Um nicht lange um den heißen Brei zu reden: "The Stick of Truth" ist ein Fest für South Park-Fans. Was die Rollenspielprofis von Obsidian (Knights of the Old Republic 2, Fallout New Vegas) in Zusammenarbeit mit den Schöpfern von South Park, Trey Parker und Matt Stone, erschaffen haben ist der spielgewordene Traum eines jeden South Park Anhängers. Aber auch Rollenspieler kommen mit kleinen Abstrichen auf ihre Kosten. Aber fangen wir erst mal ganz von vorne an.
Ein Stab sie alle zu knechten
Seit Jahren herrscht ein brutaler Krieg zwischen Menschen und Elfen. Angeführt vom Großmagier Cartman, verteidigen die Menschen ihr heiligstes Relikt, Den Stab der Wahrheit. Dieser erlaubt es dem Besitzer das Universum zu kontrollieren. Im Lande Zaron verbreitet sich das Gerücht, dass ein "Neuer" einkehrt und so versuchen die Menschen, den Neuen auf ihre Seite zu ziehen und den Krieg zugunsten der Menschheit für sich zu entscheiden. Natürlich handelt es sich bei dem "Neuen" um unsere Wenigkeit. Nach dem Intro haben wir nun die Möglichkeit, unseren eigenen South Park Charakter zu erstellen. Wir wählen aus verschiedenen Hautfarben, Frisuren und Klamotten und schon gleich werden wir mit dem typischen Ortsschild und dem gewohnten Gitarrenriff belohnt. Wir sind mit unseren Eltern gerade erst nach South Park gezogen. Diese hoffen, dass wir so unsere Vergangenheit hinter uns lassen und fortan ein normales Leben führen können. Was genau unsere Eltern versuchen zu vergessen,erfahren wir im Laufe der Handlung. Wer aber vertraut mit South Park ist, der weiß, dass die Geschichten schnell der eigentlichen Story weichen und zu einem Gewächs aus absurden Charakteren, episch-schwachsinnigen Dialogen und reißerischen Plot Twists mit sozialkritischem Unterton mutieren.
Wusstet ihr"¦? :
Eigens für "South Park: Der Stab der Wahrheit" mussten Trey Parker und Matt Stone die Kleinstadt South Park komplett gestalten. Während in der Serie alle Schauplätze immer unabhängig voneinander gezeigt werden, haben wir im Spiel eine komplette Karte der Stadt. Die Standorte der Gebäude wurden nicht von den Entwicklern festgelegt, sondern eigenhändig von Stone und Parker.
Professor Chaos, Einhörner und Furzgranaten
Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, wird natürlich auch gekämpft. Hier wechseln wir vom Echtzeit-erkunden in den rundenbasierten Kampfmodus. Neben unserer Figur wählen wir stets einen von sechs Charakteren als Mitstreiter aus. So werden wir etwa vom niedlichen Paladin Butters begleitet, der mit dicker Rüstung und Hammer auf seine Gegner einschlägt, Blitzzauber anwendet oder uns mit einem gutgemeinten Schulterklopfen verlorene Lebenspunkte wiederherstellt. Oder Prinzessin Kenny, die unsere Feinde mit Küssen anwidert oder eine Rattenarmee herbeiruft, die unsere Gegner überrennt. Jeder der sechs Mitstreiter verfügt zudem über eine Spezialfähigkeit, die uns Machtpunkte kostet. Butters etwa verwandelt sich in Professor Chaos und teilt mehr Schaden aus oder zaubert uns einen schützenden Schild, Kenny ruft ein Regenbogeneinhorn heran, welches alle Feinde niedertrampelt. Drücken wir die falsche Taste, stirbt Kenny und muss eine Runde aussetzen.
Die Kämpfe sind trotz ihrer eher kleineren Auswahl an Fähigkeiten rundum gelungen. Das Kampfsystem ist zwar einfach gestrickt, spielt sich aber durch verschiedene Debuffs und Kombinationen von Zaubern sehr flüssig und intuitiv. Zudem sind die Kämpfe sehr absurd und witzig. So haben wir die Möglichkeit, unsere Feinde per Feuerwaffe in Brand zu stecken, was diese wiederum anfälliger für Furzattacken macht. Von besagten erlernen wir zudem vier unterschiedliche Fürze, welche uns entweder im Kampf oder auch außerhalb des Kampfes zur Verfügung stehen. Wir können so etwa mit Pfeil und Bogen das Glas einer Gaslampe zerstören und dann mit einer Furzgranate einen tödlichen Feuerball verschießen. So können wir eine Konfrontation gänzlich umgehen oder die Anzahl der Gegner von bevorstehenden Kämpfen verringern. Neben Spezialattacken und Furzzaubern verkloppen wir unsere Gegner per Nahkampfwaffe wie etwa einem Cricketschläger oder per Distantzwaffe in Form eines Schneeballs oderDartpfeils.
Original einfach, einfach Original :
Das liegt vor allem daran, dass Obsidian den Look der Serie konsequent fortsetzt. Die Grafik reißt so natürlich keine Bäume aus, passt aber wie die Faust auf's Auge und hinterlässt bei uns den bleibenden Eindruck, als würden wir uns eine interaktive Folge ansehen. Während unserem Abenteuer machen wir auch einen kleinen Abstecher ins liebevolle Kanada. Hier bewegen wir uns in der 8bit-Vogelperspektive durch das gesamte Land, inklusive fetzigem 8bit-Soundtrack. Und auch sonst stimmt die Soundkulisse. Von bekannten Seriensongs wie "Taco Taco, Burrito Burrito", "Montage" aus dem Team America Film oder dem Kanadasong ist alles vertreten, was das South Park Herz begehrt. Zudem ist die (englische) Vertonung hervorragend, was Fans zusätzlich ein Grinsen ins Gesicht treiben lässt. Fans der deutschen Vertonung schauen allerdings in die Röhre. Das Spiel ist auch in der deutschen Fassung ausschließlich mit englischer Vertonung spielbar, allerdings mit deutschen Untertiteln sowie einem deutschen Interface. Wer dem Englischen also nicht ganz so mächtig ist, der muss sich mit kleinen Untertiteln zufriedengeben, die zudem viel Wortwitz liegen lassen.
Beispiel: Powerpoints werden im englischen mit "PP" abgekürzt. Über die Aussprache macht sich auch Clyde lustig. Im deutschen werden Powerpoints zu Machtpunkte, kurz "MP". Wenn Clyde sich darüber lustig macht, können wir den Witz nicht ganz verstehen. Solche Kleinigkeiten ziehen sich durch das ganze Spiel, was zum Teil auf Kosten der Atmosphäre und dem Humor der Serie geht. Generell ist die deutsche Übersetzung aber dennoch gelungen.




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