Backengrillen - Backengrillen Review

Free Jazz trifft Noise trifft... Überforderung



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Foto: Fredrik Lyxzén. Mehr zum Thema Transparenz.

Es ist schwer, Worte für ein Album zu finden, das sich konsequent jeder Form von Struktur, Rhythmus oder Harmonie verweigert. Backengrillen – ein Projekt aus Mitgliedern von Refused, The International Noise Conspiracy und Fire Orchestra – haben mit ihrem selbstbetitelten Debüt etwas geschaffen, das man nur schwerlich „Musik“ im herkömmlichen Sinne nennen kann. Free Jazz trifft Death Metal trifft völligen Kontrollverlust.

Schon die Entstehungsgeschichte liest sich wie ein absurdes Manifest: am Donnerstag geschrieben, am Freitag live gespielt, am Samstag aufgenommen. Was dabei herauskam, ist ein verstörendes Dokument purer Intuition. Das Resultat klingt wie vier Züge, die gleichzeitig aufeinander zurasen – und niemand bremst.

Das Chaos hat Methode – oder eben keine

Der Opener A Hate Inferior beginnt noch recht gemächlich, nach drei Minuten geht es dann recht doomig vorwärts. Nach zehn Minuten bleibt nur die Frage: Ist das Genie oder Irrsinn? Vermutlich beides – und zugleich keins von beidem.

Dör för långsamt schleppt sich mit über zwölf Minuten durch pumpende Riffs, kreischende Bläser und Shouts, die wie ein Jazzclub auf Acid wirken. Repeater II bietet zumindest kurze Orientierung – ein pulsierender Bass, der dem Album erstmalig etwas Struktur zu verleihen versucht. Aber im Zusammenspiel mit dem Saxophon und dem eher "kreativen" Gesang wird es dann doch recht "interessant". Der Titelsong Backengrillen macht den Wahnsinn komplett, Socialism or Barbarism setzt noch einen Akzent des Chaos zum Abschluss.

Zwischen Genie und Geräuschwand

Die Idee hinter diesem Album ist nachvollziehbar: musikalische Freiheit, spontane Energie, die Rückkehr zu rohem Ausdruck. Doch das Resultat ist – selbst für experimentelle Maßstäbe – schwer verdaulich. Wer keine Lust auf Chaos hat, wird hier schlicht überfordert. Wer hingegen Klangzerstörung als kathartisches Erlebnis begreift, könnte darin einen radikalen Reiz entdecken.

Trotz der beeindruckenden Musiker – Dennis Lyxzén, Mats Gustafsson, Magnus Flagge, David Sandström – bleibt Backengrillen ein Werk, das man eher respektiert als liebt. Es ist zu roh, zu unzugänglich, zu sehr Selbstzerstörung als Ausdruck.

Tracklist

  1. A Hate Inferior – 10:09
  2. Dör för långsamt – 12:12
  3. Repeater II – 6:11
  4. Backengrillen – 10:18
  5. Socialism or Barbarism – 9:37

FAZIT

Wir sagen es frei heraus: Wir haben keinen Zugang zu diesem Werk gefunden. Free Jazz ist ohnehin Geschmackssache – in dieser Form aber eine Grenzerfahrung, die selbst passionierte Hörer ratlos zurücklässt. Vielleicht liegt das Problem am Ende beim Rezipienten, nicht bei der Band. Vielleicht auch an beiden. Backengrillen ist ein Statement gegen jede Erwartungshaltung, ein Exzess ohne Ziel, eine Klangexplosion, die selbst erfahrene Ohren überfordert. Wer sich traut, sollte selbst ein Ohr riskieren.

Captain (Spielemagazin.de)

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Spielemagazin-Wertung: 24%
Free Jazz trifft Noise trifft... Überforderung

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