Wenn Träume zur tödlichen Seuche werden
Im Zentrum des sechsten Studioalbums steht eine ebenso einfache wie unheimliche Prämisse: Was würde passieren, wenn Träume ansteckend wären? Auf Mahre dient der Schlaf nicht mehr als Zufluchtsort vor der Realität, sondern verwandelt sich in ein Übertragungsmedium. Die Träume verhalten sich wie ein hochinfektiöses Virus, das von einer schlafenden Person zur nächsten wandert und sich mit jeder Kontamination weiter verdunkelt. Was friedlich beginnt, endet in einem endlosen Alptraum, der seine Wirtskörper schlussendlich vollständig verschlingt.Dieses gedankliche Konzept spiegelt sich auch in der narrativen Struktur des Werks wider. Der Verstand verfängt sich in einer absurden Zeitschleife und verliert jegliche Orientierung. Niemand weiß mehr mit Sicherheit, ob er das Festland der Realität verlassen hat oder lediglich in ein verborgenes Reich gedriftet ist – ein ruiniertes Universum, das von einer uralten Bedrohung heimgesucht wird. Schatten verwandeln sich in Monde, Monde in Dämonen, während sich der Verfall wie ein endloses Labyrinth ausbreitet. In dieser düsteren Vision verschmelzen Seelen, infizieren sich gegenseitig und machen jeden Menschen zum unfreiwilligen Inkubator einer schleichenden Seuche. Selbst das Bewusstsein bringt keine Rettung, sondern nur die Erkenntnis, dass es längst zu spät ist. Der Morgen ist hierbei kein Neubeginn, sondern lediglich die Verlängerung der Nacht.
Kompromisslose Produktion und hypnotische Schwere
Musikalisch nutzen Rorcal die Tektonik des Doom Metal, die korrosive Härte des Black Metal, industrielle Abrasivität und die hypnotische Repetition des Drone, um die apokalyptische Atmosphäre des Konzepts hörbar zu machen. Die Genrerahmen dienen der Band keineswegs als bloße Stilzitate, sondern als Baumaterial für ein beklemmendes Gesamtkunstwerk. Das Ziel ist es, dass du dich beim Hören nicht nur von der Musik begleiten lässt, sondern dich direkt in dieser alptraumhaften Welt gefangen fühlst.Mahre wurde von Rorcal komplett in Eigenregie geschrieben, komponiert und produziert. Für die Aufnahmen, den Mix sowie das Mastering zeichnete Thomas „Drop“ Betrisey verantwortlich. Er sorgte dafür, dass die erdrückende Klangarchitektur des Albums ihren kompromisslosen Charakter behält. Die aktuelle Besetzung der Genfer Formation besteht aus Sänger Yonni Chapatte, Schlagzeuger und Elektroniker Ron Lahyani, den beiden Gitarristen Jean-Philippe Schopfer (ebenfalls Elektronik) und Diogo Almeida sowie Bassist Jeremy Spagnolo. Auch nach 20 Jahren Bandgeschichte suchen Rorcal Extremerfahrungen keineswegs nur über schiere Lautstärke oder Aggression, sondern vor allem durch Stimmung, Wiederholung und den langsamen Zerfall jeglicher Gewissheit.


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