Dimmu Borgir - Grand Serpent Rising Review

Ein mächtiges Comeback mit alter Angriffslust, großer Klasse und etwas Überlänge



Dimmu Borgir - Grand Serpent Rising Review Bild Dimmu Borgir - Grand Serpent Rising Review Screenshot Dimmu Borgir - Grand Serpent Rising Review Foto

Acht Jahre nach Eonian melden sich Dimmu Borgir mit Grand Serpent Rising zurück. Dass zwischen zwei Studioalben der Norweger inzwischen beinahe eine kleine Ewigkeit liegen kann, gehört fast schon zum Arbeitsprinzip der Band. Silenoz und Shagrath veröffentlichen neue Musik erst dann, wenn jedes Detail an seinem vorgesehenen Platz sitzt. Das Ergebnis dieser Geduld sind 13 Stücke und fast 70 Minuten symphonischer Black Metal, die deutlich kraftvoller und unmittelbarer wirken als der stellenweise sehr geglättete Vorgänger.

Grand Serpent Rising trägt bereits im Titel die monumentale Wirkung, die Dimmu Borgir seit Jahrzehnten kultivieren. Die Schlange steht dabei nicht allein für das Böse, sondern für Erneuerung, Wachstum, Erkenntnis und Befreiung. Dieses Motiv des Häutens passt hervorragend zu einer Band, die ihre Identität nicht ablegt, sich aber spürbar von Teilen ihrer jüngeren Vergangenheit lösen möchte.
Qualität muss immer wichtiger sein als Quantität. Die kraftvollste schwarze Kunst lässt sich nicht erzwingen, ohne dabei ihre Essenz zu verlieren.
Silenoz
Grand Serpent Rising klingt tatsächlich nicht wie ein Album, das unter Zeitdruck entstanden ist. Die Arrangements sind komplex, die Übergänge genau durchdacht und die Spannungsbögen sorgfältig aufgebaut. Gleichzeitig besitzt die Platte wieder mehr Schmutz, Kälte und körperliche Energie. Dimmu Borgir wirken weniger wie ein orchestrales Großprojekt mit Metal-Begleitung und stärker wie eine tatsächlich gemeinsam spielende Band.

Weniger Orchester schafft mehr Raum für die Härte

Der wichtigste Unterschied zu Eonian liegt im zurückhaltenderen Einsatz von Chören und orchestralen Elementen. Sie bleiben ein unverzichtbarer Bestandteil des Dimmu-Borgir-Sounds, dominieren diesmal aber nicht jede freie Stelle. Stattdessen treten Gitarren, Schlagzeug und Shagraths Stimme deutlicher in den Vordergrund. Wenn die großen symphonischen Flächen schließlich einsetzen, entfalten sie gerade aufgrund dieser Zurückhaltung erheblich mehr Wirkung.
Wir haben die Chöre und die Orchestrierung etwas zurückgenommen. Diese Elemente gehören natürlich zu Dimmu Borgir, aber diesmal erscheinen sie nur dort, wo sie wirklich zusätzliche Kraft entfalten.
Silenoz
Diese Entscheidung tut dem Album ausgesprochen gut. Die Riffs sind besser erkennbar, Darays Schlagzeug besitzt eine natürliche Wucht und Shagraths Stimme wird nicht unter mehreren Schichten künstlicher Größe begraben. Grand Serpent Rising ist weiterhin opulent und theatralisch, erinnert aber stärker daran, dass Dimmu Borgir im Kern eine Extreme-Metal-Band sind.

Nach dem bedrohlichen Auftakt Tridentium beginnt Ascent mit jener Mischung aus Aggression, Kälte und verdrehter Schönheit, die den besten Werken der Norweger ihren besonderen Charakter verleiht. Dieser Einstieg gibt die Richtung des Albums vor. Die Musik bleibt aufwendig, aber die Härte muss nicht mehr ständig gegen die Inszenierung ankämpfen.

Die Energie der frühen Jahre trifft auf jahrzehntelange Erfahrung

Dimmu Borgir versuchen nicht, den rohen Klang ihrer Anfangszeit künstlich nachzustellen. Grand Serpent Rising greift vielmehr die Energie der frühen Neunziger auf und verbindet sie mit dem kompositorischen Wissen, das die Band in mehr als drei Jahrzehnten gesammelt hat. Du hörst hier weder ein nostalgisches Black-Metal-Album noch eine konsequente Fortsetzung von Eonian. Die Platte sucht einen Mittelweg zwischen ursprünglicher Wildheit und späterer Größe.

Gerade diese Verbindung macht das Album so überzeugend. Die Gitarren dürfen wieder schneiden und treiben, während Keyboards und Orchester für Atmosphäre und dramatische Tiefe sorgen. Die einzelnen Ebenen arbeiten häufiger miteinander, anstatt sich gegenseitig überbieten zu wollen. Dadurch besitzt die Musik trotz ihrer enormen Dichte eine überraschende Klarheit.

Produziert wurde Grand Serpent Rising erneut von Fredrik Nordström in Göteborg. Er hatte bereits an wichtigen Bandwerken wie Puritanical Euphoric Misanthropia, Death Cult Armageddon und In Sorte Diaboli mitgewirkt. Seine Rückkehr fühlt sich deshalb nicht wie ein Versuch an, vergangene Erfolge zu kopieren. Vielmehr knüpft die Produktion an eine Phase an, in der Dimmu Borgir Härte und orchestrale Größe besonders wirkungsvoll miteinander verbinden konnten.
Wir wollten, dass das Album wie Dimmu Borgir als live spielende Einheit klingt. Du hörst, was tatsächlich gespielt wurde: organisch und kraftvoll, ohne hyperquantisierte moderne Metal-Ästhetik und ohne Schreibmaschinen-Kickdrums.
Silenoz
Dieser Anspruch ist hörbar. Grand Serpent Rising besitzt die Präzision einer modernen Produktion, wirkt aber nicht vollständig am digitalen Raster ausgerichtet. Das Schlagzeug darf atmen, die Gitarren behalten ihre Konturen und selbst die großen Arrangements vermitteln noch das Gefühl menschlicher Bewegung.

Nach Galders Abschied kehren Silenoz und Shagrath zum Ursprung zurück

Der Abschied des langjährigen Gitarristen Galder im Jahr 2024 hätte eine empfindliche Lücke hinterlassen können. Stattdessen führte die personelle Veränderung dazu, dass Silenoz und Shagrath beim Schreiben wieder enger zusammenarbeiteten. In dieser Hinsicht erinnert der Entstehungsprozess an die frühen Jahre, als die beiden Musiker Ideen direkt miteinander austauschten und schneller entschieden, welche Ansätze tatsächlich zur Band passen.

Weniger Beteiligte bedeuteten dabei nicht weniger musikalische Vielfalt, sondern weniger Kompromisse. Der Kern vieler Kompositionen entstand erneut zwischen Silenoz und Shagrath, wurde anschließend aber von Daray am Schlagzeug, Victor Brandt am Bass, Gerlioz an den Keyboards und Damage an der Gitarre weiterentwickelt. Grand Serpent Rising klingt deshalb keineswegs nach einem isolierten Zweierprojekt, sondern nach einer konzentrierten Bandarbeit.

Über Jahre sammelten sich mehr Ideen an, als auf einem einzelnen Album Platz finden konnten. Zeitweise stand sogar genügend starkes Material für eine Doppelveröffentlichung bereit. Die eigentliche Herausforderung bestand daher nicht darin, neue Riffs zu schreiben, sondern lieb gewonnene Einfälle auszusortieren, die innerhalb eines vollständigen Songs nicht überzeugend genug funktionierten.

Das Ergebnis ist fokussierter, als die lange Laufzeit zunächst vermuten lässt. Die einzelnen Stücke besitzen klar erkennbare Identitäten und verbinden rasende Passagen, majestätische Mittelteile und atmosphärische Übergänge zu einem weitgehend geschlossenen Gesamtwerk.

Die Schlange wird zum Symbol innerer Verwandlung

Textlich folgt das Album einer spirituellen Entwicklung, ohne sich als starres Konzeptwerk zu verstehen. Transformation, die Auflösung des eigenen Egos und das Erwachen verborgener Kräfte ziehen sich als wiederkehrende Motive durch die Texte. Silenoz greift dabei auf esoterische Vorstellungen und die alchemistische Idee zurück, den bisherigen Zustand zu überwinden und das eigene Potenzial freizulegen.

Eine zentrale Rolle spielt die Kundalini, die auch als Schlangenkraft bezeichnet wird. Sie steht für eine schlummernde spirituelle Energie, die durch Disziplin, Meditation und Selbsterkenntnis geweckt werden kann. Die aufsteigende Schlange wird dadurch zum Sinnbild eines Menschen, der alte Begrenzungen abstreift und sich immer wieder neu erschafft.

Diese Gedanken passen zur Musik, die gleichermaßen körperlich und überhöht wirkt. Grand Serpent Rising richtet sich nicht nach außen gegen einen bestimmten Gegner, sondern häufig nach innen. Die Dunkelheit dient weniger als bloße Provokation denn als Raum für Erkenntnis, Veränderung und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst.

Einige Stücke werden erstmals seit längerer Zeit wieder auf Norwegisch vorgetragen. Besonders Ulvgjeld & Blodsodel profitiert von der Härte und dem natürlichen Rhythmus der Muttersprache. Inhaltlich beschäftigt sich das Stück mit Herkunft, Blutlinie und der Frage, was an kommende Generationen weitergegeben wird. Die Rückkehr zur norwegischen Sprache verstärkt das Gefühl, dass Dimmu Borgir auf diesem Album Teile ihrer eigenen Vergangenheit neu erschließen.

Grand Serpent Rising verlangt Zeit und Aufmerksamkeit

Mit einer Laufzeit von rund 69 Minuten ist das Album allerdings kein leichtes Zwischendurchvergnügen. Die Musik ist dicht, detailreich und nahezu permanent auf Wirkung ausgerichtet. Selbst mit reduzierter Orchestrierung bleiben Dimmu Borgir eine Band, die selten in kleinen Dimensionen denkt. Das kann über die gesamte Spielzeit durchaus ermüdend wirken.

Vor allem im letzten Drittel hätte eine noch strengere Auswahl die Wirkung gesteigert. Nicht jeder Abschnitt entwickelt eine ebenso einprägsame Identität wie die stärksten Stücke, und gelegentlich trägt die monumentale Produktion mehr als das eigentliche Songwriting. Einige Minuten weniger hätten Grand Serpent Rising vermutlich noch unmittelbarer und schlagkräftiger gemacht.

Trotzdem verliert sich das Album nur selten vollständig in seinem eigenen Aufwand. Dafür sind die rhythmischen Wechsel, die Gitarrenarbeit und Shagraths Präsenz zu stark. Mehrere Durchläufe sind notwendig, um die zahlreichen Details und wiederkehrenden Motive zu erfassen. Grand Serpent Rising wächst dadurch mit der Zeit, verlangt von Dir aber auch die Bereitschaft, Dich auf seine enorme Dichte einzulassen.

Das stärkste Dimmu-Borgir-Album seit vielen Jahren

Grand Serpent Rising ist keine Rückkehr zum unverfälschten Black Metal der frühen Bandjahre. Dimmu Borgir bleiben eine große, filmisch denkende und bisweilen maßlos wirkende Formation. Doch auf diesem Album stimmt das Verhältnis zwischen Härte, Atmosphäre und Orchestrierung deutlich besser als zuletzt.

Die erneute Zusammenarbeit mit Fredrik Nordström, die engere kreative Verbindung zwischen Silenoz und Shagrath sowie der bewusst organischere Klang verleihen der Platte eine erneuerte Identität. Sie blickt zurück auf Puritanical Euphoric Misanthropia und Death Cult Armageddon, ohne deren Wirkung einfach nachbauen zu wollen.

Die lange Spielzeit und einige überladene Momente verhindern den vollkommenen Triumph. Dennoch ist Grand Serpent Rising ein eindrucksvolles Comeback und eines der stärksten Werke der späteren Bandgeschichte. Dimmu Borgir haben ihre Haut abgestreift, ohne darunter eine fremde Gestalt zum Vorschein zu bringen. Die große Schlange ist noch immer dieselbe - aber sie bewegt sich wieder gefährlicher als zuvor.

Tracklist

  1. Tridentium
  2. Ascent
  3. As Seen in the Unseen
  4. The Qryptfarer
  5. Ulvgjeld & Blodsodel
  6. Repository of Divine Transmutation
  7. Slik Minnes en Alkymist
  8. Phantom of the Nemesis
  9. The Exonerated
  10. Recognizant
  11. At the Precipice of Convergence
  12. Shadows of a Thousand Perceptions
  13. Gjǫll

FAZIT

Grand Serpent Rising ist eine eindrucksvolle Rückkehr, die Dimmu Borgirs orchestrale Größe wieder stärker mit der Härte einer tatsächlich spielenden Metal-Band verbindet. Die zurückgenommenen Chöre schaffen Platz für prägnantere Gitarren, ein organisches Schlagzeug und Shagraths dominante Stimme. Fredrik Nordströms Produktion schlägt überzeugend die Brücke zu einigen der stärksten Werke der Band. Mit rund 69 Minuten gerät das Album stellenweise etwas zu ausladend, und nicht jede Passage rechtfertigt ihre monumentale Inszenierung. Insgesamt ist es jedoch das fokussierteste und kraftvollste Dimmu-Borgir-Album seit vielen Jahren.

Danilo (Spielemagazin.de)

Wie wir bewerten. Mehr zum Thema Transparenz.

Spielemagazin-Wertung: 86%
Ein mächtiges Comeback mit alter Angriffslust, großer Klasse und etwas Überlänge

Noch keine Kommentare. Starte die Diskussion!



Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten, die mit gekennzeichnet sind. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Für dich ändert sich nichts, auch nicht am Preis, aber du unterstützt dieses Projekt. Dieser Beitrag wurde mithilfe generativer KI erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr zur Transparenz.

Dies wird dich interessieren...
DIMMU BORGIR SPIELEN SPECIAL SHOW IN NORWEGEN MIT ORCHESTER & CHOR

Exklusive Show mit Orchester und Chor, einziger Auftritt im Sommer 2011.



Celine Cairo - Panacea

Ein stilles, eindringliches Album, das Verletzlichkeit in neue Kraft verwandelt



Werbefläche buchen
Weiterleitung zu YouTube
Werbefläche buchen
Bijou
Tag der Videospiele: Welche Games prägten dich? von Bijou am 12.09.2026 08:51
Anonymous
Tag der Videospiele: Welche Games prägten dich? von Anonymous am 12.09.2026 08:51
Captain
Sharkoon SGH40W von Captain am 09.09.2026 17:34
Anonymous
Sharkoon SGH40W von Anonymous am 09.09.2026 17:34
Redakteur werden bei Spielemagazin.de
Wir suchen Verstärkung für unsere Redaktion.

DU LIEBST SPIELE, FILME, MUSIK ODER BÜCHER? MACH MIT!

Veröffentliche Tests und News, führe Interviews oder werde Teil unseres Podcast-Teams.

Redakteur werden

Werbefläche buchen