchte. Das Riff schleppt sich mit mächtigem Gewicht durch den Song, die Verzerrung knarzt herrlich und über allem liegt jener Geist des frühen Heavy Rock, den Graveyard seit jeher mit einer deutlich bluesigeren Note verbinden. Natürlich darf man dabei an Black Sabbath denken, doch Graveyard kopieren ihre Vorbilder nicht einfach. Dafür besitzt die Band längst zu viel eigene Persönlichkeit.
Fever klingt nach einer Band, die keine Lust auf Umwege hat: Verstärker an, Fuzz aufdrehen und los.
Genau diese Direktheit zieht sich durch große Teile des Albums. Tongue Tied legt energisch nach und zeigt Graveyard von ihrer geradlinigeren Seite. A Better Cut (Note To Self) nimmt den Fuß etwas vom Gas, ohne den Grundcharakter des Albums aufzugeben, während Year Of The Horse erneut dieses angenehm erdige Gefühl vermittelt, das moderne Produktion und bewusst altmodische Rockästhetik zusammenbringt.

Zwischen Black Sabbath, Blues und schwedischem Heavy Rock

Interessant ist dabei, dass Fever trotz seiner Härte nicht einfach nur schwerer geworden ist. Graveyard behalten jene bluesige Seele, die spätestens seit Hisingen Blues zu ihrem Markenzeichen gehört. Genau dadurch funktioniert die Platte auch jenseits ihrer offensichtlichsten Riffs. A Means To An End beispielsweise marschiert mit ordentlich Druck nach vorne und gehört zu den unmittelbarsten Nummern des Albums. Das ist Rockmusik, die gar nicht erst lange darüber diskutiert, ob sie cool sein möchte.

Time To Tell zeigt dagegen eine andere Facette. Hier schwingt stärker der klassische amerikanische Roots- und Bluesrock mit, ohne dass Graveyard plötzlich ihre schwedische Identität verlieren würden. Es ist diese Mischung, die Fever interessant hält: Mal riecht es nach dunklem Proberaum und heißgelaufenen Röhrenverstärkern, dann öffnet sich das Album wieder und lässt mehr Melodie und Atmosphäre hinein.
Die Stärke von Graveyard liegt weiterhin darin, dass ihre Musik nach vergangenen Jahrzehnten klingt, ohne sich wie ein Museumsbesuch anzufühlen.
Für den Mix zeichnet Pelle Gunnerfeldt verantwortlich, dessen Gespür für unmittelbare Rockproduktionen Fever ausgesprochen gutsteht. Statt sämtliche Ecken glattzuschleifen, darf das Album rau bleiben. Gitarren dürfen kratzen, das Schlagzeug darf drücken und die gesamte Produktion besitzt genügend Schmutz, um der Musik Glaubwürdigkeit zu geben. Das Mastering übernahm Robin Schmidt bei 24-96 Mastering.

Direkter als Six, aber nicht automatisch stärker

Don't Shoot! und Room Tempered halten die Energie in der zweiten Albumhälfte hoch. Besonders Room Tempered ist ein gutes Beispiel für den Ansatz der Platte: geradlinig, schwer und ohne unnötigen Zierrat. Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch eine kleine Schwäche von Fever. Nicht jeder dieser direkten Rocker besitzt ein Motiv oder einen Refrain, der sich dauerhaft festsetzt. Die Band klingt durchgehend überzeugend, doch einzelne Songs verschwimmen im Gesamtbild stärker, als man es sich wünschen würde.

Das ist letztlich der Unterschied zwischen einem guten Graveyard-Album und einem ihrer ganz großen Momente. Fever besitzt enorm viel Atmosphäre, Spielfreude und Charakter, erreicht aber nicht durchgehend jene zwingende Qualität, mit der Hisingen Blues seinerzeit einen Nerv traf. Dafür ist das neue Material vielleicht auch etwas zu sehr auf unmittelbare Wirkung ausgerichtet.

Das schmälert den Spaß allerdings nur begrenzt. Denn sobald die Rhythmusgruppe einen schweren Groove anschiebt und die Gitarren wieder zu knarzen beginnen, funktioniert Fever verdammt gut. Vor allem Fans dürften sich darüber freuen, dass Graveyard nach der introvertierteren Stimmung von Six wieder offensiver auftreten.

Dead Note lässt das Fieber langsam ausklingen

Mit Dead Note gönnen sich Graveyard schließlich fast sieben Minuten für den Abschluss. Hier kehrt stärker jene bluesgetränkte Melancholie zurück, die zu den großen Qualitäten der Band gehört. Nach den teilweise überraschend direkten Songs zuvor darf Fever noch einmal atmen. Das sorgt für einen stimmigen Kontrast und verhindert, dass das Album einfach mit einem weiteren geradlinigen Rocksong endet.
Fever ist dann am besten, wenn Graveyard Härte und Blues nicht gegeneinander ausspielen, sondern beides zu ihrem unverwechselbaren, staubigen Heavy-Rock-Sound verschmelzen.
Mit neun Stücken bleibt Fever angenehm kompakt. Graveyard wollen hier keine Neuerfindung ihrer selbst präsentieren, sondern verdichten das, was die Band seit Jahren auszeichnet. Das Artwork von Maarten Donders passt mit seiner auffälligen Gestaltung gut zu dieser neuen Direktheit und setzt auch optisch einen bewussten Kontrast zum zurückhaltenderen Six.

Tracklist

  1. Back From The Grave
  2. Tongue Tied
  3. A Better Cut (Note To Self)
  4. Year Of The Horse
  5. A Means To An End
  6. Time To Tell
  7. Don't Shoot!
  8. Room Tempered
  9. Dead Note

FAZIT

Fever ist ein gutes, angenehm direktes Graveyard-Album, das nach dem zurückhaltenderen Six wieder deutlich kräftiger zupackt. Fuzzige Gitarren, schwere Grooves und die bluesige Grundierung ergeben einen Sound, den Du schon nach wenigen Takten der Band zuordnen kannst. Besonders Back From The Grave, A Means To An End und das ausgedehnte Dead Note zeigen die verschiedenen Stärken der Schweden. Ganz an die herausragenden Momente ihrer Diskografie reicht Fever allerdings nicht heran. Dafür bleiben einige der geradlinigeren Stücke kompositorisch etwas zu unscheinbar und es fehlen vereinzelt jene Melodien, die sich sofort festsetzen. Fans bekommen dennoch genau jene Mischung aus Blues, Psychedelic Rock und schwerem Vintage-Sound, für die Graveyard seit Jahren geschätzt werden. Ein charakterstarkes Album mit ordentlich Druck, aber eben kein neuer Meilenstein.

Danilo (Spielemagazin.de)

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Spielemagazin-Wertung: 78%
Fuzz, Blues und schwere Grooves: Graveyard drehen auf ihrem siebten Album die Temperatur hoch

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