Bye Parula - Something Out Of Nothing Review

Tanzbarer Prog-Pop zwischen euphorischer Bewegung und stiller Einkehr



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Aus dem Nichts mitten ins Rampenlicht

Mit Something Out Of Nothing legt das Montrealer Trio Bye Parula sein zweites Album vor und macht bereits im Titel deutlich, wie viel Beharrlichkeit in diesen zehn Songs steckt. Sänger und Bassist Loïc Calatayud-Sola, Gitarrist Sebastián Riquelme und Schlagzeuger Sergio D’Isanto stammen ursprünglich aus Frankreich, Chile und Italien. In Kanada mussten sie sich nicht nur musikalisch, sondern auch persönlich eine neue Heimat aufbauen. Während der Pandemie tauschten sie zunächst Aufnahmen und Ideen aus, bevor aus dem gemeinsamen Experimentieren eine eingespielte Band wurde.

Nach dem selbst produzierten Debüt I aus dem Jahr 2023 klingt Bye Parula nun deutlich fokussierter. Einen wichtigen Schub brachte Still Got the Spirit, das als Titelmusik einer kanadischen Radiosendung ein großes Publikum erreichte. Der Erfolg ermutigte die Musiker, gerade den rhythmischen und orchestralen Teil ihres Sounds weiter auszubauen. Produzent Robbie Kuster und Mixer Warren Spicer helfen dabei, die zahlreichen Einflüsse zusammenzuhalten. Funk, Disco, Prog-Pop, Indie-Soul, Chanson und psychedelische Klangfarben treffen aufeinander, ohne dass Something Out Of Nothing wie eine bloße Stilübung wirkt.

Zwei Albumseiten, zwei Arten des Zuhörens

Bye Parula teilt das Album in zwei Hälften. Die ersten fünf Stücke sind für das Hören im Stehen gedacht, die zweite Seite für den Genuss im Sitzen. Natürlich musst Du diese Anleitung nicht wörtlich nehmen. Sie beschreibt vielmehr den emotionalen Verlauf: Zunächst bringen Begehren, Aufbruch und Nervosität den Körper in Bewegung, anschließend rücken Erinnerung, Verlust und Geborgenheit näher.

I don't know eröffnet mit federndem Bass, schillernden Keyboards und einem Rhythmus, der sofort auf die Tanzfläche drängt. Gemeinsam mit Kissburn betrachtet der Song eine gegenseitige Anziehung aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Während sich die Instrumente selbstbewusst bewegen, bleiben die Figuren in den Texten auffallend unsicher. Genau dieser Kontrast funktioniert hervorragend. Hinter den eingängigen Refrains lauert stets die Angst, im entscheidenden Moment das Falsche zu sagen.

Der Titeltrack verdichtet dieses Motiv zu einer kleinen Hymne für introvertierte Menschen. Eine scheinbar freie Person zieht alle Blicke auf sich, doch anstatt sie anzusprechen, spielt sich das eigentliche Drama nur im Kopf ab. Bye Parula verpackt diese Blockade in einen leichten, warmen Groove. Der Titel besitzt zugleich eine zweite Ebene: Drei Musiker ohne großes Netzwerk erschaffen in einem für sie fremden Land etwas Eigenes und müssen sich jeden Fortschritt erarbeiten.

Wenn die Tanzfläche langsam leer wird

Mit Home verändert sich die Stimmung. Der Song entstand aus Erschöpfung, Heimweh und langen Wegen zu einem ungeliebten Tagesjob. Die Produktion wirkt dunkler und angespannter, ohne den warmen Grundton des Albums aufzugeben. Du spürst hier sehr deutlich, dass die sonnige Oberfläche von Something Out Of Nothing immer wieder Risse bekommt.

Orange Blossom erinnert an Calatayud-Solas Urgroßmutter und verbindet Trauer mit dem Gedanken an ein langes, widerstandsfähiges Leben. Noch unmittelbarer wird die Sehnsucht in Miedo de olvidar. Gemeinsam mit Elisapie richtet Bye Parula den Blick auf die Mütter, die weit entfernt zurückgeblieben sind. Mehrere Sprachen und musikalische Traditionen fließen so selbstverständlich zusammen, dass der Song nicht konstruiert, sondern ausgesprochen persönlich wirkt.

Quand vient le soir schwebt anschließend durch eine nächtliche, französisch gefärbte Klanglandschaft. Streicher, sanfte Stimmen und zurückhaltende Elektronik erzeugen eine fast filmische Atmosphäre. Needed geht noch sparsamer vor. Aus einer Trennungserfahrung entwickelt sich ein hypnotisches akustisches Stück, dessen Wiederholungen mit jedem Durchlauf etwas dringlicher werden. Das abschließende Burning down the house ist schließlich kein explosiver Abschluss, sondern ein bittersüßer Blick zurück. Dankbarkeit und Loslassen liegen eng beieinander.

Viel Charakter, gelegentlich etwas zu verliebt ins Detail

Die große Stärke des Albums liegt in seinem organischen Zusammenspiel. Bass, Gitarren, Percussion, Streicher, Saxofon und Keyboards finden erstaunlich oft den richtigen Platz. Manche Arrangements geraten allerdings so detailreich, dass die eigentliche Melodie kurz in den Hintergrund rückt. Auch der Wechsel von der rhythmischen zur nachdenklichen Hälfte fällt etwas deutlicher aus, als es dem Fluss guttut. Trotzdem bleibt die Grundidee nachvollziehbar: Liebe bringt Dich in Bewegung, kann Dich aber ebenso auffangen, wenn Du stillstehen musst.

Tracklist

  1. I don't know
  2. Kissburn
  3. I'm getting ready
  4. Something Out Of Nothing
  5. Home
  6. Orange Blossom (There's a million reasons)
  7. Miedo de olvidar (featuring Elisapie)
  8. Quand vient le soir
  9. Needed
  10. Burning down the house

FAZIT

Something Out Of Nothing ist ein fantasievolles, warm produziertes Album, das tanzbaren Prog-Pop überzeugend mit Funk, Soul und nachdenklichem Songwriting verbindet. Besonders stark ist Bye Parula immer dann, wenn lebhafte Grooves und persönliche Unsicherheit gleichzeitig spürbar werden. Einige überladene Arrangements und der recht markante Stimmungswechsel zwischen den Albumhälften bremsen den Fluss geringfügig. Die eigenständige Klangsprache, das hörbar gewachsene Zusammenspiel und mehrere hervorragende Songs machen das zweite Album des Trios dennoch zu einer lohnenden Entdeckung.

Redaktion (Spielemagazin.de)

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Tanzbarer Prog-Pop zwischen euphorischer Bewegung und stiller Einkehr

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