Der Auftakt enthält die ersten drei US-Ausgaben der 2025 gestarteten Reihe. Geschrieben wird sie von Marc Guggenheim, der bereits für zahlreiche Marvel-Comics sowie Fernsehserien wie Arrow und Legends of Tomorrow verantwortlich war. Die Zeichnungen stammen von Kaare Andrews, der Spider-Man unter anderem mit seiner düsteren Zukunftsvision Spider-Man: Reign nachhaltig geprägt hat. Gemeinsam inszenieren beide einen Comic, der sich wie ein lauter Sommer-Blockbuster liest und zunächst lieber neue Fragen stellt, als klare Antworten zu liefern.
Ein Spionageauftrag beginnt mitten in Berlin
Die Handlung startet in Berlin, wo Wolverine auf einen alten Kontakt aus seiner Zeit als Geheimagent trifft. Dieser berichtet von der sogenannten Janus-Datenbank. Darin befinden sich sensible Informationen über verdeckt operierende Agenten, Informanten und geheime Missionen. Sollte das Verzeichnis in die falschen Hände geraten, wären nicht nur einzelne Identitäten gefährdet. Ganze Nachrichtendienst-Netzwerke könnten zusammenbrechen.Logan verfolgt die Spur bis zu einem Helicarrier von S.H.I.E.L.D. Weil selbst Wolverine nicht unbemerkt in eine fliegende Festung eindringen kann, bittet er Spider-Man um Unterstützung. Dessen Kräfte und wissenschaftliches Verständnis machen Peter zum idealen Partner. Dass Logan ausgerechnet ihn auswählt, ist jedoch nicht nur eine Frage praktischer Fähigkeiten. Die Janus-Datenbank enthält offenbar Informationen, die beide Helden persönlich betreffen.
Damit besitzt die Geschichte grundsätzlich einen starken Aufhänger. Marc Guggenheim verbindet Wolverines Vergangenheit als Agent und Versuchsperson mit offenen Fragen aus der Familiengeschichte Peter Parkers. Die genaue Bedeutung einzelner Hinweise bleibt allerdings lange nebulös. Du wirst mit Namen, Geheimnissen und überraschenden Behauptungen konfrontiert, deren Wahrheitsgehalt zunächst kaum einzuschätzen ist.
Kraven und Omega Red eröffnen die Jagdsaison
Für längere Erklärungen bleibt ohnehin wenig Zeit, denn Kraven der Jäger und Omega Red greifen in das Geschehen ein. Beide Gegner passen auf den ersten Blick hervorragend zu den Hauptfiguren. Kraven betrachtet Spider-Man traditionell als begehrte Beute, während Omega Red mit Wolverines Vergangenheit verbunden ist. Ihre Beteiligung sorgt für spektakuläre Konfrontationen, erscheint innerhalb des Spionageplots aber teilweise etwas erzwungen.Der Comic möchte möglichst früh möglichst viele bekannte Elemente aufbieten. Helicarrier, Geheimagenten, Superschurken und persönliche Enthüllungen folgen dicht aufeinander. Dadurch kommt kaum Langeweile auf, doch nicht jede Wendung erhält den Raum, den sie eigentlich benötigen würde. Gerade Kravens Motivation bleibt dünn, weil er vor allem gebraucht wird, um die nächste große Actionszene in Gang zu bringen.
Diese Action gehört dafür zu den eindeutigen Stärken des Bandes. Spider-Man wirbelt über mehrere Bildebenen, weicht Angriffen in letzter Sekunde aus und improvisiert mit seiner Umgebung. Wolverine kämpft dagegen direkt, brutal und ohne jede Rücksicht auf seinen eigenen Körper. Ihre unterschiedlichen Fähigkeiten sind nicht nur optisch reizvoll, sondern spiegeln ihre gegensätzlichen Persönlichkeiten wider.
Wenn aus Partnern plötzlich Gegner werden
Der zentrale Konflikt entsteht nicht durch Kraven oder Omega Red, sondern zwischen den beiden Helden. Spider-Man glaubt an Beweise, Verantwortung und rechtsstaatliche Gerechtigkeit. Wolverine verlässt sich stärker auf Erfahrung und Instinkt. Sobald die Janus-Datenbank eine erschütternde Verbindung zwischen Logan und Peters Vergangenheit andeutet, verwandelt sich ihr ohnehin fragiles Bündnis in offene Feindschaft.Guggenheim kennt die Stimmen seiner Hauptfiguren gut. Peters Humor wirkt nicht wie eine lose Folge austauschbarer Sprüche, sondern häufig wie ein Schutzmechanismus. Logan reagiert gewohnt wortkarg und gereizt, zeigt hinter seiner Härte jedoch Loyalität und Schuldgefühl. Besonders gelungen sind die Momente, in denen beide erkennen lassen, dass sie einander trotz aller Differenzen respektieren.
Die große Enthüllung, mit der dieser Konflikt begründet wird, wirkt zunächst allerdings arg konstruiert. Das Motiv, zwei Helden durch ein verborgenes Ereignis aus ihrer Vergangenheit gegeneinander aufzubringen, ist nicht neu. Immerhin lässt die Geschichte genügend Zweifel daran, ob die präsentierten Informationen vollständig und unverfälscht sind. Der Band verlangt Dir dennoch Geduld ab, weil er den Verdacht ausführlich ausspielt, seine Auflösung aber für spätere Kapitel zurückhält.
Kaare Andrews entfesselt einen Marvel-Blockbuster
Kaare Andrews zeichnet den Comic mit enormer Bewegungsfreude. Seine Perspektiven kippen, Körper fliegen durch die Panels und einzelne Angriffe scheinen beinahe aus der Seite herauszubrechen. Der Einfluss dynamischer Superhelden-Comics der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre ist deutlich erkennbar. Besonders Spider-Mans geschmeidige Bewegungen erinnern gelegentlich an die expressive Bildsprache eines Todd McFarlane.Der Stil dürfte trotzdem polarisieren. Andrews überzeichnet Muskeln, Posen und Gesichtsausdrücke bewusst. Das sorgt für Energie, kann in ruhigeren Szenen aber unruhig oder anatomisch eigenwillig wirken. Brian Rebers kräftige Farben unterstützen den Blockbuster-Charakter und sorgen dafür, dass selbst komplexe Actionszenen gut lesbar bleiben.
Ein unterhaltsamer Auftakt mit halber Geschichte
Die drei enthaltenen Kapitel führen vom Agententhriller über ein klassisches Heldenduell bis in deutlich exotischere Marvel-Gefilde. Der Band steigert sein Tempo kontinuierlich und endet an einem Punkt, an dem das eigentliche Ausmaß der Verschwörung gerade erst sichtbar wird. Als Einstieg funktioniert das durchaus, als abgeschlossene Geschichte jedoch nicht.Auch die bisherige Rezeption der Serie fällt entsprechend unterschiedlich aus. Viel Zustimmung erhalten die energiegeladenen Zeichnungen, die Action und das Zusammenspiel der Hauptfiguren. Kritischer werden der konstruierte Konflikt, einzelne Schurkenmotivationen und die bewusst undurchsichtige Handlung bewertet. Spider-Man & Wolverine: Bd. 1 lebt damit stärker von seinem Tempo und seinen beiden Titelhelden als von einer bereits überzeugend ausgearbeiteten Verschwörung.



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