Der Besessene Review

Ein unvollendeter Western von Marlon Brando und Karl Malden



Das Genre des Western, wie für Stanley Kubrick geschaffen? Für den Mann, der den einsamen Astronauten langsam im Weltraum sterben lässt, der sein Farbspiel exzessiv ins Detail ausarbeitet und der langen Einstellungen, wie man sie aus dem Meilenstein 2001 kennt, nie müde wurde? Es wäre durchaus interessant, wie sich wohl der Perfektionist mit diesem Genre angefreundet oder angefeindet hätte.
Beim Thema Anfeinden kommen wir auch gleich zu dem Grund, der wohl eine Regie von Seiten Kubricks verhinderte. Hauptdarsteller und ewiger Rebell Marlon Brando, "Der Pate" und so vieles mehr. Der ewige Rebell und der starrsinnige Perfektionist - eine Mischung, die nicht funktionierte.
Aus diesem Grund übernahm Marlon Brando selbst die Regie; am Ende entstanden so gute 3 Stunden Filmmaterial, die wiederum um ca. eine Stunde gekürzt wurden. Aber auch diese 2 Stunden Western in seiner einfühlsamen Photographie haben es in sich.

You ain't gettin' no older than tomorrow.
Die Geschichte ist einfach und insofern ein typischer Western. Die Desperados Rio (Marlon Brando) und Dad (Karl Malden) rauben gemeinsam eine Bank aus. Wie das so ist mit den Kriminellen: selbst die vertrauen sich nicht und so lässt Dad Rio hängen. Der wiederum wandert hinter schwedische Gardienen und in die Bleiminen, wobei ihn nach 5 Jahren die Flucht gelingt. Die einzige Motivation, das altbekannte Motiv, das den "Cowboy" jetzt noch antreibt: Rache, Rache und nochmals Rache.

Wenn es da nicht dieses Problem gäbe, denn mittlerweile wurde sein krimineller und flüchtiger Partner zum Sheriff einer Stadt namens Monterey an der kalifornischen Küste. Was für den typischen Western noch fehlt ist eine Prise Romantik und eine nicht unbedeutende Liebe. Es trifft sich für Rio ganz gut, dass Dad mittlerweile verheiratet ist und und eine Tochter besitzt, auf diese wirft er vorerst oberflächlich ein Auge, doch schnell muss er bemerken, wie mächtig Emotionen doch sein können. . .

You've been tryin' to get yourself hung for the last fifteen years Kid. This time I think you might have mad
Seine einzige Regiearbeit. Aber was für eine, ein genreuntypisches Setting nahe der schönen Küste mit unvergesslichen Szenen, eine Erzählweise, die langsam und leidend dahin schreitet wie der zerrissene Charakter zwischen den Stühlen der Gefühle und Ambitionen selbst.

Und bei all den Klischees gibt es doch wenigsten den Charakter von Karl Malden, vom gesetzlosen Verbrecher zum verlogenen Saubermann - eine Stellungnahme Brandos kontra die verlogenen Werte des Bürgertums, ganz der alte, bekannte Aufmischer.

Hinter der Kamera stand Charles Lang (Some Like It Hot), der große Gefühls-Score stammt von Hugo Friedhofer (Der Blaue Engel) - für stilistische Perfektion auf allen Ebenen ist ausreichend gesorgt, nur bei der Tonqualität muss man aufgrund des chronologischen Kontexts (1961) einige Abstriche machen, die deutsche Tonspur ist bei enorm aufgedrehter Lautstärke gerade so eben zu verstehen, sehr leidig für den Großteil, dass keine Untertitel vorhanden sind.

An "Extras" vorhanden: die Titelsequenz in der deutschen Version (2:03 Minuten) sowie ein Trailer von 4 Minuten Länge. Die Art des Trailers ist noch hervorzuheben, die Vermischung von stillstehenden Bildern und Film ist einen Blick wert, so wie "Der Besessene" bzw. One-Eyed Jacks ein sehenswerter Western der 60er ist, daran rüttelt auch nicht die vergangene Aufsicht auf eine Regiearbeit von Stanley Kubrick.

FAZIT

Pathetisch, leidenschaftlich, knallhart: Western pur, was man vom DVD-Material bzw. dessen Inhalt leider nicht behaupten kann, der Film hätte mehr verdient.

Uewkes (Spielemagazin.de)

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Spielemagazin-Wertung: 85%
Ein unvollendeter Western von Marlon Brando und Karl Malden

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