Meimuna – 10 ans d’éclosions Review

Zehn Jahre Meimuna in neuem Klanggewand



Zehn Jahre sind eine verdammt lange Zeit, wenn man sie in Songs misst. Für Cyrielle Formaz und ihr 2016 gegründetes Projekt Meimuna sind sie Anlass, nicht einfach eine klassische Best-of-Sammlung vorzulegen, sondern das eigene Schaffen noch einmal neu zu betrachten. „10 ans d’éclosions“ versammelt ausgewählte Stücke aus dieser ersten Dekade und überführt sie in aufwendig arrangierte Orchesterfassungen. Ein Ansatz, der leicht in übertriebener Opulenz enden könnte. Bei Meimuna passiert erfreulicherweise das Gegenteil.

Die Musik gewinnt an Größe, ohne ihre Intimität zu verlieren. Und genau darin liegt die besondere Qualität dieses Jubiläumsalbums.

Zehn Jahre zwischen Folk und französischer Poesie

Meimuna war ohnehin nie ein Projekt für die ganz großen Gesten. Formaz bewegt sich seit Jahren zwischen französischsprachigem Chanson, Folk, Pop und experimentelleren Klangfarben. Ihre klassische Ausbildung an der Gitarre bildet dabei ein Fundament, von dem sie sich künstlerisch längst weit entfernt hat, ohne es jemals vollständig hinter sich zu lassen.

Diese Vorgeschichte hilft „10 ans d’éclosions“ enorm. Denn die orchestralen Arrangements wirken nicht wie ein nachträglich aufgesetzter Luxus. Vielmehr scheint es fast so, als hätten manche dieser Kompositionen nur darauf gewartet, irgendwann in einer größeren Besetzung gespielt zu werden.

Verantwortlich dafür ist Marino Palma alias El Duende, der die Arrangements und Orchesterkompositionen übernommen hat. Insgesamt 13 Musikerinnen und Musiker bilden die Formation, darunter Streicher, Bläser, Gitarren, Bass, Kontrabass, Schlagzeug und Percussion.

Ein Orchester, das auch leise sein kann

Das Spannende ist dabei weniger die Größe des Ensembles als dessen Zurückhaltung. Natürlich kann „10 ans d’éclosions“ anschwellen und breite Klanglandschaften entwickeln. Doch Palma widersteht meistens der Versuchung, jede freie Stelle mit Streichern und Bläsern auszufüllen.

Stattdessen bleibt Luft.

Mal tritt die klassische Gitarre stärker hervor, mal legen sich Streicher vorsichtig unter die Stimme, während Flügelhorn, Bassklarinette, Posaune oder Querflöte kleine Farbtupfer setzen. Das verleiht dem Album eine fast kammermusikalische Eleganz.

Aufgenommen wurde das Projekt live im Blend Studio im schweizerischen Lutry. Auch das ist eine wichtige Entscheidung. Die Arrangements wirken dadurch weniger klinisch als bei vielen vergleichbaren Orchesterproduktionen. Man hört ein Ensemble, das miteinander musiziert, anstatt einzelne Spuren möglichst perfekt übereinanderzuschichten.

Melancholie ohne Schwere

Über allem schwebt natürlich die Stimme von Cyrielle Formaz. Sie besitzt diese fragile, beinahe ätherische Qualität, die hervorragend zu Meimunas Musik passt. Formaz muss nicht gegen das Orchester ansingen. Im Gegenteil: Die Instrumentierung scheint sich häufig um ihre Stimme herum zu bewegen.

Das führt zu einer wunderschönen Balance aus Nähe und Weite.

Melancholie spielt dabei weiterhin eine zentrale Rolle. Trotzdem ist „10 ans d’éclosions“ kein trauriges Album. Hinter vielen nachdenklichen Momenten steckt Wärme, manchmal sogar etwas Tröstliches. Schönheit wird hier nicht mit Perfektion verwechselt. Sie entsteht eher aus Zweifeln, Erinnerungen und kleinen Beobachtungen.

Gerade das macht die Platte menschlich.

Mehr als eine Best-of-Sammlung

Man könnte „10 ans d’éclosions“ natürlich als Rückblick betrachten. Nach fünf EPs und dem Debütalbum „c’est demain que je meurs“ gibt es inzwischen genügend Material dafür. Aber der Begriff Best-of würde dem Projekt nicht gerecht.

Die neuen Arrangements verändern die Perspektive auf diese Musik. Bekannte Kompositionen bekommen andere Räume, andere Gewichtungen und teilweise eine fast filmische Dimension. Trotzdem bleibt die Handschrift von Meimuna jederzeit erkennbar.

Und vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis dieses Albums: Nach zehn Jahren besitzt das Projekt eine musikalische Identität, die stark genug ist, um auch eine derart umfassende Neuinterpretation zu tragen.

Manchmal fast zu schön

Ganz ohne Einschränkungen kommt das Album dennoch nicht davon. Die konsequent elegante Inszenierung kann über die gesamte Spielzeit ein wenig gleichförmig wirken. Gelegentlich wünscht man sich einen Moment, in dem diese wunderschön kontrollierte Oberfläche einmal richtig aufbricht.

Denn Meimuna bewegt sich oft bewusst in feinen Abstufungen. Wer dramatische Kontraste oder einen großen orchestralen Paukenschlag erwartet, dürfte hier vergeblich warten.

Andererseits wäre genau das vermutlich auch das falsche Album dafür.

„10 ans d’éclosions“ möchte nicht überwältigen. Es möchte einladen. Man sollte sich Zeit nehmen, die kleinen Bewegungen in den Arrangements zu entdecken und die Musik nicht nebenbei laufen lassen. Dann entwickelt diese Platte eine bemerkenswerte Tiefe.
  1. intro (10 ans d’éclosions)
  2. c’est demain que je meurs
  3. tomber de haut
  4. arracher les ombres
  5. la tristesse du diable
  6. Skagen
  7. Moby Dick
  8. le grand cormoran
  9. au temps des coquillages
  10. intro au-delà
  11. au-delà
  12. aux gens du vide
  13. meimuna

FAZIT

Mit „10 ans d’éclosions“ schenkt sich Meimuna zum zehnjährigen Bestehen kein gewöhnliches Best-of, sondern eine liebevolle Neubetrachtung der eigenen Geschichte. Marino Palmas Arrangements verleihen den Kompositionen orchestrale Größe, ohne ihre fragile Schönheit zuzudecken. Besonders die Verbindung aus Streichern, Bläsern, Gitarren und Formaz’ feiner Stimme erzeugt eine Atmosphäre, die manchmal beinahe wie die Musik zu einem Film wirkt, den man sich beim Zuhören selbst ausdenken darf. Gelegentlich könnte dieses elegante Klangbild etwas mehr Reibung vertragen. Dafür ist das Album hervorragend produziert, detailreich und erstaunlich organisch. Ein würdiger Rückblick auf die ersten zehn Jahre – und gleichzeitig der schöne Beweis dafür, dass Meimunas Musik noch genügend Raum besitzt, um weiterzuwachsen.

Redaktion (Spielemagazin.de)

Wie wir bewerten. Mehr zum Thema Transparenz.

Spielemagazin-Wertung: 80%
Zehn Jahre Meimuna in neuem Klanggewand

Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten, die mit gekennzeichnet sind. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Für dich ändert sich dadurch nichts, auch nicht am Preis, aber du unterstützt damit dieses Projekt. Dieser Beitrag wurde mithilfe generativer KI erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr zum Thema Transparenz.

Dies wird dich interessieren...
Meimuna feiert zehnjähriges Bestehen mit neuem Orchesteralbum

El Duende arrangierte die Songs neu für ein Orchester aus 13 Musikern



Dimmu Borgir - Grand Serpent Rising

Ein mächtiges Comeback mit alter Angriffslust, großer Klasse und etwas Überlänge



Werbung
Werbung
Amazon Music
Jetzt bestellen!

Captain
Letzte Updates an Spielemagazin.de von Captain am 03.09.2026 23:19
Captain
Letzte Updates an Spielemagazin.de von Captain am 26.08.2026 22:48
Captain
Hallo aus dem Rheinland! von Captain am 24.08.2026 18:10
candicelia
Hallo aus dem Rheinland! von candicelia am 24.08.2026 17:41
Captain
Letzte Updates an Spielemagazin.de von Captain am 22.08.2026 12:59
Redakteur werden bei Spielemagazin.de
Wir suchen Verstärkung für unsere Redaktion.

DU LIEBST SPIELE, FILME, MUSIK ODER BÜCHER? MACH MIT!

Veröffentliche Tests und News, führe Interviews oder werde Teil unseres Podcast-Teams.

Redakteur werden