Robert Pattinson spielt Mickey Barnes, der gemeinsam mit seinem Freund Timo die Erde verlässt und sich einer Expedition zum eisigen Planeten Niflheim anschließt. Weil Mickey keine sonderlich gefragten Qualifikationen vorweisen kann, unterschreibt er als sogenannter Expendable. Seine Aufgabe besteht darin, Arbeiten zu übernehmen, bei denen ein normaler Mensch vermutlich dankend ablehnen würde. Stirbt Mickey, wird einfach ein neuer Körper hergestellt und mit seinen zuvor gespeicherten Erinnerungen ausgestattet. Mickey 17 ist, wie der Name bereits verrät, längst nicht die erste Ausgabe dieses menschlichen Verbrauchsartikels.
Mickey 17 macht aus dem ewigen Leben keinen Menschheitstraum, sondern einen ziemlich miserablen Arbeitsvertrag.
Robert Pattinson zwischen Tragik und herrlichem Wahnsinn
Der große Trumpf des Films ist Robert Pattinson. Sein Mickey ist weder klassischer Actionheld noch besonders mutig oder souverän. Er stolpert vielmehr mit einer Mischung aus Gutgläubigkeit, Resignation und erstaunlicher Leidensfähigkeit durch seine Existenz. Pattinson gibt ihm eine ungewöhnliche Stimme, eine etwas unbeholfene Körpersprache und genau jene Portion Absurdität, die Bong Joon Hos Inszenierung benötigt.Besonders spannend wird das Konzept, als die vermeintlich perfekte Wiederverwertung des Menschen nicht mehr ganz so reibungslos funktioniert wie vorgesehen. Mehr sollte man darüber tatsächlich nicht wissen. Gerade hier darf Pattinson zeigen, wie viel er aus der ungewöhnlichen Ausgangslage herausholen kann. Dass Mickey 17 trotz seiner philosophischen Fragen niemals zu einem trockenen Gedankenexperiment wird, liegt erheblich an seiner Performance.
Naomi Ackie sorgt als Nasha zudem dafür, dass Mickey emotional nicht völlig im luftleeren Raum schwebt. Steven Yeun verkörpert Timo mit deutlich opportunistischeren Zügen, während Toni Collette und Mark Ruffalo die groteskere Seite des Films bedienen. Vor allem Ruffalo spielt Expeditionsleiter Kenneth Marshall bewusst überzeichnet. Das funktioniert häufig ausgesprochen gut, kann allerdings auch anstrengend werden, weil Bong seine Satire keineswegs versteckt.
Science-Fiction mit deutlicher Gesellschaftskritik
Wer Parasite, Snowpiercer oder Okja kennt, wird kaum überrascht sein, dass auch Mickey 17 hinter seiner Genre-Fassade ziemlich deutlich über gesellschaftliche Hierarchien spricht. Hier wird menschliches Leben buchstäblich zur austauschbaren Ressource. Mickey kann gefährliche Aufgaben übernehmen, Krankheiten ausgesetzt werden oder sterben, weil für die Verantwortlichen jederzeit Ersatz aus dem Drucker kommen kann.Daraus entwickelt der Film Fragen, die interessanter sind als die reine Klon-Idee. Was macht einen Menschen eigentlich einzigartig? Sind Erinnerungen ausreichend, um Identität zu reproduzieren? Und welchen Wert besitzt ein Leben in einem System, das Menschen ausschließlich anhand ihres Nutzens betrachtet?
Die stärksten Momente entstehen immer dann, wenn hinter dem absurden Humor plötzlich eine ziemlich unangenehme Wahrheit sichtbar wird.
Niflheim sieht beeindruckend kalt und unangenehm aus
Optisch liefert Mickey 17 überzeugende Science-Fiction, ohne permanent mit Effekten protzen zu wollen. Das Raumschiff wirkt funktional und bedrückend, Niflheim präsentiert sich als unwirtliche Eiswelt und auch die außerirdischen Lebensformen besitzen genügend Eigenständigkeit, um nicht wie das nächste austauschbare CGI-Monster zu wirken. Kameramann Darius Khondji findet dabei immer wieder starke Bilder zwischen industrieller Tristesse und eisiger Weite.Auch Jung Jae-ils Musik unterstützt den ungewöhnlichen Tonfall, der zwischen schwarzer Komödie, Science-Fiction-Abenteuer und gesellschaftlicher Satire pendelt. Genau diese Mischung ist gleichzeitig Stärke und Schwäche. Mickey 17 möchte enorm viel erzählen. Nicht jeder Gedanke bekommt dadurch den Raum, den er verdient.
Mit deutlich über zwei Stunden Laufzeit macht sich das vor allem im Mittelteil bemerkbar. Einige Passagen könnten straffer erzählt sein, während andere Ideen überraschend schnell abgehandelt werden. Der Film verliert dadurch zeitweise seinen Rhythmus, bevor er wieder eine Szene hervorzaubert, die so merkwürdig, komisch oder visuell einprägsam ist, dass man ihm die vorherige Länge beinahe wieder verzeiht.
Ein ungewöhnlicher Blockbuster mit Ecken und Kanten
Gerade im Vergleich zu vielen glattgebügelten Großproduktionen fühlt sich Mickey 17 erfreulich eigenwillig an. Hier ist deutlich zu erkennen, dass ein Regisseur mit eigener Handschrift hinter der Kamera sitzt. Bong Joon Ho verbindet ein stattliches Budget mit Ideen, die für einen großen Hollywood-Film erstaunlich sonderbar sein dürfen.Mickey 17 ist kein perfekter Science-Fiction-Film, aber einer, bei dem Du nach zwei Stunden ziemlich genau weißt, wer ihn gedreht hat.



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