Schon der Opener „Kickstarter“ macht klar, dass dieses Album nicht um Erlaubnis bittet. Es startet direkt mit Vollgas, zieht die Geschwindigkeit an und entfacht sofort ein Gefühl von Adrenalin, das man eher von Live-Shows kennt. Die Platte sprüht förmlich vor Energie – und ja, die Anleihen an frühe Accept-Alben sind kaum zu überhören. Aber gerade das macht den Reiz aus: Diese Musik ist kein Retro-Flirt, sondern ein bewusstes Festhalten an einem Sound, der zeitlos bleibt, wenn man ihn so authentisch liefert.
Ein Album wie ein frisch getunter V8
Mit nur wenigen Takten erinnert Sänger Dag „Hell“ Hofer daran, warum er zu den markantesten Stimmen im europäischen Heavy Metal gehört. Dieses charakteristische Kratzen, das halb zwischen Straßenstaub und Stadionbühne lebt, trägt die Songs mit einer Wucht, die jede Sekunde glaubhaft macht. Unterstützt wird er von der Doppelgitarren-Front Hampus Klang und Neuzugang Freddie Johansson, die sich durch die Songs rasen, als würden sie auf einer brennenden Landstraße um die Wette fahren.Die Produktion bleibt angenehm roh, ohne dabei billig zu klingen. Alles klingt so, als stünde man wirklich neben dem alten Tourbus der Band, während jemand den Motor neu anwirft. Diese analoge Wucht verleiht dem Album eine Echtheit, die im modernen Metal oft fehlt. „Kickstarter“ ist ein Album, das nicht perfekt sein möchte – sondern lebendig.
Gitarrenwände, die man fühlen kann
„Caught In The Action“ und „Open Fire“ zeigen eindrucksvoll, wie Bullet ihre Stärken bündeln: eingängige Riffs, melodische Leads, treibende Drums und Refrains, die man schon nach der ersten Runde mitsummen kann. Kein Song dauert länger als nötig, nichts verliert sich in unnötigen Spielereien. Hier herrscht das Prinzip „Hit the Road – aber ohne Umwege“.„Keep Rolling“, eine der Vorabsingles, sticht besonders hervor. Der Song klingt wie der Soundtrack einer nächtlichen Autobahnfahrt, bei der der Himmel brennt und die Tachonadel nie unter 150 fällt. Das Stück bringt genau dieses Freiheitsgefühl rüber, das Metal dieser Art so unkaputtbar macht.
Zwischen Nostalgie und frischer Härte
Mit „Avenger“ und „Chained By Metal“ zeigt die Band, warum sie live seit Jahren ein Publikumsmagnet ist. Die Songs tragen alles in sich, was Bullet-Fans lieben: Hymnencharakter, Gitarren, die wie Kreissägen klingen, und Drums, die sich anfühlen, als würde jemand unentwegt gegen eine Hallentür treten. Es gibt kein Zögern, kein Wanken – nur Bewegung.„Spitfire“ und „Full Throttle“ erweitern das Spektrum etwas, ohne den Weg zu verlassen. Gerade „Spitfire“ überrascht mit stärkeren melodischen Elementen und „Night Falls Down“ bildet als längster Track den atmosphärischsten und vielleicht emotionalsten Abschluss. Ein Song, der ein paar Funken Melancholie zulässt, ohne den Motor auszumachen.
Ein Album, das so lebt wie seine Geschichte
Man spürt in “Kickstarter” die Geschichte dieser Band – die alten Shows, den explodierten Tourbus, die Festivals, die Ölspuren auf der Straße und die Hartnäckigkeit, mit der Bullet immer wieder aufsteht. Alles wirkt ehrlich, bodenständig und voller Leidenschaft. Genau das macht dieses Album zu einem Highlight für alle, die klassischen Heavy Metal nicht als Nostalgie betrachten, sondern als Haltung.Heutewirkt diese Musik fast rebellisch, weil sie nicht modernisiert, nicht angepasst, nicht geglättet wird. Bullet bleiben sich treu – und schaffen genau dadurch etwas, das frischer wirkt als viele Hochglanzproduktionen.
Tracklist
- Kickstarter
- Caught In The Action
- Open Fire
- Keep Rolling
- Hit The Road
- Avenger
- Chained By Metal
- Spitfire
- Full Throttle
- Strike At Night
- Night Falls Down



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