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Phia - The Ocean of Everything Review

Federleichter Indie-Pop zwischen Kalimba, Fernweh und großen Gefühlen



Phia - The Ocean of Everything Review Bild Phia - The Ocean of Everything Review Screenshot Phia - The Ocean of Everything Review Foto

Manchmal genügt ein ungewöhnlicher Klang, um einem Album eine ganz eigene Identität zu verleihen. Auf ihrem Debüt The Ocean of Everything findet Phia diesen Klang in der Kalimba. Das kleine, mit Metallzungen ausgestattete Instrument bildet das pulsierende Herz einer Platte, die Indie-Pop, Singer-Songwriter-Musik und elektronische Akzente erstaunlich unbeschwert miteinander verbindet. Veröffentlicht wurde das Album am 26. August 2016, doch seine warme, verspielte Produktion wirkt auch Jahre später kaum gealtert. Statt sich auf den exotischen Reiz ihres bevorzugten Instruments zu verlassen, setzt Phia es als selbstverständlichen Bestandteil eines modernen Pop-Sounds ein.

Von Melbourne nach Berlin und zurück zu den eigenen Wurzeln
Hinter Phia steckt die australische Musikerin Sophia Exiner, die in Melbourne aufwuchs, Jazzpiano und Improvisation studierte und 2011 mit einem One-Way-Ticket nach Berlin aufbrach. Im Gepäck befanden sich unter anderem eine Kalimba und ein Loop-Pedal. Aus dieser überschaubaren Ausrüstung entwickelte sie einen eigenständigen Bühnenstil, mit dem sie sich über zahlreiche Konzerte und Reisen eine treue Hörerschaft erspielte. The Ocean of Everything trägt die Spuren dieser Jahre deutlich in sich. Es geht um räumliche Distanz, familiäre Herkunft, Erinnerungen, Beziehungen und die Frage, an welchem Ort Du Dich eigentlich zu Hause fühlst.

Besonders unmittelbar wird das in So Far, So Close. Phia verbindet darin ihre Berliner Lebenswirklichkeit mit der Geschichte ihrer Großeltern und stellt fest, dass eine große Reise manchmal notwendig ist, um sich den eigenen Wurzeln wieder anzunähern. Die nachdenkliche Perspektive steht dabei nicht im Widerspruch zur hellen Musik. Gerade diese Reibung macht den Song zu einem der emotionalen Höhepunkte des Albums.

Kalimba und Loops als Fundament eines lebendigen Indie-Pop-Sounds
Musikalisch bleibt The Ocean of Everything angenehm beweglich. Die Kalimba liefert helle, federnde Figuren, während Loop-Spuren, Vocal Percussion, Synthesizer-Bässe, Beats und elektrische Gitarren das Klangbild erweitern. Produzent Joshua Teicher, der Heartstrings gemeinsam mit Phia schrieb, hält die Arrangements kompakt und gibt den einzelnen Elementen genügend Raum. Obwohl viele Stücke nur rund drei Minuten dauern, wirken sie nicht unfertig. Ihre Ideen werden präzise vorgestellt, entwickelt und abgeschlossen, bevor sich die verspielte Leichtigkeit abnutzen kann.

Heartstrings eröffnet das Album mit einer charmanten Liebeserklärung, in der Gefühle über musikalische Bilder greifbar werden. Do You Ever? blickt dagegen auf eine vergangene Beziehung zurück und fängt sehr treffend dieses nagende Bedürfnis ein, wissen zu wollen, ob ein Mensch von früher ebenfalls noch an Dich denkt. Das beschwingte Arrangement lässt zunächst kaum erkennen, wie viel Wehmut in den Zeilen steckt. I More Than Rather Like You setzt anschließend auf entwaffnende Direktheit und einen beinahe kindlich formulierten Refrain. Das kann Dir etwas zu niedlich erscheinen, besitzt aber zweifellos Charakter.

Zwischen Erinnerung, Nähe und dem Mut zum Neubeginn
In Begin Again widmet sich Phia der verführerischen Vorstellung, das eigene Leben zurückspulen und bestimmte Entscheidungen noch einmal treffen zu können. Der Titelausdruck The Ocean of Everything beschreibt dabei ein kaum entwirrbares Geflecht aus Ursachen, Verletzungen und Erinnerungen. Open/Closed sowie Chemistry greifen das komplizierte Wechselspiel zwischen Anziehung, Unsicherheit und emotionaler Offenheit auf, ohne in dramatische Übertreibungen zu verfallen. Phia erzählt lieber über kleine Beobachtungen und vertraute Situationen als über große Gesten.

If Not You erweitert den Blick und entwickelt sich zu einem optimistischen Plädoyer dafür, das gewünschte Leben selbst zu wählen. Fernbeziehungen und teure Reisen erscheinen hier nicht als romantische Kulisse, sondern als ganz praktische Herausforderung einer vernetzten Welt. Revisionist und Red Bicycles setzen die Beschäftigung mit Erinnerung und Perspektive fort, bevor End Of The Day das Album ruhig und neugierig ausklingen lässt. Die Frage danach, womit andere Menschen ihre Gedanken und Träume füllen, passt wunderbar zu einer Platte, die den Blick immer wieder nach innen und außen zugleich richtet.

Eine klare Handschrift mit kleinen Grenzen
Die Stärke von The Ocean of Everything liegt in seiner Geschlossenheit. Phias klare Stimme, die rhythmische Kalimba und die luftigen Harmonien sind sofort wiederzuerkennen. Allerdings bewegt sich das Album dadurch auch innerhalb eines vergleichsweise engen klanglichen Rahmens. Einige Arrangements folgen ähnlichen Mustern, und nicht jede Melodie bleibt so nachhaltig hängen wie So Far, So Close oder Do You Ever?. Was an dramatischer Spannweite fehlt, gleicht Phia jedoch mit Wärme, handwerklicher Präzision und einer glaubwürdigen Freude am Experimentieren aus. Mit elf Songs und rund 36 Minuten Spielzeit bleibt das Debüt zudem angenehm konzentriert.

Tracklist
  1. Heartstrings
  2. So Far, So Close
  3. Begin Again
  4. Do You Ever?
  5. I More Than Rather Like You
  6. Chemistry
  7. Open/Closed
  8. If Not You
  9. Revisionist
  10. Red Bicycles
  11. End Of The Day

Unser Fazit

Federleichter Indie-Pop zwischen Kalimba, Fernweh und großen Gefühlen

The Ocean of Everything ist ein warmherziges und sehr eigenständiges Indie-Pop-Debüt, dessen Kalimba-Motive weit mehr als ein bloßer Wiedererkennungswert sind. Phia verbindet persönliche Erinnerungen, Fernweh und Beziehungsgeschichten mit leichten, sorgfältig produzierten Arrangements. Nicht jeder Song erreicht die gleiche melodische Wirkung, und auf Dauer ähneln sich einige Klangfarben. Die klare Handschrift, die sympathische Direktheit und mehrere wirklich starke Stücke machen das Album dennoch zu einer ausgesprochen lohnenden Entdeckung.

snaggy (Spielemagazin.de)

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Spielemagazin-Wertung: 80%

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