Zornheym - Descending Into Madness Review

Düsteres Kopfkino zwischen Symphonic Death Metal, Wahnsinn und orchestraler Wucht



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Foto: Jens Rydén. Mehr zum Thema Transparenz.

Zornheym haben noch nie Musik gemacht, die sich einfach nebenbei konsumieren lässt. Die Schweden verstehen ihre Alben vielmehr als düstere Gesamtkunstwerke, in denen extreme Metal-Spielarten, orchestrale Arrangements und morbide Geschichten ineinandergreifen. Descending Into Madness setzt diesen Weg konsequent fort. Das dritte Studioalbum erscheint am 2. Oktober 2026 über Noble Demon und folgt fünf Jahre nach The Zornheim Sleep Experiment. Schon der Titel verrät dabei ziemlich deutlich, wohin die Reise führt: hinab in menschliche Abgründe.

Zornheym öffnen erneut die Tore zur Dunkelheit

Prologue - From the Depths of Sêlasee benötigt gerade einmal gut eine Minute, um die Kulisse aufzubauen. Statt sofort mit maximaler Härte loszulegen, erzeugen Zornheym zunächst Atmosphäre. Das funktioniert, denn Descending Into Madness möchte nicht einfach eine Sammlung möglichst brachialer Metal-Songs sein. Die Platte wirkt eher wie ein finsteres Theaterstück, bei dem jeder Titel ein weiteres Kapitel aufschlägt.

Mit Deus Rex fällt anschließend der eigentliche Startschuss. Symphonische Arrangements treffen auf harte Gitarren, extreme Vocals und jene theatralische Überhöhung, die längst zum Markenzeichen der Band geworden ist. Zornheym bewegen sich irgendwo zwischen Symphonic Death Metal und Black Metal, ohne sich wirklich bequem in eine dieser Schubladen legen zu lassen.
Descending Into Madness will Dich nicht einfach mit Härte erschlagen - Zornheym bauen eine eigene, morbide Welt und ziehen Dich Stück für Stück hinein.

Große Melodien treffen auf extreme Metal-Wucht

Somewhere Far Beyond zeigt anschließend, dass Zornheym trotz aller konzeptionellen Ambitionen durchaus kompakt schreiben können. Der Song bleibt unter vier Minuten und verbindet melodische Elemente mit der orchestralen Wucht des Albums. Gerade dieser Kontrast funktioniert hervorragend: Die Musik kann innerhalb kurzer Zeit zwischen bedrohlicher Schwere und beinahe hymnischen Passagen wechseln.

Mit Deep Below folgt dann das genaue Gegenteil. Fast neun Minuten nimmt sich die Band hier Zeit und liefert damit das mit Abstand längste Stück des regulären Albums. Das zusätzliche Format wird genutzt, um Spannung aufzubauen, Motive weiterzuentwickeln und die verschiedenen Bestandteile des Zornheym-Sounds ausführlicher auszuspielen. Hier zeigt sich allerdings auch eine kleine Schwäche: Wenn wirklich alles gleichzeitig groß, dramatisch und bedrohlich sein möchte, verliert der einzelne Höhepunkt etwas von seiner Wirkung.

Anneliese führt die Reise weiter und gehört schon aufgrund seines Titels zu jenen Stücken, die Neugier auf die dahinterliegende Geschichte wecken. Zornheym leben eben nicht allein von Gitarrenriffs und Growls. Die erzählerische Komponente ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Identität und sorgt dafür, dass Descending Into Madness mehr Aufmerksamkeit verlangt als ein gewöhnliches Genre-Album.

Zwischen Irrenhaus, Horror und schwarzer Romantik

Nach dem kurzen Alone in the Dark geht es mit Gallow's Oak wieder deutlich massiver zur Sache. The Funeral March trägt seine morbide Ausrichtung bereits im Namen und verbindet diese mit einer überraschend eingängigen Dramaturgie. Gerade hier funktioniert das Zusammenspiel aus Metal und orchestralen Elementen besonders gut. Statt dass ein Orchester lediglich Gitarren begleitet, werden beide Ebenen als gleichwertige Bestandteile der Komposition behandelt.
Wenn Zornheym ihre orchestrale Opulenz mit starken Riffs und klaren melodischen Motiven verbinden, entwickelt Descending Into Madness eine beeindruckende Sogwirkung.
Produktion, Mix und Mastering entstanden unter Beteiligung von Sverker Widgren in den Wing Studios in Stockholm. Das Klangbild fällt entsprechend massiv aus. Gitarren, Gesang und orchestrale Elemente besitzen genügend Raum, ohne dass die Produktion ihre gewünschte Dichte verliert. Gerade bei einem Album dieser Art ist das entscheidend, denn ein überladener Mix könnte aus der bewusst inszenierten Opulenz sehr schnell schlichtes Chaos machen.

Descending führt konsequent dem Finale entgegen

Der Titelsong Descending hält sich mit gut drei Minuten überraschend kurz und wirkt dadurch wie eine weitere Etappe auf dem Weg zum Finale. Come Sweet Death beendet die reguläre Fassung schließlich nach rund 39 Minuten. Das ist eine erstaunlich vernünftige Spielzeit für ein Album, das musikalisch derart viel auffährt. Zornheym vermeiden dadurch weitgehend, dass ihre eigene Theatralik ermüdet.

Auf CD kommen mit The Foreboding und None for All zwei weitere Stücke hinzu. Besonders None for All erweitert das eigentliche Album noch einmal um einen vollwertigen Song, während The Foreboding eher als kurzes verbindendes Element funktioniert. Wer die physische CD wählt, bekommt damit rund fünf Minuten zusätzliches Material.

Descend­ing Into Madness verlangt allerdings eine gewisse Bereitschaft, sich auf diesen Stil einzulassen. Wer geradlinigen Death Metal erwartet, könnte sich an den orchestralen Arrangements und dem ausgeprägten Hang zum Theater stören. Umgekehrt dürften Freunde symphonischer Extreme gerade daran ihre Freude haben. Die Schweden spielen ihre Stärken ohne erkennbare Angst vor Übertreibung aus.
Zornheym kennen auf Descending Into Madness kaum halbe Sachen: Wenn es düster wird, dann richtig - und wenn das Orchester einsetzt, darf es auch nach Weltuntergang klingen.
Nicht jeder Moment erreicht dabei dieselbe Wirkung und gelegentlich wäre etwas mehr Zurückhaltung sogar hilfreich. Insgesamt gelingt der Band aber erneut eine bemerkenswert eigenständige Verbindung aus extremem Metal, orchestraler Filmmusik und Horrorästhetik.

Tracklist

  1. Prologue - From the Depths of Sêlasee
  2. Deus Rex
  3. Somewhere Far Beyond
  4. Deep Below
  5. Anneliese
  6. Alone in the Dark
  7. Gallow's Oak
  8. The Funeral March
  9. Descending
  10. Come Sweet Death
  11. The Foreboding (CD Bonus Track)
  12. None for All (CD Bonus Track)

FAZIT

Descending Into Madness ist ein ambitioniertes und ausgesprochen atmosphärisches Album, auf dem Zornheym ihre Mischung aus extremem Metal, orchestraler Wucht und düsterem Storytelling weiter verfeinern. Besonders Deus Rex, Deep Below und The Funeral March zeigen, wie wirkungsvoll diese Verbindung sein kann. Gelegentlich übertreibt es die Band mit ihrer eigenen Opulenz ein wenig, denn wenn praktisch jeder Moment nach maximalem Drama verlangt, verlieren einzelne Höhepunkte zwangsläufig an Kraft. Dafür besitzt das Album Charakter, eine starke Produktion und vor allem eine Identität, die Zornheym deutlich von vielen Genre-Kollegen unterscheidet. Kein leichtes Nebenbei-Album, sondern ein finsteres Gesamterlebnis, auf das Du Dich einlassen musst - dann entfaltet Descending Into Madness aber eine beachtliche Sogwirkung.

Toobi (Spielemagazin.de)

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Spielemagazin-Wertung: 80%
Düsteres Kopfkino zwischen Symphonic Death Metal, Wahnsinn und orchestraler Wucht

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