Loslassen als zentrales Motiv
In "Leaves" verarbeitet Greenberg eine persönliche Tragödie, die sich über mehrere Jahre hinweg entfaltete. Inhaltlich dreht sich der Song um das schmerzhafte und letztlich vergeudete Unterfangen, Dinge festzuhalten, die sich der Kontrolle entziehen – vergleichbar mit fallendem Herbstlaub. Dabei beweist die Musikerin Selbstironie und baut einen charmanten Verweis auf Kurt Weills Klassiker "September Song" ein, wenn sie singt, dass es nichts Dummes gebe als jemanden, der im Sommer von September singt. Begleitet wird die Single von einem eigeninszenierten Musikvideo, das ein wie eingefroren wirkendes Schulhaus in einer kleinen Gemeinde zeigt. Dieses Gebäude fungiert im Video als stilles Mahnmal für Meilensteine und Menschen, die auf dem Lebensweg zurückgelassen wurden.Für die Entstehung der EP begab sich Greenberg in die Chrometop Studios, wo das Material live mit einem eingespielten Quartett aufgenommen wurde, das bereits seit einem halben Jahrzehnt gemeinsam im Nordosten der Vereinigten Staaten tourt. Bei der Produktion stand ihr Bob Perry von The Winter Hours zur Seite, während das Mastering von Ray Ketchem bei Magic Door Recording in Montclair übernommen wurde. Ketchem bringt reichlich Erfahrung mit und hat in der Vergangenheit unter anderem mit Bands wie Guided By Voices und Luna gearbeitet. Musikalisch bewegt sich das Werk in einem facettenreichen Raum, der die erdig-rustikalen Klänge des Alt-Country mit dem scharfen Wortwitz des traditionellen amerikanischen Songbooks verbindet.
Eine Künstlerin mit reicher Historie
Greenberg blickt auf eine vielseitige Karriere zurück, die weit über ihre aktuellen Soloarbeiten hinausreicht. Bevor sie sich der rohen und ungefilterten Ästhetik von "Leaves" widmete, machte sie sich vor allem als Interpretin und Bewahrerin des Werks von Dory Previn einen Namen. Ihr dokumentarischer Film "Dory Previn: On My Way to Where" feierte im Jahr 2024 auf dem SXSW Film & TV Festival Premiere und ist mittlerweile beim Sender PBS zu sehen. Neben ihrer filmischen Arbeit trat sie mit den Stücken in renommierten Institutionen wie dem Mass MoCA, Joe's Pub und dem Houston Museum of Fine Arts auf und betreut zudem den offiziellen Nachlass der Künstlerin als Archivarin. Auch in anderen musikalischen Projekten hat sie Spuren hinterlassen: So produzierte James Mastro von The Bongos und Patti Smith bereits ihre früheren Alben "Past Your Eyes" und "Greenland". Ihre Kompositionen liefen zudem in Sendungen wie "This American Life", und selbst Rockikone Ronnie Spector nahm einst einen ihrer Songs auf.Abseits ihrer Solokarriere hat sich Greenberg zudem im Theaterbereich einen Namen gemacht. Gemeinsam mit Robin Goldwasser komponierte sie die Musik für die Off-Broadway-Rockoper "People Are Wrong!" und arbeitete mit Stephen Trask, dem Kopf hinter "Hedwig and the Angry Inch", an dem Stück "Cavedweller". Abseits der Bühne engagiert sie sich zudem im Bereich der Gesundheitsgerechtigkeit und leitet das Musikprogramm an der Rock Valley Schoolhouse in den Catskills.
Über ihre Herangehensweise und die Beweggründe für die kompromisslose Ästhetik der neuen Stücke sagt Julia Greenberg:
Diese Songs sind unverblümt geschrieben und gesungen von einer Frau, die schon eine Weile dabei ist und so einiges gesehen und verloren hat – und die die Kraft der Nähe von Komik und Trauer kennt. Die Art und Weise, wie roh ich diese Songs in die Welt hinaussicke, ist eine Reaktion auf all die Bildschirme, Filter und den Bullshit an Selbstdarstellung, der uns beherrscht.


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