Niedliche Tiere gegen die Verderbnis des Waldes
Packmates wurde von Digital Confectioners entwickelt und veröffentlicht. Eine komplexe Geschichte solltest Du dabei nicht erwarten. Eine mysteriöse Verderbnis breitet sich im Wald aus und unsere tierischen Helden ziehen los, um Monster, Geister, Schleime und andere Kreaturen aus dem Weg zu räumen.Das Szenario liefert damit vor allem einen sympathischen Rahmen für das eigentliche Roguelite. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Packmates mit jeweils eigenen spielerischen Schwerpunkten. Der Wolf konzentriert sich beispielsweise stärker auf Nahkampf, während das Kaninchen mit Fernkampfwaffen arbeitet. Eule, Katze und Waschbär erweitern das Spektrum um defensive, beschwörungsbasierte beziehungsweise magische Spielweisen. Hinzu kommen alternative Klassen, die weitere Möglichkeiten eröffnen.
Dadurch verändert die Charakterwahl tatsächlich die Herangehensweise. Packmates möchte nicht lediglich verschiedene Tiermodelle über dieselben Fähigkeiten legen, sondern jedem Helden eine erkennbare Identität geben. Gleichzeitig werden während des Spielens zusätzliche Gegenstände und permanente Verbesserungen freigeschaltet.
Der Standard Adventure Mode führt durch drei Akte mit unterschiedlichen Gebieten, Gegnern und Bossen. Wer danach noch nicht genug hat, kann im Endless Adventure weiterspielen und versuchen, immer stärkeren Gegnerwellen möglichst lange standzuhalten. Legendäre Gegenstände und Bestenlisten liefern zusätzliche Motivation.
Packmates sieht niedlich aus, entwickelt unter seiner bunten Oberfläche aber erstaunlich schnell einen ziemlich ernsthaften Optimierungszwang.
Der eigentliche Kampf beginnt im Rucksack
Die zentrale Idee von Packmates ist ausgesprochen clever. Während eines Runs sammelst Du zahlreiche Gegenstände ein und musst entscheiden, was davon in Deinem begrenzten Inventar landet. Anders als bei gewöhnlichen Rollenspielen geht es allerdings nicht nur darum, möglichst starke Ausrüstung mitzunehmen.Entscheidend ist ihre Position. Viele Gegenstände besitzen sogenannte Adjacency-Effekte und beeinflussen damit Objekte auf benachbarten Feldern. Plötzlich wird Inventarverwaltung zu einem kleinen räumlichen Puzzle. Eine Waffe könnte deutlich stärker werden, wenn das passende Schmuckstück unmittelbar danebenliegt. Dafür muss vielleicht ein anderer Gegenstand verschoben oder sogar aussortiert werden.
Zusätzliche Taschenfelder können nach und nach freigeschaltet werden. Das löst das Platzproblem allerdings nur vorübergehend, denn natürlich findet man anschließend noch mehr Gegenstände, die man unbedingt behalten möchte.
Genau daraus zieht Packmates einen erheblichen Teil seiner Motivation. Nach einem Fund öffnet man eben nicht nur das Inventar, vergleicht zwei Zahlen und nimmt anschließend den Gegenstand mit dem höheren Wert. Stattdessen beginnt das Verschieben. Was passiert, wenn wir diesen Gegenstand hier platzieren? Können wir noch einen zusätzlichen Effekt aktivieren? Lohnt es sich, dafür eine andere Waffe herauszuwerfen?
In Packmates kann ein perfekt eingeräumter Rucksack wertvoller sein als ein einzelner legendärer Gegenstand.
Auf dem eigentlichen Schlachtfeld bewegt sich Packmates deutlich näher an bekannten Survivor-Roguelites. Gegner strömen aus verschiedenen Richtungen heran, während der eigene Build möglichst effizient Schaden produziert. Ziele innerhalb der einzelnen Gebiete sorgen dafür, dass man nicht ausschließlich ziellos durch die Karte läuft. Am Ende eines Aktes wartet außerdem ein Boss, der Schwächen eines schlecht zusammengestellten Builds ziemlich zuverlässig offenlegt.
Die Kämpfe machen Spaß, sind für sich genommen allerdings nicht außergewöhnlich. Die besondere Qualität entsteht aus dem Zusammenspiel mit dem Inventarsystem. Der Kampf ist letztlich der Test dafür, ob die zuvor zusammengestellte Kombination tatsächlich funktioniert.
Besonders interessant wird Packmates im Koop. Bis zu drei Spieler können gemeinsam antreten und Gegenstände untereinander austauschen. Dadurch muss nicht jeder Fund zum eigenen Charakter passen. Ein Gegenstand, den wir selbst überhaupt nicht benötigen, könnte perfekt zum Build eines Mitspielers passen. Genau dadurch fühlt sich der Mehrspielermodus tatsächlich kooperativ an und nicht bloß wie drei Einzelspieler, die zufällig dieselbe Karte benutzen.
Ganz ohne Wiederholungen kommt Packmates allerdings nicht aus. Wie bei vielen Survivor-Roguelites kennt man nach mehreren Runs Gegner, Abläufe und wesentliche Strukturen. Unterschiedliche Helden, Klassen, Relikte und Gegenstandskombinationen federn das gut ab, verhindern aber nicht vollständig, dass sich bestimmte Phasen irgendwann vertraut anfühlen.
Pixeltiere und Effektgewitter bleiben erstaunlich übersichtlich
Grafisch setzt Packmates auf eine farbenfrohe 2.5D-Pixeloptik. Die tierischen Helden besitzen viel Persönlichkeit und unterscheiden sich deutlich voneinander. Auch Gegner und Umgebungen folgen dem sympathischen Fantasy-Stil.Gerade bei einem Survivor-Spiel ist allerdings weniger entscheidend, wie hübsch ein einzelner Baum aussieht, sondern ob das Geschehen lesbar bleibt, sobald zahlreiche Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm erscheinen. Packmates löst diese Aufgabe überwiegend gut. Gegner, Projektile und wichtige Effekte lassen sich auch in hektischeren Situationen noch ausreichend voneinander unterscheiden.
Natürlich kommt irgendwann der Moment, an dem starke Builds ein kleines Effektgewitter produzieren. Dann fliegen Geschosse durch die Gegend, Beschwörungen kämpfen neben uns und Gegner verschwinden teilweise innerhalb weniger Sekunden. Eine gewisse Unübersichtlichkeit gehört bei diesem Genre fast schon zur Tradition.
Wenn der perfekt sortierte Rucksack funktioniert, verwandelt sich Packmates gerne vom niedlichen Waldabenteuer in ein kleines Effektgewitter.
Eine grafische Referenz ist Packmates natürlich nicht. Das möchte das Spiel aber auch gar nicht sein. Art Design, klare Figuren und gute Lesbarkeit sind hier wichtiger als technische Effekte. Diesen Zweck erfüllt die Präsentation überzeugend.
Schnell verstanden, lange optimiert
Bei der Steuerung profitiert Packmates davon, dass viele Angriffe automatisiert ablaufen. Der Spieler kann sich dadurch stärker auf Positionierung, Ausweichen und natürlich die Entwicklung seines Builds konzentrieren.Mit Maus und Tastatur funktioniert insbesondere die Inventarverwaltung angenehm direkt. Gegenstände werden verschoben, kombiniert und neu angeordnet, bis die gewünschten Synergien entstehen. Weil dieser Teil einen so großen Anteil an der Spielerfahrung besitzt, ist eine saubere Bedienung besonders wichtig.
Auch Controller werden unterstützt. Das Spiel lässt sich dadurch ebenfalls bequem abseits des klassischen Schreibtisch-Setups spielen. Die grundlegenden Aktionen sind schnell verstanden und Packmates überfordert Einsteiger nicht mit einer großen Zahl komplizierter Tastenkombinationen.
Erfreulich ist außerdem die deutsche Benutzeroberfläche. Gerade weil Gegenstandsbeschreibungen und Effekte für den Aufbau eines funktionierenden Builds wichtig sind, erleichtert die Übersetzung den Einstieg deutlich.
Die Herausforderung entsteht deshalb weniger durch die Bedienung als durch Entscheidungen. Packmates lässt sich leicht steuern, aber nicht zwangsläufig leicht meistern. Wer das Maximum aus seinen Gegenständen herausholen möchte, beschäftigt sich irgendwann ziemlich intensiv damit, welche Kombination auf welchem Feld den größten Vorteil bringt.
Charmanter Waldkampf ohne akustische Überraschungen
Akustisch begleitet Packmates seine farbenfrohe Präsentation mit einer passenden Fantasy-Kulisse. Angriffe, Treffer und Fähigkeiten besitzen genügend Rückmeldung, um auch innerhalb größerer Gegnergruppen nachvollziehen zu können, was gerade passiert.Gerade bei starken Builds steigt die akustische Intensität gemeinsam mit dem visuellen Chaos. Mehrere Waffen, Beschwörungen und Effekte arbeiten gleichzeitig, während immer neue Gegner auf den Bildschirm strömen. Das vermittelt gut, wie stark der eigene Charakter inzwischen geworden ist.
Die Musik hält sich dabei ausreichend im Hintergrund, um bei längeren Sessions nicht zu nerven. Gleichzeitig fehlen uns allerdings jene besonders markanten Stücke, die auch nach dem Ausschalten des Spiels im Gedächtnis bleiben würden.
Das ist kein großes Problem, weil Packmates seine Motivation ohnehin aus anderen Bereichen zieht. Wir starten den nächsten Run nicht, weil wir unbedingt einen bestimmten Song noch einmal hören möchten, sondern weil wir ausprobieren wollen, ob die nächste Kombination aus Waffen, Trinkets und Adjacency-Effekten noch besser funktioniert.
Unterm Strich erfüllt der Sound seine Aufgabe zuverlässig, ohne zu den herausragenden Bestandteilen des Spiels zu gehören. Gerade im Koop und während größerer Kämpfe entsteht allerdings eine angenehm lebendige Geräuschkulisse, die gut zum charmanten Chaos auf dem Bildschirm passt.



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