MXGP 26 wagt den Neustart im Schlamm
Nach MXGP 24 übernimmt Artefacts Studio nun selbst die Entwicklung und vollzieht gleichzeitig einen bemerkenswerten technischen Neustart. MXGP 26 basiert erstmals auf der Unreal Engine 5, bringt eine überarbeitete Motorradphysik mit und bildet die Saison 2026 mit den offiziellen Fahrern, Motorrädern und Strecken der Klassen MXGP und MX2 ab. Publisher Nacon setzt damit erkennbar darauf, zunächst das Fundament der Reihe zu erneuern.Das klingt zunächst vernünftig, hat allerdings Konsequenzen. Neben einzelnen Grand Prix stehen unter anderem Zeitfahren, der frei befahrbare Compound, Online-Rennen und eine komplette Meisterschaft zur Verfügung. Was erstaunlicherweise fehlt, ist ein vollwertiger Karrieremodus. Du kannst also eine Saison bestreiten und um die Meisterschaft kämpfen, aber nicht die klassische Laufbahn eines Fahrers erleben, Dich von MX2 nach MXGP hocharbeiten, Verträge abschließen oder über mehrere Jahre eine Karriere entwickeln.
Das wiegt umso schwerer, weil frühere MXGP-Spiele genau solche Elemente bereits geboten haben. MXGP 26 macht hinsichtlich seines Einzelspielerumfangs deshalb tatsächlich einen Schritt zurück. Die vorhandenen Modi funktionieren, doch es fehlt das verbindende Element, das aus einzelnen Rennen eine langfristige Geschichte macht.
Ausgerechnet beim Neustart der Reihe fehlt mit der Karriere jener Modus, der langfristig am stärksten an die Strecke binden könnte.
Wenn sich die Strecke unter Deinen Rädern verändert
Das Herz von MXGP 26 ist sein Fahrgefühl. Ein Motocross-Motorrad liegt naturgemäß nicht so satt auf der Strecke wie ein GT-Rennwagen. Beim Beschleunigen, auf Bodenwellen und vor allem bei Landungen arbeitet die Maschine ständig unter Dir. Das Hinterrad kann ausschlagen, die Balance verändert sich und eine schlechte Linie lässt sich nicht immer durch beherztes Lenken retten. Trotzdem empfanden wir den Einstieg auf der PS5 keineswegs als übermäßig schwierig.Natürlich verlangt MXGP 26 eine gewisse Eingewöhnung. Wenn Du ansonsten hauptsächlich klassische Rundstreckenrennspiele spielst, musst Du Dich zunächst daran gewöhnen, dass hier nicht nur Lenkwinkel, Bremspunkt und Gasstellung zählen. Gewichtsverlagerungen, Sprünge und der Zustand des Bodens spielen ebenfalls eine Rolle. Vergleichbar ist das ein wenig mit anspruchsvolleren Rallye-Spielen: Die Strecke selbst ist ein Gegner, mit dem Du Dich auseinandersetzen musst.
Besonders spannend ist dabei die dynamische Verformung des Untergrunds. Die Motorräder hinterlassen nicht lediglich dekorative Spuren. Mit zunehmender Renndauer entstehen Furchen und Fahrrillen, die erhalten bleiben und die Strecke verändern. Dadurch kann sich eine Linie, die zu Beginn eines Rennens hervorragend funktioniert hat, einige Runden später ganz anders anfühlen. Du musst den Untergrund lesen und gegebenenfalls reagieren, statt Runde für Runde stur dieselbe Ideallinie abzuspulen.
Die Strecke ist in MXGP 26 kein statischer Untergrund, sondern ein Teil des eigentlichen Rennens.
Umso bedauerlicher ist, dass diesem gelungenen Kern die langfristige Progression fehlt. Grand Prix, Championship, Time Attack und Compound sorgen durchaus für Beschäftigung und online kannst Du Dich zusätzlich mit anderen Fahrern messen. Doch gerade als Einzelspieler stellt sich irgendwann die Frage, wofür Du das nächste Rennen eigentlich noch bestreitest. Eine richtige Karriere hätte den gelungenen Rennen einen übergeordneten Sinn gegeben und den Wiederspielwert erheblich erhöht.
Unreal Engine 5 sorgt für eine starke Schlammpackung
Optisch hinterlässt MXGP 26 auf der PS5 einen guten Eindruck. Motorräder, Fahrer und vor allem die Strecken profitieren von der neuen technischen Basis. Beleuchtung, Bodenmaterialien und die zunehmend ausgefahrenen Strecken greifen schön ineinander. Besonders bei widrigen Bedingungen entsteht dadurch ein überzeugendes Motocross-Bild, bei dem Du den Dreck beinahe zu riechen glaubst.Sehr gut gefallen haben uns die Verschmutzungseffekte. Während eines Rennens landet immer wieder Dreck auf der virtuellen Kamera beziehungsweise an den Bildschirmrändern. Gleichzeitig bleibt auch der Fahrer nicht klinisch sauber. Rennanzug und Ausrüstung werden zunehmend schmutziger und vermitteln dadurch zumindest visuell das Gefühl, tatsächlich einige Runden durch Sand, Erde und Schlamm hinter sich gebracht zu haben.
Allerdings wird dieses System nicht konsequent genug weitergedacht. Gerade wenn Du längere Zeit unmittelbar hinter einem Konkurrenten fährst, wäre eine deutlich stärkere Verschmutzung logisch. Auch die Umgebung könnte stärker auf das Renngeschehen reagieren. Das vorhandene System zeigt, was möglich wäre, geht aber noch nicht den letzten Schritt. Hier steckt Potenzial für kommende Teile.
MXGP 26 versteht überzeugend, dass Motocross dreckig sein muss, denkt diesen Ansatz aber noch nicht in jeder Konsequenz zu Ende.
In Bewegung überwiegt dennoch klar der positive Eindruck. Wenn mehrere Motorräder über eine zunehmend zerfurchte Strecke jagen, Dreck aufgewirbelt wird und Du über den nächsten Hügel springst, kann MXGP 26 ausgesprochen ansehnlich sein. Die Unreal Engine 5 erweist sich damit als gute Grundlage für die optische Zukunft der Serie.
Kontrolliertes Chaos mit dem DualSense
Bei der Steuerung gelingt MXGP 26 ein wichtiger Balanceakt. Ein Motocross-Spiel darf sich nicht so fahren wie ein Motorrad auf Asphalt, sollte Dich aber gleichzeitig nicht für jede minimale Ungenauigkeit bestrafen. Artefacts Studio trifft hier nach unserer Erfahrung einen überzeugenden Mittelweg. Das Motorrad verlangt Aufmerksamkeit, bleibt aber grundsätzlich kontrollierbar.Gerade das leichte Ausschlagen der Maschine trägt viel zum Fahrgefühl bei. Du merkst, dass Du Dich auf losem Untergrund bewegst und nicht auf einer perfekt präparierten Rennstrecke. Das kann anfangs ungewöhnlich wirken, vermittelt aber nach kurzer Eingewöhnung ein gutes Gefühl dafür, wie stark Du die Maschine belasten kannst. Sprünge wollen vorbereitet und Landungen kontrolliert werden, während in Kurven nicht nur die Richtung, sondern auch die Balance eine Rolle spielt.
Auf der PS5 unterstützt der DualSense dieses Gefühl mit Vibrationen und Trigger-Effekten. Wichtiger als einzelne Controller-Spielereien ist allerdings, dass die Eingaben insgesamt nachvollziehbar umgesetzt werden. Wenn ein Manöver gelingt, hast Du meist das Gefühl, es selbst geschafft zu haben. Geht etwas schief, lässt sich der Fehler häufig ebenfalls nachvollziehen.
Ganz frei von kleinen Eigenheiten ist die Physik dabei nicht. Gerade bei ungünstigen Landungen oder in ausgeprägten Bodenunebenheiten kann das Motorrad gelegentlich heftiger reagieren, als man es erwartet hätte. Das ist allerdings nicht unser dominierender Eindruck der Steuerung. Viel stärker bleibt hängen, dass sich MXGP 26 nach einer kurzen Eingewöhnung angenehm direkt und gleichzeitig ausreichend anspruchsvoll fährt.
Deshalb teilen wir auch die Einschätzung eines grundsätzlich extrem schwierigen Einstiegs nur bedingt. Wer noch nie ein Motocross-Spiel gespielt hat, wird sicherlich zunächst einige Abflüge erleben. Die Eigenheiten des Sports erklären aber einen großen Teil davon. Sobald Du akzeptierst, dass das Motorrad arbeiten darf und nicht jede Bewegung sofort korrigiert werden muss, entwickelt die Steuerung einen angenehmen Rhythmus.
Motoren, Landungen und mechanische Details
Beim Sound macht MXGP 26 vieles richtig, ohne daraus eine große Show zu veranstalten. Natürlich stehen zunächst die Motorräder selbst im Mittelpunkt. Die Motorengeräusche besitzen ausreichend Druck und vermitteln nachvollziehbar, wie stark die Maschine gerade beansprucht wird. Gerade beim Beschleunigen aus Kurven trägt das akustische Feedback viel dazu bei, Geschwindigkeit und Traktion einzuschätzen.Fast noch interessanter sind für uns allerdings die kleineren mechanischen Geräusche. Nach einem Sprung hörst Du nicht einfach nur den Motor weiterlaufen. Landung, Fahrwerk und Maschine erzeugen zusätzliche Geräusche, die dem Motorrad Gewicht verleihen. Gerade solche Details sind wichtig, weil sie unbewusst dazu beitragen, dass sich das virtuelle Gefährt nicht wie ein starres Objekt anfühlt.
Auch der Kontakt mit dem Untergrund wird akustisch ordentlich transportiert. Erde, Unebenheiten und harte Landungen ergänzen das Motorengeräusch und unterstützen damit das Fahrgefühl. In Verbindung mit der visuellen Streckenverformung entsteht so ein überzeugendes Zusammenspiel aus Bild, Physik und Ton.
Etwas mehr Atmosphäre rund um die eigentlichen Rennen hätte allerdings nicht geschadet. Das teilweise apathisch wirkende Publikum ist nicht nur ein optisches Thema. Auch akustisch könnte die Veranstaltung stellenweise mehr Energie ausstrahlen. Gerade bei einer offiziellen Weltmeisterschaft darf ein Rennen durchaus wie ein großes Sportereignis klingen.
Die besten Soundmomente entstehen nicht allein durch den Motor, sondern durch die kleinen mechanischen Geräusche, die jeder Landung Gewicht verleihen.



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