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The Last House Review

Ein packender Überlebenskampf, dem zum Ende hin die Luft ausgeht



The Last House Review Bild The Last House Review Screenshot The Last House Review Foto

Du wachst morgens auf, möchtest die Haustür öffnen und stellst fest, dass es keinen Weg mehr nach draußen gibt. Fenster und Türen sind durch eine unerklärliche schwarze Barriere versiegelt, das Mobilfunknetz ist zusammengebrochen und niemand kann sagen, ob überhaupt noch eine Welt außerhalb des Hauses existiert. The Last House beginnt mit einer ebenso einfachen wie wirkungsvollen Idee und verwandelt einen vertrauten Rückzugsort innerhalb weniger Minuten in ein Gefängnis. Gerade während seiner ersten Hälfte entwickelt der Science-Fiction-Thriller daraus eine beklemmende Spannung, die er später leider nicht halten kann.

Das eigene Zuhause wird zur tödlichen Falle
Ann und Jason führen mit ihren beiden Kindern Ruth und Graham ein weitgehend gewöhnliches Familienleben. Dann werden sie ohne Vorwarnung in ihrem Haus eingeschlossen. Die Wände lassen sich nicht durchbrechen, jeder Fluchtversuch scheitert und die verfügbaren Vorräte reichen nur für begrenzte Zeit. Durch kleine Öffnungen können sie erkennen, dass auch die umliegenden Häuser betroffen sind. Eine Erklärung für das Phänomen gibt es jedoch nicht.

Regisseur Louis Leterrier inszeniert diese ersten Minuten erstaunlich kontrolliert. Statt sofort auf große Effekte oder hektische Action zu setzen, konzentriert er sich auf die naheliegenden Fragen. Was befindet sich noch im Kühlschrank? Wie lange reicht das Wasser? Können Nachbarn miteinander kommunizieren? Und was passiert, wenn die Menschen erkennen, dass keine Rettung kommt? Der Film vermittelt glaubwürdig, wie schnell alltägliche Gegenstände plötzlich überlebenswichtig werden.

The Last House erzeugt seine stärkste Spannung aus dem Gegensatz zwischen vertrauter Umgebung und vollständiger Hilflosigkeit. Jedes Zimmer ist bekannt, aber keines bietet einen Ausweg. Das Haus schützt die Familie vor einer unbekannten Gefahr und hält sie gleichzeitig gefangen. Kleine Veränderungen, merkwürdige Geräusche und ungewöhnliche Vorgänge rund um das Gebäude lassen die Bedrohung wachsen, ohne sie sofort zu erklären.

Greta Lee und Wagner Moura tragen das Familiendrama
Greta Lee spielt Ann als pragmatische Mutter, die sich keine längere Phase der Verzweiflung erlauben kann. Während andere Familienmitglieder noch nach Antworten suchen, denkt sie bereits über Rationen, Hygiene und langfristige Versorgung nach. Dabei wirkt Ann keineswegs unerschütterlich. Lee zeigt in kleinen Gesten, wie viel Kraft es kostet, Zuversicht auszustrahlen, wenn die eigene Angst ständig wächst.

Wagner Moura bildet als Jason einen überzeugenden Gegenpol. Er möchte seine Familie beschützen und anfangs vor allem handeln, muss jedoch akzeptieren, dass Kraft und Entschlossenheit gegen die Barriere nichts ausrichten. Die daraus entstehende Frustration verleiht der Figur einige glaubwürdige Momente. Besonders gut funktioniert The Last House deshalb immer dann, wenn Ann und Jason gemeinsam nach praktischen Lösungen suchen oder darüber streiten, welche Risiken sie eingehen dürfen.

Auch die Kinder bleiben nicht bloß passive Schutzbedürftige. Da sich die Gefangenschaft über einen ungewöhnlich langen Zeitraum erstreckt, verändern sich Ruth und Graham sichtbar. Sie wachsen in einer Welt auf, deren Grenzen aus wenigen Zimmern, Erinnerungen und den Erzählungen ihrer Eltern bestehen. Dieser Gedanke besitzt eigentlich enorme emotionale Kraft. Der Film streift ihn jedoch häufiger, als dass er ihn wirklich ausarbeitet.

Überleben zwischen Erfindungsgeist und Routine
Die Familie entwickelt mit zunehmender Dauer immer aufwendigere Methoden, um Nahrung zu produzieren, Wasser zu gewinnen und den Verfall des Hauses aufzuhalten. Diese Passagen gehören zu den interessantesten Teilen des Films. Du kannst nachvollziehen, wie aus improvisierten Notlösungen feste Routinen entstehen und wie sehr die Mitglieder aufeinander angewiesen sind. Die Inszenierung erinnert dabei stellenweise an ein Kammerspiel, verbindet dieses aber mit Elementen aus Science-Fiction, Horror und Familiendrama.

Das gesamte Wohngebiet wurde für die Dreharbeiten aufwendig in England nachgebaut. Dadurch kann sich die Kamera frei durch Räume, Wände und angrenzende Grundstücke bewegen, ohne dass das Haus wie eine gewöhnliche Studiokulisse erscheint. Kameramann Pål Ulvik Rokseth nutzt enge Bildausschnitte und zunehmend abgenutzte Räume, um das Vergehen der Zeit sichtbar zu machen. Der atmosphärische Klangteppich von Yair Elazar Glotman verstärkt zudem das Gefühl einer unsichtbaren Bedrohung, die jederzeit näher kommen könnte.

Mit jeder Antwort schwindet die Spannung
Leider vertraut The Last House seiner starken Ausgangslage nicht bis zum Schluss. Sobald das Drehbuch beginnt, konkretere Hinweise auf die Ursache der Gefangenschaft zu geben, verändert sich der Film spürbar. Aus dem konzentrierten Überlebensdrama wird zunehmend ein größer gedachter Science-Fiction-Thriller. Das Tempo zieht zwar an, doch die Handlung wird dadurch nicht automatisch spannender.

Vor allem einige Figurenentscheidungen wirken plötzlich weniger glaubwürdig. Menschen, die zuvor vernünftig und vorsichtig gehandelt haben, gehen Risiken ein, weil das Drehbuch eine neue Gefahr oder Wendung benötigt. Auch die familiären Konflikte wiederholen sich, ohne sich konsequent weiterzuentwickeln. Dass die Geschichte einen langen Zeitraum umfasst, macht diesen Stillstand besonders auffällig. Jahre vergehen, aber manche Beziehungen verändern sich erstaunlich wenig.

Je näher The Last House seinem Ende kommt, desto häufiger ersetzt Spektakel die zuvor sorgfältig aufgebaute Beklemmung. Die mysteriöse Barriere war als unbekannte Bedrohung wesentlich interessanter als viele der späteren Erklärungsversuche. Gleichzeitig greift der Film Themen wie Isolation, Ressourcenverbrauch, Zusammenhalt und den Umgang des Menschen mit seiner Umwelt auf, führt sie aber nicht zu einem wirklich überzeugenden Gedanken zusammen.

Das Finale möchte emotional, bedrohlich und bedeutungsvoll zugleich sein. Dabei überlädt es die Geschichte mit neuen Eindrücken und verliert den Blick für jene Familie, die den Film zuvor getragen hat. Einige Bilder können durchaus beeindrucken, doch die Auflösung bleibt hinter den Erwartungen zurück, die der hervorragende Beginn geweckt hat.

Unser Fazit

Ein packender Überlebenskampf, dem zum Ende hin die Luft ausgeht

The Last House startet als atmosphärisch dichter und hervorragend gespielter Science-Fiction-Thriller. Die rätselhafte Gefangenschaft, die praktischen Überlebensfragen und das Zusammenspiel von Greta Lee und Wagner Moura erzeugen zunächst echte Spannung. Mit fortschreitender Laufzeit wiederholen sich jedoch Konflikte, Figuren handeln zunehmend unlogisch und die späteren Erklärungen schwächen das faszinierende Mysterium. Das überladene Ende kann die großen Themen des Films nicht überzeugend zusammenführen. Übrig bleibt ein interessanter Netflix-Thriller mit starkem Beginn, aber deutlich nachlassender Wirkung.

Redaktion (Spielemagazin.de)

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