Amon Amarth - The Allfather Awakens Review

Die Wikinger sind zurück - wuchtiger, fokussierter und mit überraschend ruhigen Momenten



Amon Amarth - The Allfather Awakens Review Bild Amon Amarth - The Allfather Awakens Review Screenshot Amon Amarth - The Allfather Awakens Review Foto
Foto: Sylwia Makris and Christian Martin Weiss. Mehr zum Thema Transparenz.

Der Allvater ruft erneut

Nach mehr als drei Jahrzehnten Bandgeschichte müssen Amon Amarth niemandem mehr erklären, wer sie sind. Kaum eine andere Band hat Melodic Death Metal, nordische Mythologie und eine derart monumentale Bühnenästhetik so konsequent miteinander verbunden. Mit The Allfather Awakens erscheint nun das 13. Studioalbum der Schweden - und statt das bewährte Langschiff komplett umzubauen, hat die Band vor allem daran gearbeitet, es wieder mit ordentlich Fahrt durch die Wellen zu schicken.

Dabei entstand The Allfather Awakens auf etwas andere Weise als seine Vorgänger. Amon Amarth begannen bereits während ihrer Touraktivitäten mit neuem Material und nahmen die Stücke in zwei zeitlich getrennten Sessions bei Produzent Jacob Hansen in Dänemark auf. Statt zunächst ein komplettes Album anzusammeln, konzentrierte sich die Band jeweils intensiv auf einzelne Songs. Dieses Vorgehen hört man der Platte tatsächlich an: Die zehn Stücke wirken erstaunlich eigenständig und trotzdem wie aus einem Guss.
The Allfather Awakens erfindet Amon Amarth nicht neu - aber es erinnert ziemlich eindrucksvoll daran, warum diese Band ihren Platz an der Spitze überhaupt erobert hat.

Gjallarhorn eröffnet die Schlacht

Schon Gjallarhorn liefert praktisch alles, was Du von Amon Amarth erwartest. Schwere Gitarren, ein mächtiger Rhythmus, melodische Leads und natürlich Johan Heggs unverwechselbares Organ bilden ein Stück, das gleichermaßen für Kopfhörer und Festivalbühne konstruiert scheint. Eight Legs of Thunder hält anschließend das Tempo hoch und zeigt besonders deutlich, wie sehr die Band inzwischen verstanden hat, Härte und Eingängigkeit miteinander zu verbinden.

Kvasir's Blood schlägt in eine ähnlich kraftvolle Kerbe, bevor We Rule the Waves mit seinem direkten Aufbau zu den unmittelbarsten Nummern der Platte gehört. Hier kommt jene Seite von Amon Amarth zum Vorschein, die in einer großen Halle vermutlich schon nach wenigen Sekunden funktioniert. Das ist kalkuliert, zweifellos, aber eben auch verdammt effektiv.

Interessant wird The Allfather Awakens vor allem dort, wo die Schweden ihre gewohnten Grenzen etwas verschieben. Upphaf ist dafür das deutlichste Beispiel. Die akustisch geprägte Nummer nimmt den Fuß vom Gaspedal und schafft eine fast zeremonielle Atmosphäre. Was zunächst wie ein Fremdkörper wirken könnte, erweist sich innerhalb der Dramaturgie als ausgesprochen kluge Entscheidung. Das Album bekommt Luft, bevor anschließend wieder die Äxte geschwungen werden.
Gerade weil Amon Amarth nicht permanent versuchen, noch größer und noch lauter zu klingen, entwickelt das Album mehr Dynamik als man zunächst erwarten würde.

Zwischen Schlachtfeld und großer Bühne

Die zweite Hälfte setzt mit Die with a War Cry wieder auf Angriff. Raven God und der Titelsong The Allfather Awakes führen die mythologische Atmosphäre weiter, ohne dass daraus ein klassisches Konzeptalbum wird. Odin beziehungsweise Oden bildet vielmehr den roten Faden, um den sich Geschichten über Opfer, Konflikte, Wissen und den Einsatz für ein größeres Ziel gruppieren.

Musikalisch bleibt das alles unverkennbar Amon Amarth. Johan Hegg growlt mit jener tiefen Autorität, die längst zum Markenzeichen geworden ist, während Olavi Mikkonen und Johan Söderberg immer wieder melodische Gitarrenlinien zwischen die massiven Riffs setzen. Ted Lundström und Jocke Wallgren sorgen darunter für ein Fundament, das selten spektakulär um Aufmerksamkeit bittet, dafür aber nahezu durchgehend enorm druckvoll arbeitet.

Natürlich kann man The Allfather Awakens vorwerfen, dass die ganz große Revolution ausbleibt. Wer seit Jahren darauf wartet, dass Amon Amarth plötzlich ihre musikalische Identität über Bord werfen, wird auch diesmal nicht bedient. Einige Refrains und Arrangements sind sehr offensichtlich für große Bühnen gebaut, und gelegentlich ahnst Du bereits früh, wohin sich ein Song entwickeln wird. Gleichzeitig wäre es ziemlich ungerecht, Berechenbarkeit automatisch mit Ideenlosigkeit gleichzusetzen. Die Schweden beherrschen ihr Handwerk schlicht sehr gut.

Ein Finale mit Ausdauer

Mit Oden's Hunt nähert sich die Platte ihrem Ende, ehe Ascending Like an Eagle als längster Song noch einmal mehr Raum bekommt. Gerade dieser Abschluss profitiert davon, dass Amon Amarth nicht einfach einen weiteren kompakten Festival-Brecher hinterherschieben. Die Nummer darf wachsen und verleiht dem Album dadurch einen würdigen Schlusspunkt.

The Allfather Awakens ist deshalb weniger ein Neuanfang als eine ausgesprochen selbstbewusste Standortbestimmung. Die Produktion ist mächtig, ohne die Gitarren vollständig glattzubügeln, die Melodien sitzen und die zehn Songs vermeiden größere Durchhänger. Vor allem die etwas ungewöhnlicheren Momente tun der Platte gut und verhindern, dass sie lediglich wie eine weitere Variation eines längst bekannten Rezepts wirkt.
Amon Amarth müssen das Rad nicht neu erfinden, solange ihr altes noch mit solcher Wucht über das Schlachtfeld rollt.

Tracklist

  1. Gjallarhorn
  2. Eight Legs of Thunder
  3. Kvasir's Blood
  4. We Rule the Waves
  5. Upphaf
  6. Die with a War Cry
  7. Raven God
  8. The Allfather Awakes
  9. Oden's Hunt
  10. Ascending Like an Eagle

FAZIT

The Allfather Awakens zeigt Amon Amarth in sehr guter Form. Die Schweden verlassen ihr vertrautes Terrain nur vorsichtig, gewinnen aber gerade durch die ruhigeren und atmosphärischeren Momente zusätzliche Dynamik. Dem gegenüber stehen einige vorhersehbare Songstrukturen und die inzwischen sehr offensichtliche Ausrichtung mancher Refrains auf große Bühnen. Unterm Strich überwiegen jedoch die starken Riffs, die griffigen Melodien und eine erstaunlich geschlossene Dramaturgie. Kein revolutionäres Amon-Amarth-Album, aber ein ausgesprochen kraftvolles und kurzweiliges.

Danilo (Spielemagazin.de)

Wie wir bewerten. Mehr zum Thema Transparenz.

Spielemagazin-Wertung: 82%
Die Wikinger sind zurück - wuchtiger, fokussierter und mit überraschend ruhigen Momenten

Noch keine Kommentare. Starte die Diskussion!



Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten, die mit gekennzeichnet sind. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Für dich ändert sich nichts, auch nicht am Preis, aber du unterstützt dieses Projekt. Dieser Beitrag wurde mithilfe generativer KI erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr zur Transparenz.

Dies wird dich interessieren...
Amon Amarth kündigen neues Album The Allfather Awakens an

Das neue Studioalbum erscheint im Oktober nebst großer Herbsttour.



Amon Amarth: Neue Single „Eight Legs of Thunder“ und Album-Details

Das neue Album The Allfather Awakens erscheint am 2. Oktober.



Redakteur werden bei Spielemagazin.de
Wir suchen Verstärkung für unsere Redaktion.

DU LIEBST SPIELE, FILME, MUSIK ODER BÜCHER? MACH MIT!

Veröffentliche Tests und News, führe Interviews oder werde Teil unseres Podcast-Teams.

Redakteur werden

Werbefläche buchen