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Green Lung – Necropolitan Review

Okkultismus, Geschichte und monumentale Riffs


07.08.2026  Redaktion  0 Likes  0 Kommentare 
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Foto: Andy Ford. Mehr zum Thema Transparenz.

Wenn eine Band wie Green Lung ein neues Album ankündigt, weiß man ziemlich genau, was einen erwartet – und gleichzeitig eben doch nicht. „Necropolitan“ ist bereits das vierte Werk der Londoner und wirkt wie eine konsequente Weiterentwicklung ihres Sounds, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Es ist ein Album, das tief in der Geschichte seiner Heimatstadt verwurzelt ist und daraus eine ganz eigene, düstere Klangwelt erschafft.

Ein Konzept, das trägt
Im Zentrum von „Necropolitan“ steht ein klarer konzeptioneller Ansatz. Die Band greift die berühmten viktorianischen Friedhöfe Londons auf und nutzt sie als Symbol für Vergänglichkeit, Macht und den letztlichen Triumph der Natur über den Menschen. Dieses Thema zieht sich durch das gesamte Album und verleiht ihm eine ungewöhnlich starke Identität.

Dabei bleibt es nicht bei reiner Ästhetik. Vielmehr entsteht eine Art erzählerischer Rahmen, der das Album zusammenhält. Es wirkt weniger wie eine Sammlung einzelner Songs, sondern eher wie ein zusammenhängendes Werk mit klarer Atmosphäre.

Klassischer Sound mit moderner Wucht
Musikalisch bleibt Green Lung ihrem Stil treu: schwerer, riffgetriebener Heavy Rock mit deutlichen Einflüssen aus Doom, Stoner und klassischem Metal. Gleichzeitig wirkt „Necropolitan“ roher und direkter als seine Vorgänger.

Die Entscheidung, viele Teile live im Studio einzuspielen, zahlt sich hörbar aus. Der Sound wirkt organischer, weniger überproduziert und näher an der Energie einer Live-Performance. Trotzdem bleibt die Produktion druckvoll und klar – eine Kombination, die dem Album gut steht.

Zwischen Black Sabbath und eigener Handschrift
Die Einflüsse sind offensichtlich, werden aber nie plump kopiert. Gerade die Nähe zu klassischen Größen wie Black Sabbath ist spürbar, doch Green Lung schaffen es, daraus etwas Eigenständiges zu formen.

Orgelklänge, schwere Gitarren und eine gewisse psychedelische Note sorgen für Abwechslung, ohne den roten Faden zu verlieren. Das Album bewegt sich sicher zwischen Tradition und Eigenständigkeit – und genau das macht seinen Reiz aus.

Atmosphäre als größte Stärke
Was „Necropolitan“ besonders auszeichnet, ist seine dichte Atmosphäre. Die Songs bauen eine düstere, fast schon cineastische Stimmung auf, die sich durch das gesamte Album zieht.

Es entsteht ein Gefühl von Größe, aber auch von Bedrohung. Die Themen wirken greifbar, die Klanglandschaften tief und vielschichtig. Gerade diese Kombination sorgt dafür, dass das Album mehr ist als nur ein weiteres Genre-Release.

Mut zu kleinen Experimenten
Trotz der klaren stilistischen Ausrichtung erlaubt sich die Band immer wieder kleine Ausbrüche. Unterschiedliche Einflüsse und stilistische Nuancen sorgen dafür, dass das Album nicht eintönig wird.

Diese Momente wirken jedoch eher wie Ergänzungen als wie echte Brüche. Der Kern des Sounds bleibt jederzeit erhalten, was für ein stimmiges Gesamtbild sorgt – auch wenn nicht jeder Ansatz gleich stark ausgearbeitet ist.

Nicht alles bleibt hängen
So überzeugend die Atmosphäre auch ist, fehlt es dem Album stellenweise an echten Höhepunkten. Viele Ideen sind gut, aber nicht immer zwingend. Über die Laufzeit hinweg hätte man sich an einigen Stellen etwas mehr Prägnanz gewünscht.

Gerade im direkten Vergleich mit stärkeren Genrevertretern wirkt „Necropolitan“ manchmal etwas zu gleichförmig. Es bleibt auf einem soliden Niveau, ohne sich dauerhaft darüber hinaus zu steigern.

  1. Dance to the Grave
  2. Evil in This House
  3. Ozymandias
  4. Together in Death
  5. Alostrael (Be My Babalon)
  6. Necropolitan Line
  7. Black Magick Radio
  8. To the Gallows Born


„Necropolitan“ ist ein starkes, atmosphärisch dichtes Album, das vor allem durch seine klare Vision und seine konsequente Umsetzung überzeugt. Green Lung schaffen es, ihre Einflüsse geschickt zu bündeln und daraus ein eigenständiges Werk zu formen. Gleichzeitig fehlt es dem Album an einigen markanten Momenten, die wirklich im Gedächtnis bleiben. Es ist durchgehend gut, aber selten herausragend. Unterm Strich ein gelungenes Album für Fans von düsterem Heavy Rock und okkulter Ästhetik – mit viel Atmosphäre, aber etwas Luft nach oben.

Punktewertung

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