Francis Rossi jammte, probierte aus, hatte eigentlich keinerlei Albumabsichten – und plötzlich stand da ein fertiges, hochenergetisches Rockalbum, das viele seiner Stärken bündelt. The Accidental klingt spontan, frisch und erstaunlich lebendig. Fast so, als hätte er wieder den Spaß eines jungen Musikers gefunden, der einfach nur die Gitarre aufdrehen will.
Ein Album, das nicht viel will – außer rocken
Das, was Francis Rossi selbst „völlig unerwartet“ nennt, wirkt beim Hören allerdings sehr bewusst: The Accidental ist ein Rückgriff auf das Fundament, das Status Quo jahrzehntelang geprägt hat. Boogie-Rock. Americana-Einflüsse. Ein bisschen Blues. Ein paar poppige Momente. Und ganz viel ehrliche Handarbeit.Songs wie Much Better, Go Man Go oder Going Home sind leichtfüßige Rockstücke, die zeigen, dass Rossi keinerlei Lust auf musikalische Komplexität oder Experimente hatte – was hier ausdrücklich positiv gemeint ist. Es geht um Groove, Humor, ein gutes Riff und eine Melodie, die hängen bleibt.
In Stücken wie Back On Our Home Ground hört man zudem einen kräftigen Schuss ZZ Top, während Time To Remember als warmherzige, nostalgische Ballade das Album mit einem emotionalen Schwenk abschließt.
Francis Rossi singt lockerer denn je, wirkt entspannt, fast schelmisch. Die Produktion – mit Andy Brook als Co-Piloten – ist direkt, unprätentiös und voller analogem Charakter. Genau das macht den Charme des Albums aus.
Ein Blick zurück – und irgendwie doch nach vorn
Natürlich ist Francis Rossi nicht nur Solo-Künstler, sondern ein Mann mit einer beispiellosen Rock-Vita. Seit den späten 60ern hat er mit Status Quo einen der markantesten Sounds der britischen Musikgeschichte geprägt. Und obwohl The Accidental keine Kopie vergangener Zeiten ist, lebt der Geist von Quo hier ganz klar weiter:einfach, geradlinig, charismatisch.
Was Francis Rossi antreibt, ist nicht Nostalgie, sondern eine gewisse „Back to Basics“-Attitüde. Er muss nichts mehr beweisen – und gerade deshalb wirkt das Album so ungezwungen. Keine Trends, kein Druck. Nur Musik.
Dass dabei 14 Songs herausgekommen sind, die mal nach Americana, mal nach Bluesrock, mal nach klassischem Rossi-Boogie klingen, zeigt seine Lust an der Vielfalt. Doch auch seine Routine schimmert durch: Er weiß genau, wie ein Song funktionieren muss – selbst wenn er ihn angeblich „aus Versehen“ schreibt.


