Vom Schrauber zum König der Nachtszene
Die Story setzt Dich als talentierten Mechaniker in eine Tuning-Szene, in der Du zunächst Kundenaufträge erledigst und langsam einen Namen aufbaust. Gemeinsam mit Deiner Freundin Deb arbeitest Du in einer Werkstatt, bis ein Angriff den Betrieb zerstört. Danach beginnt der Wiederaufbau, verbunden mit der Suche nach den Verantwortlichen und dem Wunsch, die eigene Garage zur wichtigsten Adresse der Stadt zu machen.Die Handlung liefert immerhin einen Rahmen für Werkstattaufträge und Rennen, bleibt aber sehr vorhersehbar und wenig glaubwürdig erzählt. Figuren treten auf, geben Dir eine Aufgabe und verschwinden häufig wieder aus dem Fokus. Dialoge und Zwischensequenzen erzeugen selten echte Spannung. Für ein Spiel, das den Aufstieg in einer Untergrundszene inszenieren möchte, fehlt es der Geschichte an markanten Rivalen, überzeugenden Konflikten und einem klaren Gespür für diese Kultur.
Schrauben mit vielen Teilen, aber wenig Tiefe
Der Werkstattbereich ist eindeutig der Kern von Underground Garage. Fahrzeuge bestehen aus zahlreichen Teilen, die Du ausbauen, reparieren, ersetzen und gegen bessere Komponenten austauschen kannst. Motoren, Karosserieelemente, Räder und verschiedene technische Bauteile lassen sich drehen, untersuchen und wieder montieren. Das vermittelt zunächst tatsächlich das Gefühl, an einem Auto zu arbeiten, statt nur ein paar Menüwerte zu erhöhen.Die Abläufe bleiben allerdings sehr vereinfacht. Schäden werden oft schnell sichtbar gemacht, defekte Teile lassen sich ohne große Diagnosearbeit austauschen und viele Reparaturen beschränken sich auf wiederholte Eingaben. Flüssigkeiten wie Öl, Kraftstoff, Kühlmittel und Bremsflüssigkeit sind vorhanden, fügen sich aber nicht immer zu einer wirklich glaubwürdigen Mechaniker-Simulation zusammen. Wer viel Detailtiefe und realistische Diagnosewege erwartet, wird sich mehr spielerische Substanz wünschen.
Tuning mit sichtbaren Veränderungen
Besser gelingt die individuelle Gestaltung. Spoiler, Neon, Lackierungen, Aufkleber und weitere optische Teile erlauben es Dir, Autos sichtbar zu verändern. Auch die technischen Upgrades wirken sich zumindest nachvollziehbar auf Leistung und Fahrverhalten aus. Die Auswahl aus 20 Fahrzeugen, 15 Motoren und zahlreichen Bauteilen sorgt dafür, dass Du nicht sofort alles gesehen hast.Trotzdem fehlt dem Tuning eine feinere Abstimmung, um Kenner dauerhaft zu fesseln. Häufig besteht der Fortschritt vor allem darin, ein Teil einer höheren Stufe einzubauen und so bessere Werte zu erhalten. Das ist zugänglich, aber wenig differenziert. Zwischen einem simplen Upgrade-System und einer echten Tuning-Simulation bleibt Underground Garage oft in der Mitte hängen.
Straßenrennen ohne das nötige Fahrgefühl
Sobald Du Deine Arbeit abgeschlossen hast, kannst Du Dich in der Stadt mit Zeitrennen, Duellen, Übungsfahrten und klassischen Rennen beweisen. Die offene Welt bietet außerdem kleinere Aufgaben, Händler, Schrottplätze und versteckte Orte. Das klingt nach einer willkommenen Abwechslung vom Schrauben und könnte den Spielablauf wunderbar auflockern.Leider ist das Fahren die größte Schwachstelle. Die Autos reagieren zu unpräzise, das Fahrverhalten schwankt zwischen träger Lenkung und schwer kontrollierbarem Übersteuern. Bremswege, Drifts und Kollisionen fühlen sich häufig nicht so an, als würden sie zu den sorgfältig aufgebauten Fahrzeugen passen. Gerade weil die Rennen ein zentraler Teil des Fortschritts sind, fällt dieses Problem besonders stark ins Gewicht. Mit Geduld lassen sich die Wettbewerbe absolvieren, ein überzeugender Street-Racer wird Underground Garage dadurch aber nicht.
Offene Welt mit wenig Leben und wenig Relevanz
Die Stadt bietet Raum zum Herumfahren, zum Aufspüren von Orten und zum Testen neuer Umbauten. Sie wirkt jedoch eher wie eine große Verbindung zwischen einzelnen Aktivitäten als wie eine lebendige Open World. Viele Bereiche bleiben optisch austauschbar, während Interaktionen und Ereignisse zu selten überraschen. Nach einer Weile wird klar, dass die Werkstatt und die Rennen wichtiger sind als die Stadt selbst.Das ist schade, denn gerade ein guter Schrottplatz, versteckte Teile oder dynamische Herausforderungen hätten die offene Struktur stärker rechtfertigen können. So bleibt die Welt überwiegend Kulisse. Sie gibt dem Spiel Größe, aber nicht unbedingt mehr spielerischen Gehalt.
Technik zwischen hübschen Autos und rauer Oberfläche
Fahrzeuge, Motoren und einzelne Werkstattbereiche sehen ordentlich aus. Gerade beim Zerlegen eines Autos sind Details erkennbar, die den Schrauber-Aspekt glaubwürdiger machen. Lichtreflexionen auf Lackierungen und die Möglichkeiten der individuellen Gestaltung sorgen ebenfalls für einige schöne Ansichten.Daneben stehen jedoch eine schwache Performance, unsaubere Kameraführung und technische Fehler. In Bewegung wirken Grafik und Bild oft weniger klar, als sie bei einem schnellen Rennspiel sein sollten. Kollisionen mit der Umwelt besitzen kaum Gewicht, einzelne Objekte reagieren merkwürdig und die Oberfläche bleibt stellenweise umständlich. Für ein Spiel, das schon eine längere Early-Access-Phase hinter sich hat und nun als Vollversion angeboten wird, ist der technische Zustand enttäuschend.
Bedienung mit unnötigen Hürden
Maus und Tastatur unterstützen sowohl Werkstattarbeit als auch Fahrten, doch gerade beim Schrauben ist die Kameraführung nicht immer hilfreich. Bestimmte Bauteile sind umständlich zu erreichen, während wiederkehrende Menüschritte unnötig viel Zeit kosten. Ein Controller wird unterstützt und passt erwartungsgemäß besser zum Fahren, löst aber nicht die grundsätzlichen Probleme des Fahrmodells.Die deutsche Textausgabe und deutsche Sprachausgabe sind vorhanden. Akustisch bietet Underground Garage ordentliche Motorengeräusche und passende Werkstattatmosphäre. Die Musik unterstreicht den urbanen Tuning-Ton, ohne besonders markant zu werden. Die Klangkulisse ist solide, kann die spielerischen Schwächen aber nicht überdecken.
Eine Werkstatt mit vielen offenen Baustellen
Underground Garage wurde von BeardedBrothers.games entwickelt und von astragon Entertainment veröffentlicht. Nach dem Early Access erschien die Vollversion am 27. Januar 2026 für PC. Einzelspieler, Steam Cloud und 15 Erfolge werden unterstützt.Das Spiel hat sichtbares Herz für Autos und die Idee, Reparatur, Tuning und Rennen zu verbinden. Doch keine dieser Säulen wird so konsequent umgesetzt, dass sie die anderen ausgleichen könnte. Die Werkstatt liefert nette Momente, während die Fahrphysik, die Open World und die technische Qualität immer wieder zeigen, wie viel Feinschliff noch gefehlt hätte.



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