Ein musikalischer Albtraum über infektiöse Träume
Inhaltlich dreht sich das Werk um eine zentral formulierte, beunruhigende Fragestellung: Was würde geschehen, wenn Träume wie ein biologisches Virus infektiös würden? Auf „Mahre“ wirst du mit einem Szenario konfrontiert, in dem der Schlaf nicht mehr als Zuflucht vor der Alltagswelt dient, sondern sich in ein Werkzeug der Ansteckung verwandelt. Die Träume springen im Konzept der Band von Schläfer zu Schläfer über und verfinstern sich mit jeder Übertragung weiter. Was als einfacher Schlaf beginnt, mündet schließlich in einen scheinbar endlosen Albtraum, der das Bewusstsein seiner Wirtspersonen vollständig zehrt.In dieser albtraumhaften Welt verliert der Verstand seine Orientierung. Schatten wandeln sich zu Dämonen, der schleichende Verfall formt ein undurchdringliches Labyrinth, und der Morgen ist nichts weiter als eine Verlängerung der Nacht. Das Erkennen des Zustands bietet dabei keine Rettung, sondern führt lediglich zur Gewissheit, dass die Kontamination längst vollzogen ist.
Musikalisch übersetzen Rorcal diese bedrückende Thematik in ein ebenso konpromissloses Klanggewand. Die fünf Schweizer kombinieren die erdrückende Langsamkeit des Doom Metal mit der aggressiven Schärfe des Black Metal, während repetitive Drone-Passagen und raue Industrial-Nuancen das Fundament festigen. Anstatt die verschiedenen Stile nebeneinander stehen zu lassen, verschmelzen sie zu einem monolithischen, klaustrophobischen Gesamtkunstwerk, das die thematisierte Ausweglosigkeit auch akustisch greifbar macht.
Produktion und Aufstellung der Band
Das gesamte Album wurde in Eigenregie von Rorcal geschrieben, komponiert und produziert. Den Feinschliff in Form von Aufnahme, Mix und Mastering übernahm Thomas „Drop“ Betrisey, der den beklemmenden Soundcharakter der Produktion präzise herausgearbeitet hat.Die aktuelle Besetzung der Genfer Formation besteht aus dem Sänger Yonni Chapatte, Schlagzeuger und Elektroniker Ron Lahyani, den Gitarristen Jean-Philippe Schopfer (der ebenfalls elektronische Elemente beisteuert) und Diogo Almeida sowie dem Bassisten Jeremy Spagnolo. Seit dem Debüt im Jahr 2006 blicken Rorcal mittlerweile auf sechs reguläre Studioalben sowie eine Vielzahl von kollaborativen Veröffentlichungen zurück. Auch nach 20 Jahren Bandgeschichte setzt die Gruppe weiterhin auf eine dichte Atmosphäre, psychologische Spannung und die gezielte Dekonstruktion gewohnter Hörgewohnheiten, statt sich rein auf Lautstärke zu verlassen. Mit „Mahre“ geht diese musikalische Reise im Herbst 2026 in die nächste Runde.


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