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Venom 2 - Dunkles Schicksal Review

Mary Jane wird zu Venom und gerät zwischen Symbionten, S.C.A.R. und einen alten Feind



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Venom ohne Eddie Brock? Das ist längst keine vollkommen neue Vorstellung mehr. Doch Mary Jane Watson dauerhaft mit dem berühmten Symbionten zusammenzubringen, verändert die Dynamik erheblich. Genau diese ungewöhnliche Verbindung steht im Zentrum von „Venom 2 - Dunkles Schicksal“. Al Ewing führt damit seine neue Venom-Ära fort und zeigt einmal mehr, dass der Symbionten-Mythos inzwischen groß genug geworden ist, um weit über seinen ursprünglichen Hauptdarsteller hinauszugehen. Unterstützt wird die Geschichte insbesondere von Zeichner Carlos Gómez, der dem teilweise ziemlich wilden Geschehen die passende visuelle Energie verleiht.

Mary Jane Watson ist Venom

Die wichtigste Veränderung funktioniert erstaunlich gut. Mary Jane ist nicht einfach Eddie Brock mit einer anderen Biografie. Ihre Beziehung zum Symbionten besitzt eine eigene emotionale Dynamik. Die enorme Macht, die ihr die Verbindung verleiht, steht permanent neben der Frage, wie viel Kontrolle sie darüber tatsächlich besitzt.

Gerade die Rückblicke auf die Entstehung dieser ungewöhnlichen Symbiose gehören zu den interessanteren Momenten. Sie geben Mary Janes neuer Rolle ein Fundament und verhindern, dass die Idee lediglich wie ein kurzfristiger Gimmick wirkt. Ihre Persönlichkeit bleibt dabei erkennbar. Sie wird nicht plötzlich zu einer vollkommen anderen Figur, nur weil schwarze Symbiontenmasse ihren Körper umschließt.
Der spannendste Aspekt von „Venom 2 - Dunkles Schicksal“ ist nicht Mary Janes neue Macht, sondern die Frage, wie viel Mary Jane innerhalb dieser Macht noch Mary Jane bleibt.

S.C.A.R. macht Jagd auf die Symbionten

Für äußeren Druck sorgt die Regierungsorganisation S.C.A.R. Sie hat es auf Symbionten abgesehen und macht aus deren Existenz ein politisches und militärisches Problem. Dadurch bekommt die Handlung eine zusätzliche Ebene. Die Symbionten sind nicht länger ausschließlich außerirdische Wesen, mit denen einzelne Helden und Schurken ihre persönlichen Konflikte austragen. Sie werden zu einem Sicherheitsrisiko, das staatliche Stellen kontrollieren wollen.

Das passt gut zu Venom. Schließlich begleitet den Symbionten seit seinen frühen Auftritten die Frage, ob er Monster, Waffe, eigenständiges Lebewesen oder Partner ist. S.C.A.R. liefert darauf eine ausgesprochen einfache Antwort: potenzielle Gefahr. Dass ausgerechnet ein alter Gegner Spider-Mans im Hintergrund eine Verbindung zur Organisation besitzt, sorgt zusätzlich für Misstrauen.

Al Ewing ist für komplexe Superheldengeschichten bekannt und hat unter anderem mit seiner Arbeit an „Immortal Hulk“ gezeigt, wie tief sich bekannte Marvel-Figuren neu interpretieren lassen. Auch seine Venom-Geschichten denken den Mythos längst größer als die ursprüngliche Beziehung zwischen Eddie Brock und einem außerirdischen Organismus. Das ist faszinierend, macht den Einstieg aber nicht unbedingt leichter.

Anti-Venom, Dylan Brock, Sleeper und Toxin mischen mit

Denn „Venom 2 - Dunkles Schicksal“ ist alles andere als ein isoliertes Abenteuer. Flash Thompson als Anti-Venom spielt ebenso eine Rolle wie Dylan Brock, Sleeper, Toxin und Paul. Wer mit der jüngeren Geschichte der Symbionten vertraut ist, bekommt dadurch ein dichtes Geflecht bekannter Figuren und Beziehungen.

Neue Leser könnten dagegen gelegentlich das Gefühl bekommen, mitten in eine Unterhaltung geraten zu sein, die bereits seit Stunden läuft. Der Band vermittelt zwar genügend Informationen, um der grundlegenden Handlung folgen zu können, doch das volle Gewicht einzelner Beziehungen erschließt sich besser mit entsprechendem Vorwissen.
Je tiefer Du bereits im modernen Venom-Kosmos steckst, desto mehr Spaß macht das Wiedersehen mit Figuren, deren Geschichten längst miteinander verwachsen sind.
Das Ensemble sorgt gleichzeitig für Abwechslung. Die Nebenfiguren tauchen nicht ausschließlich auf, damit Fans bekannte Namen wiedererkennen. Sie besitzen Funktionen innerhalb des Konflikts und verdeutlichen zugleich, wie umfangreich das Symbionten-Universum inzwischen geworden ist.

Carlos Gómez lässt den Symbionten von der Leine

Visuell kann Carlos Gómez vor allem dann auftrumpfen, wenn die Geschichte eskaliert. Symbionten sind für Comics dankbare Figuren. Körper können ihre Form verändern, Tentakel schießen durch Panels und aus einem menschlichen Gesicht kann innerhalb eines Augenblicks ein monströses Gebiss werden. Gómez nutzt diese Möglichkeiten für dynamische Actionszenen, ohne die menschlichen Figuren dazwischen zu vergessen.

Gerade Mary Janes Mimik ist wichtig, weil ein großer Teil ihrer Geschichte von Kontrolle und innerem Konflikt handelt. Die Zeichnungen müssen deshalb mehr transportieren als spektakuläre Monster. Diese Balance gelingt insgesamt überzeugend.

Auch die düstere Atmosphäre passt hervorragend zum Stoff. „Venom 2 - Dunkles Schicksal“ wird allerdings nicht zu einem vollkommen humorlosen Horrorcomic. Zwischen den bedrohlichen Situationen bleibt genügend von jener überzeichneten Energie erhalten, die zu Marvels Symbiontenwelt gehört.

Ein Perspektivwechsel mit echten Konsequenzen

Besonders positiv ist, dass Mary Janes Rolle nicht wie ein bloßer Marketingeinfall behandelt wird. Der Perspektivwechsel eröffnet neue Möglichkeiten für eine Figur, die über Jahrzehnte häufig vor allem über ihre Beziehung zu Peter Parker definiert wurde. Hier darf sie selbst im Mittelpunkt eines ziemlich großen Konflikts stehen.

Nicht jede Wendung überrascht dabei gleichermaßen und angesichts des großen Ensembles bleiben manche Figuren zwangsläufig oberflächlicher, als man es sich wünschen würde. Auch die fortlaufende Mythologie verlangt dem Leser einiges ab. Al Ewing schreibt keinen simplen Superheldencomic, den Du nach jahrelanger Marvel-Abstinenz völlig unbelastet aufschlägst.
Mary Jane als Venom funktioniert gerade deshalb, weil der Comic sie nicht in eine bekannte Rolle zwängt, sondern untersucht, was diese Verbindung mit ihrer eigenen Identität macht.
Unterm Strich überwiegen deshalb klar die Stärken. Die Verbindung aus persönlichem Konflikt, staatlicher Symbiontenjagd und dem größeren Venom-Kosmos liefert reichlich Stoff. Vor allem aber beweist „Venom 2 - Dunkles Schicksal“, dass ein bekannter Superheldenname nicht zwangsläufig an eine einzige Person gebunden sein muss. Mary Jane bekommt ihre eigene Interpretation von Venom - und die ist interessant genug, dass man gerne wissen möchte, wohin sie noch führt.

FAZIT

„Venom 2 - Dunkles Schicksal“ ist ein mutiger und überwiegend gelungener Ausbau des modernen Venom-Universums. Al Ewing macht Mary Jane Watsons Verbindung mit dem Symbionten zum emotionalen Zentrum und verbindet ihren Identitätskonflikt mit der Bedrohung durch S.C.A.R. und einer ganzen Reihe bekannter Symbiontenfiguren. Carlos Gómez liefert dazu dynamische und ausdrucksstarke Zeichnungen. Kleinere Schwächen entstehen durch einige vorhersehbare Entwicklungen und die inzwischen sehr umfangreiche Kontinuität, die Neueinsteiger gelegentlich überfordern kann. Wer mit dem aktuellen Venom-Kosmos vertraut ist, bekommt jedoch eine spannende Weiterentwicklung mit einer ungewöhnlichen Hauptfigur, die deutlich mehr ist als ein kurzfristiger Rollenwechsel.

Toobi (Spielemagazin.de)

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Spielemagazin-Wertung: 83%
Mary Jane wird zu Venom und gerät zwischen Symbionten, S.C.A.R. und einen alten Feind

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