Madball - Not Your Kingdom Review

New Yorker Hardcore mit Wucht, Haltung und ungebrochener Glaubwürdigkeit



Madball - Not Your Kingdom Review Bild Madball - Not Your Kingdom Review Screenshot Madball - Not Your Kingdom Review Foto
Foto: Dave Causa. Mehr zum Thema Transparenz.

Acht Jahre sind seit For the Cause vergangen, doch nach einer vorsichtigen Rückkehr klingt Not Your Kingdom keine Sekunde. Auf ihrem zehnten Studioalbum treten Madball so entschlossen auf, als hätten sie New York Hardcore gerade erst für sich entdeckt. Die Band setzt weiterhin auf brachiale Gitarren, drückende Grooves und Freddy Criciens unverwechselbar rauen Gesang, erweitert ihre vertraute Formel aber um genügend kleine Veränderungen, damit die Platte nicht wie eine nostalgische Pflichtübung wirkt.

Mit knapp 30 Minuten fällt das Album erfreulich kompakt aus. Madball verlieren keine Zeit mit langen Einleitungen oder künstlich aufgeblähten Arrangements. Die Musik soll unmittelbar treffen, Bewegung erzeugen und zugleich Criciens Botschaften transportieren. Genau daraus entsteht ein Albumgefühl, das gleichermaßen aggressiv, konzentriert und erstaunlich lebendig wirkt.

New York Hardcore zwischen Tradition und Gegenwart

Madball gehören seit Jahrzehnten zu den prägenden Namen des New York Hardcore. Diese Geschichte ist auf Not Your Kingdom jederzeit präsent, wird aber nicht wie eine Auszeichnung vor der Brust getragen. Die Band nutzt ihre Erfahrung vielmehr als solides Fundament. Harte Riffs, kurze Ausbrüche, massive Breakdowns und ein ausgeprägtes Gefühl für Groove greifen so selbstverständlich ineinander, dass kaum ein Moment konstruiert erscheint.

Dabei verbindet die Platte unterschiedliche Generationen des Hardcore. Ältere Fans erhalten jene kompromisslose Direktheit, für die Madball bekannt sind. Gleichzeitig klingt die Produktion modern, klar und druckvoll genug, um auch neben jüngeren Bands bestehen zu können. Die Ecken wurden nicht vollständig abgeschliffen, doch der Klang besitzt mehr Kontrolle und Transparenz als manche frühere Aufnahme der Band.

Diese Zugänglichkeit nimmt der Musik gelegentlich etwas von ihrer ursprünglichen Gefahr. Not Your Kingdom wirkt präzise und kraftvoll, aber nicht durchgehend unberechenbar. Madball verlassen sich spürbar darauf, dass ihre bewährte Verbindung aus Rhythmus, Wut und Gemeinschaftsgefühl weiterhin funktioniert. Meistens ist dieses Vertrauen berechtigt.

Die Produktion aus Nashville setzt auf Druck und Klarheit

Aufgenommen wurde Not Your Kingdom nicht in New York, sondern in Nashville. Gemeinsam mit Produzent Andrew Baylis suchte die Band dort nach einem Sound, der ihre traditionelle Identität bewahrt und dennoch zeitgemäß wirkt. Das Ergebnis besitzt enorme körperliche Präsenz. Gitarren, Bass und Schlagzeug drücken geschlossen nach vorne, ohne zu einer undurchsichtigen Klangwand zu verschmelzen.

Besonders wichtig ist dabei der Groove. Madball waren nie ausschließlich eine Band der Geschwindigkeit. Ihre Musik lebt mindestens ebenso stark von rhythmischen Verschiebungen, schweren Zwischenräumen und jenem kurzen Moment vor einem Breakdown, in dem sich die gesamte Spannung entlädt. Not Your Kingdom versteht dieses Prinzip sehr genau und liefert zahlreiche Passagen, die geradezu für einen vollen Club oder einen aufgewühlten Moshpit geschrieben scheinen.

Kurze Zwischenspiele lockern den Ablauf auf und sorgen dafür, dass die Platte trotz ihrer konsequenten Härte nicht vollkommen gleichförmig erscheint. Dennoch bleibt das Klangbild eng umrissen. Wer mit New York Hardcore grundsätzlich wenig anfangen kann, wird durch dieses Album vermutlich nicht plötzlich bekehrt. Madball möchten ihre musikalische Sprache nicht neu erfinden, sondern sie mit Nachdruck in die Gegenwart übertragen.

Freddy Cricien richtet den Blick auf eine zerrissene Welt

Inhaltlich beschäftigt sich Freddy Cricien weiterhin mit Widerstand, Loyalität, Familie und persönlicher Verantwortung. Gleichzeitig blickt er ausgesprochen kritisch auf politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen. Der Albumtitel entspringt der Vorstellung, dass selbst diejenigen, die scheinbar über die Schlüssel zur Macht verfügen, nicht zwangsläufig über das gesamte System bestimmen.

Diese Haltung wird nicht in komplizierte Bilder gekleidet. Cricien formuliert direkt, manchmal anklagend und gelegentlich beinahe wie in einer Ansprache an die eigene Gemeinschaft. Die Texte handeln von Menschen, die sich nicht widerstandslos in vorgegebene Strukturen einfügen wollen. Sie erinnern daran, dass Rebellion mehr sein sollte als eine modische Pose oder ein digitales Bekenntnis.

Daneben bleibt die eigene Vergangenheit ein wichtiger Bestandteil des Albums. Erlebnisse, die Cricien und sein Umfeld geprägt haben, werden nicht romantisiert, sondern als Grundlage für Widerstandsfähigkeit betrachtet. Diese Mischung aus gesellschaftlicher Ernüchterung und persönlichem Überlebenswillen verleiht Not Your Kingdom seine emotionale Geschlossenheit.

Nicht jede Botschaft besitzt dabei dieselbe Tiefe. Einige Aussagen bleiben bewusst einfach und funktionieren eher als gemeinschaftlich gerufene Parolen denn als differenzierte Betrachtung. Im Hardcore-Kontext ist das allerdings weniger ein Mangel als Teil der gewählten Ausdrucksform. Madball suchen keine akademische Debatte, sondern eine unmittelbare Reaktion.

Eine veränderte Besetzung bewahrt den Kern der Band

Das Album markiert zugleich eine wichtige personelle Veränderung. Der langjährige Bassist Hoya Roc ist nicht mehr Teil der Besetzung. Paul Delaney, bekannt unter anderem durch Kill Your Idols und Black Anvil, übernimmt den Bass und soll diese Position künftig dauerhaft ausfüllen. Da er bereits seit längerer Zeit zum erweiterten Umfeld der Band gehört, wirkt der Übergang organischer, als ein solcher Wechsel zunächst vermuten lässt.

Gitarrist Mike Gurnari und Schlagzeuger Mike Justian sind ebenfalls längst keine Neulinge mehr. Gemeinsam mit Cricien formen sie eine Besetzung, die den bekannten Charakter von Madball bewahrt und zugleich geschlossen genug klingt, um ein neues Kapitel einzuleiten. Vor allem das Zusammenspiel der Rhythmusgruppe trägt erheblich zum massiven Eindruck des Albums bei.

Nach Aussage der Band verlief das Songwriting ohne größere Ego-Konflikte oder unnötiges Überdenken. Dieses Gefühl überträgt sich tatsächlich auf die Platte. Not Your Kingdom wirkt spontan, aber nicht nachlässig, fokussiert, aber nicht steril. Die Songs scheinen aus einem gemeinsamen Verständnis dafür entstanden zu sein, was Madball im Jahr 2026 ausmachen sollen.

Knapp, kompromisslos und für die Bühne geschaffen

Mit seinen 14 Titeln und einer Laufzeit von weniger als einer halben Stunde zieht Not Your Kingdom schnell vorbei. Mehrere ausgesprochen kurze Stücke fungieren eher als Übergänge oder konzentrierte Energieausbrüche. Dadurch bleibt das Tempo hoch, gleichzeitig können einzelne Ideen kaum eine größere Entwicklung entfalten.

Gerade diese Kürze passt jedoch zum Charakter des Albums. Madball setzen auf Wirkung statt Umfang. Kaum ein Moment bleibt länger bestehen, als es für Riff, Botschaft und körperliche Reaktion notwendig ist. Die Platte fühlt sich deshalb eher wie ein intensiver Auftritt als wie eine ausladende Studioproduktion an.

Ein wenig mehr stilistische Reibung hätte dem Gesamtwerk dennoch gutgetan. Die angekündigten Wendungen sind vorhanden, verändern den grundlegenden Kurs aber nur behutsam. Auf Dauer ähneln sich einige rhythmische Muster und Spannungsaufbauten. Dafür bleibt das Album frei von deutlichem Füllmaterial und endet, bevor sich seine kompromisslose Gangart abnutzen kann.

Madball bleiben sich treu, ohne stehen zu bleiben

Not Your Kingdom bestätigt, warum Madball auch nach mehreren Jahrzehnten eine zentrale Stellung im Hardcore besitzen. Die Band muss ihre Glaubwürdigkeit nicht mehr beweisen, verlässt sich aber ebenso wenig ausschließlich auf ihren Namen. Das zehnte Studioalbum klingt engagiert, geschlossen und vor allem aufrichtig.

Die Neuerfindung, von der Freddy Cricien spricht, fällt eher behutsam aus. Madball verändern nicht ihre musikalische Identität, sondern justieren deren Ausdruck. Der Klang ist moderner, die Besetzung neu aufgestellt und der Blick stärker auf die heutige gesellschaftliche Lage gerichtet. Im Kern bleiben jedoch Groove, Gemeinschaft, Widerstand und persönliche Integrität entscheidend.

Damit ist Not Your Kingdom kein revolutionäres Hardcore-Album, aber ein überzeugendes Lebenszeichen einer Band, die ihre Vergangenheit versteht und weiterhin etwas zu sagen hat. Madball klingen nicht wie Veteranen, die ihren früheren Erfolgen hinterherlaufen. Sie klingen wie eine Gruppe, die noch immer genau weiß, weshalb sie diese Musik spielt.

Tracklist

  1. Tethered
  2. Flammable
  3. Rebelude
  4. Rebel Kids
  5. Don't MisStep
  6. What Say You
  7. Stab Wounds
  8. Sunrise
  9. Life's a Mural
  10. Family First
  11. Clockwork
  12. IWI
  13. The Ride
  14. Chase a Dream

FAZIT

Not Your Kingdom ist ein kompaktes und kraftvolles Hardcore-Album, das Madballs traditionelle Stärken überzeugend in die Gegenwart überträgt. Die druckvolle Produktion, Freddy Criciens ungebrochene Leidenschaft und der ausgeprägte Groove verleihen der Platte enorme körperliche Energie. Einige Strukturen wirken vertraut und die angekündigte Neuerfindung bleibt eher eine behutsame Weiterentwicklung. Dank seiner Konzentration, Aufrichtigkeit und kurzen Laufzeit entwickelt das zehnte Madball-Album dennoch eine Wirkung, die weit über bloße Nostalgie hinausgeht.

Toobi (Spielemagazin.de)

Wie wir bewerten. Mehr zum Thema Transparenz.

Spielemagazin-Wertung: 82%
New Yorker Hardcore mit Wucht, Haltung und ungebrochener Glaubwürdigkeit

Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten, die mit gekennzeichnet sind. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Für dich ändert sich dadurch nichts, auch nicht am Preis, aber du unterstützt damit dieses Projekt. Dieser Beitrag wurde mithilfe generativer KI erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr zum Thema Transparenz.

Dies wird dich interessieren...
Madball kündigen zehntes Album Not Your Kingdom an

Die New-York-Hardcore-Legenden melden sich im Juli mit neuer Musik zurück.



Dimmu Borgir - Grand Serpent Rising

Ein mächtiges Comeback mit alter Angriffslust, großer Klasse und etwas Überlänge



Werbung
Werbung
Metallica
Jetzt bestellen!

Captain
Letzte Updates an Spielemagazin.de von Captain am 03.09.2026 23:19
Captain
Letzte Updates an Spielemagazin.de von Captain am 26.08.2026 22:48
Captain
Hallo aus dem Rheinland! von Captain am 24.08.2026 18:10
candicelia
Hallo aus dem Rheinland! von candicelia am 24.08.2026 17:41
Captain
Letzte Updates an Spielemagazin.de von Captain am 22.08.2026 12:59
Redakteur werden bei Spielemagazin.de
Wir suchen Verstärkung für unsere Redaktion.

DU LIEBST SPIELE, FILME, MUSIK ODER BÜCHER? MACH MIT!

Veröffentliche Tests und News, führe Interviews oder werde Teil unseres Podcast-Teams.

Redakteur werden