Von der Eventbranche hinein ins Reich der Pilze
Dass „Gibt's denn schon Pilze?“ persönlicher ausfällt als viele Naturführer, hängt unmittelbar mit Peggi Rudischhauser zusammen. Sie wuchs im Mittleren Erzgebirge auf, verbrachte später viele Jahre in Köln und arbeitete lange als selbstständige Eventmanagerin. Mit der Corona-Zeit kam ein ziemlich radikaler Bruch. Das vorher von Terminen und Veranstaltungen geprägte Leben stand plötzlich still und Rudischhauser kehrte schließlich zurück in ihre Heimat.Dort entwickelte sich die Beschäftigung mit Pilzen zu weit mehr als einem gelegentlichen Waldspaziergang. Heute ist sie Pilzsachverständige und PilzCoach und vermittelt unter dem Namen Macshroomster ihre Begeisterung auch über soziale Medien. Diese ungewöhnliche Biografie ist für das Buch wichtig, denn Rudischhauser schreibt nicht aus der Distanz einer wissenschaftlichen Beobachterin. Pilze sind für sie mit einer persönlichen Veränderung verbunden.
Dieses Buch möchte Dir nicht nur zeigen, welche Pilze im Wald wachsen - es möchte erreichen, dass Du überhaupt wieder genauer hinschaust.
Ein ganzes Jahr zwischen Moos, Maronen und Myzel
Besonders sympathisch ist die Idee, die Pilzwelt entlang des Jahresverlaufs zu entdecken. Wer beim Stichwort Pilzsaison ausschließlich an einen feuchten Herbsttag und einen Korb voller Steinpilze denkt, dürfte hier schon die erste Überraschung erleben. Pilze sind eben kein Thema für ein paar Wochen im September und Oktober. Im Jahresverlauf verändert sich vielmehr, was sich entdecken lässt und worauf Du achten solltest.Peggi Rudischhauser verbindet diese Reise mit Grundlagenwissen, praktischen Erfahrungen und kleinen Geschichten. Dabei bleibt der Ton locker und zugänglich. Begriffe werden erklärt, ohne dass daraus ein Biologielehrbuch entsteht. Auch die notwendige Ausrüstung und das richtige Verhalten bei der Suche spielen eine Rolle. Zahlreiche farbige Abbildungen unterstützen den Ansatz, die Faszination nicht nur zu beschreiben, sondern sichtbar zu machen.
Das funktioniert vor allem deshalb gut, weil „Gibt's denn schon Pilze?“ Neugier erzeugt. Selbst wenn Du bislang kaum Interesse an Pilzen hattest, ertappst Du Dich irgendwann bei dem Gedanken, beim nächsten Waldspaziergang vielleicht doch einmal genauer auf den Boden und an abgestorbenes Holz zu schauen.
Pilzwissen ohne erhobenen Zeigefinger
Sehr angenehm ist, dass Rudischhauser ihr Wissen nicht demonstrativ vor sich herträgt. Pilzkunde kann für Einsteiger nämlich schnell einschüchternd wirken. Arten ähneln sich, deutsche und wissenschaftliche Bezeichnungen stehen nebeneinander und spätestens bei giftigen Doppelgängern wird aus der gemütlichen Suche eine Angelegenheit, bei der fundiertes Wissen entscheidend sein kann.Das Buch senkt diese Einstiegshürde. Humor, persönliche Erfahrungen und sogenannte Fun Facts lockern die Wissensvermittlung auf. Dadurch eignet es sich hervorragend für Menschen, die sich bislang noch nicht intensiver mit Pilzen beschäftigt haben. Erfahrene Pilzsammler werden dagegen naturgemäß vieles bereits kennen und sollten keinen enzyklopädischen Anspruch erwarten.
„Gibt's denn schon Pilze?“ funktioniert am besten, wenn Du es nicht als Lexikon verstehst, sondern als Einladung, selbst neugierig zu werden.
Warum der persönliche Ansatz so gut funktioniert
Gerade die Verbindung zwischen Pilzwissen und Rudischhausers eigener Geschichte hebt das Buch von nüchternen Naturführern ab. Der Wald erscheint hier nicht bloß als Fundort für essbare Arten. Es geht auch um Ruhe, Aufmerksamkeit und darum, sich auf eine Umgebung einzulassen, an der wir häufig ziemlich achtlos vorbeilaufen.Dabei wird das Ganze erfreulicherweise nicht zur esoterischen Naturerweckung. Rudischhauser besitzt schlicht eine ansteckende Begeisterung für ihr Thema. Das merkt man an kleinen Beobachtungen ebenso wie an der Art, mit der vermeintlich unscheinbare Pilze plötzlich interessant werden. Dass sie durch ihre Social-Media-Arbeit gewohnt ist, Wissen niedrigschwellig und unterhaltsam zu vermitteln, kommt dem Buch zugute.
Nach der Lektüre ist der Wald noch derselbe - aber die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich groß, dass Du ihn mit anderen Augen betrittst.




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