Monate der Unsicherheit
Schon im Sommer hatte Xbox angekündigt, insgesamt fünf Studios zu schließen und rund 1.600 Stellen abzubauen - Ninja Theory war von Anfang an eines der Studios auf der Streichliste. Zunächst gab es jedoch Hoffnung: Microsoft verhandelte offenbar mit zwei unterschiedlichen Interessenten über einen möglichen Verkauf des Cambridge-Studios. Am 22. September erklärte Xbox-Manager Matt Booty jedoch, dass beide Gespräche gescheitert seien. "Leider sind zwei separate Vereinbarungen für Ninja Theory nicht zustande gekommen. Wir beginnen nun die Konsultationen mit den Mitarbeitenden über eine geplante Schließung, während wir weiterhin andere Wege prüfen", so Booty damals.Dass diese Ankündigung keine reine Formalie war, zeigt sich nun: Seit dem 5. Oktober häufen sich die Berichte betroffener Angestellter, die ihre Stellen tatsächlich verlieren. Der offizielle Konsultationsprozess nach britischem Arbeitsrecht läuft damit auf sein Ende zu.
Was aus Senua wird, ist offen
Besonders bitter ist die Entwicklung für Fans der Hellblade-Reihe. Ninja Theory hatte erst Anfang des Jahres ein drittes Kapitel der Geschichte um die keltische Kriegerin Senua angekündigt, intern schlicht "Senua" genannt. Laut mehreren Berichten aus dem Entwicklerumfeld ist es inzwischen unwahrscheinlich, dass dieses Projekt jemals erscheinen wird, sollte sich an der Lage des Studios nichts mehr ändern. Offiziell gestrichen ist das Spiel zwar nicht, doch ohne ein funktionierendes Studio im Hintergrund fehlt schlicht das Team, das es fertigstellen könnte.Ninja Theory zählt mit Spielen wie "Heavenly Sword", "Enslaved: Odyssey to the West", "DmC: Devil May Cry" und vor allem der Hellblade-Reihe zu den profiliertesten britischen Entwicklerstudios der vergangenen 15 Jahre. Besonders "Hellblade: Senua's Sacrifice" und das Nachfolgewerk "Senua's Saga: Hellblade 2" wurden für ihre ungewöhnlich eindringliche Darstellung psychischer Erkrankungen gelobt.
Xbox betont weiterhin, parallel zum Konsultationsprozess nach alternativen Lösungen zu suchen. Ob sich daraus noch eine Rettung für einen Teil des Teams oder der laufenden Projekte ergibt, ist derzeit aber nicht absehbar. Für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet die aktuelle Entwicklung vor allem eines: Gewissheit über eine Zukunft, die seit Monaten in der Schwebe hing.
Gegründet wurde das Studio bereits im Jahr 2000, zunächst unter dem Namen Just Add Monsters, bevor es sich in Ninja Theory umbenannte und 2018 von Microsoft übernommen wurde. Die Einbindung in Xbox Game Studios sollte dem Team eigentlich mehr Sicherheit für aufwendige Produktionen verschaffen. Dass es nun ausgerechnet dieses Studio trifft, wird in der Branche als weiteres Zeichen dafür gelesen, wie stark Microsoft seine Entwicklerlandschaft seit der Activision-Blizzard-Übernahme umbaut.


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